Grüne Berufe

Guter Rat für Berufsberater

Der Deutsche Bauernverband (DBV) nahm die Gelegenheit wahr und lud zwölf Berufsberater der Berliner Agentur für Arbeit auf die Internationale Grünen Woche (IGW) ein. Dort sollten die Berater über die Herausforderungen in den grünen Berufen informiert werden.

Der Fachkräftemangel macht weder vor Berlin noch vor der Agrarbranche halt. Es gibt keinen einzigen Forst- oder Landwirt in der Stadt. Jugendliche mit entsprechenden Talenten müssen ins weitere Umland ziehen. Gärtner dagegen sind in der Stadt mit vielen Grünanlagen gefragt. Rund 100 Bewerbern stehen 20 Firmen gegenüber. Es herrscht Bewerbermangel. Viele Betriebe in Brandenburg haben Schwierigkeiten, ihre Stellen für Auszubildende (Azubi) zu besetzen.

In Berlin, wo rund ein Viertel aller Ausbildungen abgebrochen werden, versucht die Arbeitsagentur deswegen besonders nachhaltig zu beraten. Viele Jugendliche haben falsche Vorstellungen von einem Berufsbild, sind dann enttäuscht und brechen ab. Hier haken die Berufsberater ein. Von der Qualität ihrer Beratung hängt oft der Werdegang eines Jugendlichen ab. Deswegen organisierte der DBV eine Informationsveranstaltung für die Berliner Agentur für Arbeit. Andrea Preuße, Berufsberaterin für Jugendliche unter 25 bei der Jugendberufsagentur Berlin wurde zusammen mit elf weiteren Kolleginnen über verschiedene Stände auf der IGW geführt.


Franziska Schmieg vom DBV führte den Tross zum Schweinemobil, zu pflanzentechnologischen Unternehmen bis hin zu Imkern und Bäckern. Dort schilderten Fachleute aus den Branchen ihre Arbeit und ihre Hoffnungen an ihre Azubi. Selbstständig und verantwortungsbewusst sollen sie sein und im Idealfall einen Realschulabschluss in der Tasche haben. Die Anforderungen an Azubi steigen – ganz besonders in den grünen Berufen.



„Für uns ist das eine tolle und auch wertvolle Erfahrung.“ so Preuße. „Wir beraten zu über 400 Berufen und ohne direkten Kontakt zu der Branche hätten wir nur ein Klischee von dem tatsächlichen Berufsbild im Kopf. Das aktuelle Berufsbild des Landwirts hat etwa wesentlich mehr mit erneuerbaren Energien zu tun, als ich dachte.“ Durch die frühe Einschulung sind die Bewerber oft noch sehr jung und müssen „an die Hand genommen“ werden. Preuße fällt die Beratung leichter, wenn sie weiß, dass sich die Betriebe so auf ihre Azubis einstellen.

Gerade in der Stadt haben grüne Berufe keinen guten Stand. Viele Betriebe steuern bereits dagegen und wollen attraktiver wirken. Sie erhöhen die Ausbildungsvergütung und werben mit Vergünstigungen. Sie bezahlen den Führerschein, das Verbundsticket oder winken sogar mit Konzertkarten.

Die landwirtschaftliche Branche leidet bereits unter dem demographischen Wandel. „Rund die Hälfte der jungen Menschen, die sich heute für einen grünen Beruf entscheiden, haben keinen grünen Hintergrund, kommen also nicht von einem Hof“. so Schmieg. Der DBV sucht schon seit längerer Zeit die Verbindung zu Schulen, Betrieben und Organisationen vor Ort.

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