Internationale Grüne Woche

Blockchain ist die Lösung - aber nicht für alles


Auf höchstes Interesse stoßen Veranstaltungen rund um die Blockchain – die digitale Technik, die auch die Landwirtschaft revolutionieren soll. Doch Experten warnen vor zu hohen Erwartungen.

Tatsächlich hat das fälschungssichere Dokumentieren von Vorgängen viel Potenzial - auch für die landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Das Datenspeicherungsinstrument macht eine lückenlose Nachverfolgbarkeit von Produkten möglich, Zahlungsvorgänge werden fälschungssicher dokumentiert und insgesamt bekommt der Handel mehr Transparenz.

Mehr Mehrwert bei den Erzeugern

„Nur 7 Prozent der Kaffeeerzeuger in Äthiopien kennen ihre Handelsketten“, erklärt Daniel Jones, Chef des Unternehmen Bext 360, das die Blockchain in Lieferketten implementiert. Sein Anspruch ist es, Transparenz herzustellen, erklärt er auf dem gut besuchten GFFA Forum am Donnerstag im Rahmen der Grünen Woche in Berlin. „Es verbleibt mehr Mehrwert in der Landwirtschaft“, so Jones über das Projekt „from bean to brew“ – von der Bohne bis zur Tasse. Der Vorteil der Blockchain-Technologie sei die Übertragbarkeit auf die unterschiedlichsten Anwendungen. Derzeit startet er ein Projekt mit Textilien.
Gerade der Biomarkt könne von dieser zusätzlichen Transparenz profitieren, führt Dr. Maria Flachbarth, Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium, einen weiteren Anwendungsbereich auf. „Denn woher soll ich als Verbraucher heute wissen, ob die Mandarine, die ich kaufe, tatsächlich auch Bio ist?“ Gleichzeitig warnt sie davor, die Blockchain als Allheilmittel – gerade für Probleme in Entwicklungsländern - anzusehen. Man müsse vor einer Überfrachtung warnen. „Die Blockchain ist sehr wichtig. Sie kann aber auch nicht alle Menschen aus der Armut holen, für mehr Frauenrechte sorgen oder das Hungerproblem lösen.“ So müssten auch erst einmal viele Voraussetzungen erfüllt sein, damit sie Sinn mache, wie Bildung, die Bereitstellung von Hard- und Software oder – ganz banal – eine zuverlässige Stromversorgung.

Einsicht in Daten müsse geregelt sein

Flachsbarth warnt auch vor Risiken, die nicht die Entwicklungsländer allein betreffen. So sei die Frage der Datenhoheit zu klären. Wenn jeder jederzeit Zugriff habe, wüssten beispielsweise Abnehmer wie die Ernte der Erzeuger ausgefallen ist. Daraus könnten sie Schlüsse auf die akute finanzielle Situation ziehen und die Preise entsprechend gestalten. An diesen Stellen sei Regulierung notwendig. Für Jane Kilmartin, IT-Verantwortliche beim Lebensmittelkonzern Cargill, entsteht über die Blockchain eine ganz neue Art der Zusammenarbeit. Als Beispiel nennt sie das Open Source Projekt in den USA, an dem sich 70 Putenerzeuger und der Lebensmittelhandel beteiligen. Durch die dort geschaffene Rückverfolgbarkeit hätten die Erzeuger einen ganz neuen Zugang zu den Verbrauchern erhalten. Aber auch die Lieferketten und Kooperationen im Agrarhandel werden sich laut Kilmartin verändern. „Es ist klar, dass es nicht einen Blockchain-Weltmarktführer geben wird.“ Die Logik der Technik sei anders. Cargill stehe mit ADM oder Bunge im Austausch, wie sich der internationale Handel gestalten lasse.

Einig waren sich die Teilnehmer des GFFA-Podiums, dass die Blockchain noch in den Anfängen stecke. Und dass man nicht einem Hype erliegen solle, ähnlich wie bei der Künstlichen Intelligenz. Wenn Blockchain die Antwort ist, dann müsse vorher definiert sein, was eigentlich die Frage war.

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