Grüne Woche

Die Macht des Handels

Der Vergleich von der Schweiz mit Großbritannien zeigt eins: Nationale Alleingänge beim Tierwohl können funktionieren. Allerdings kommt es auf den richtigen Zeitpunkt und eine funktionierende Kommunikation an.

Wie lässt sich mehr Tierschutz in der Nutztierhaltung verankern? Liegt die Macht beim Verbraucher, der mit dem Kauf von Tierwohl-Waren für einen Wandel in der Produktion sorgt? Oder sind Änderungen nur über den starken Arm des Gesetzes zu erreichen? Auf der Grünen Woche stellten unter anderem Wissenschaftler aus der Schweiz und Schweden ihre Erfahrungen mit Maßnahmen vor, die zu einer veränderten Tierhaltung in ihrem Land führten. Dabei zeigte sich eins deutlich: Viele Faktoren müssen zusammenspielen, damit nationale Alleingänge, die für mehr Tierwohl sorgen wollen, im heimischen Markt funktionieren.

Tierhalter fürchten um ihre Wettbewerbsfähigkeit

Ob nun 1999 in Großbritannien der Kastenstand für Sauen oder bereits vor dreißig Jahren in der Schweiz die Käfige für Legehennen gestrichen wurden - eine verständliche Reaktion auf die verschärften Tierschutzgesetze hat es immer gegeben: Die Tierhalter fürchteten um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Denn sie standen in einem offenen Markt plötzlich mit Ländern in Konkurrenz, deren Anforderungen an die Tierhaltung nicht verschärft wurden und die demzufolge keine zusätzlichen Kosten zu tragen hatten.

Der Vergleich zwischen Großbritannien und der Schweiz zeigt, dass solche rechtlichen Rahmensetzungen manchmal katastrophal und manchmal gut enden können. So hat sich in Großbritannien die Lage für Schweinehalter drastisch verschlechtert. Die Zahl der Zuchtsauen hat sich von 800.000 im Jahr 1997 auf heute rund 400.000 halbiert. Die Produktionskosten bewegen sich im Schnitt 6 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Die Importe legten massiv zu, sodass der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch von 83 Prozent im Jahr 1998 auf knapp 50 Prozent gesunken ist.

Allerdings können nicht alle Folgen einfach den verschärften Tierschutzanforderungen zugeschrieben werden. Denn die Abschaffung des Kastenstandes fiel in eine sehr ungünstige Zeit, erklärt Bouda Ahmadi, Wissenschaftler am Scotland's Rural Collage. Die Preise für Schweinefleisch waren im Keller und die Insel wurde seit der Jahrtausendwende von mehreren Seuchen wie der Schweinepest und der Maul- und Klauenseuche heimgesucht. Das habe die Lage am Schweinemarkt zusätzlich sehr negativ beeinflusst.

Wandel hat nur bei Frischei funktioniert

Ein Beispiel, wie veränderte Haltungsbedingungen nicht katastrophal für Landwirte enden müssen, ist die Schweiz. Die Abschaffung des Käfigs bei Legehennen habe nicht zu einem Zusammenbruch des Eiermarktes geführt, erklärt Heinrich Binder vom Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit. Allerdings ist das mit Einschränkungen zu sehen. Denn diese Aussage gilt nur für Frischeier. Dass der Verbraucher in der Schweiz die teurere heimische Ware kauft, habe mehrere Ursachen, erklärt Binder. Das läge zum einen an der massiven Informationskampagne von Staat, NGOs und auch Tierschützern zu den Haltungsbedingungen, erklärt er. Eine weitere entscheidende Komponente sei aber auch das Mitspielen des Handels gewesen. Die beiden größten Handelsketten in der Schweiz hätten sich gemeinsam zur heimischen Ware bekannt und in die Regale genommen.

Betrachtet man aber auch die weitere Verarbeitungskette und die Gastronomie, sieht die Sache schon anders aus. Dort wird gerne auf Importware zurück gegriffen. Der überwiegende Teil der Eier stammt aus dem günstiger produzierenden Ausland.
stats