Grüne Woche

Geschäft mit Pflanzenschutz schwächelt

In Deutschland gehen die Umsätze mit Pflanzenschutzmitteln weiter zurück. Auch der Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft hat weniger Konjunktur als die kritische Debatte um den Einsatz.

Der Umsatz der deutschen Pflanzenschutzmittelhersteller ist 2017 wie bereits in den Jahren zuvor weiter zurückgegangen. Das geht aus Zahlen hervor, die der Industrieverband Agrar (IVA) am Donnerstag auf seinem Pressegespräch im Rahmen der Grünen Woche in Berlin präsentiert hat. Die im Verband organisierten Unternehmen setzten 2017 im Direktgeschäft mit dem Großhandel 1,38 Mrd. € um. Im Jahr 2015 waren es noch 1,59 Mrd. €.

Während das Geschäft mit Herbiziden 2017 um 2 Prozent zulegte, verbuchten die Segmente Fungizide und Insektizide Rückgänge um 4,8 beziehungsweise 5,2 Prozent. In Europa hingegen wurden 2017 Pflanzenschutzmittel im Wert von rund 10,5 Mrd. € umgeschlagen, was in etwa auf dem Niveau der beiden Vorjahre liegt.

Die schwache Geschäftsentwicklung in Deutschland steht nach Auffassung des IVA im Gegensatz zum Aufschwung der gesellschaftlichen Debatte über einen vermeintlich überhöhten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln: „Diese Entwicklung veranschaulicht, dass Landwirte keineswegs – wie oft behauptet wird – immer mehr Pflanzenschutzmittel einsetzen, sondern die Nachfrage maßgeblich von Faktoren wie der Witterung oder dem Krankheitsdruck abhängt“, kommentierte Verbandspräsident Dr. Helmut Schramm die Zahlen.

Rückläufig entwickelt sich auch der Einsatz von Glyphosat in Deutschland. Das geht aus Zahlen hervor, die das Agrar-Marktforschungsunternehmen Kleffmann Group auf dem IVA-Pressegespräch vorstellte. Demnach verbrauchten Landwirte hierzulande 2.741 t Glyphosat im Jahr 2017 6 Prozent weniger als im Vorjahr. Allerdings ist der Verbrauch von Glyphosat 2016 gegenüber 2015 sogar um 13 Prozent zurückgegangen.

Während der IVA darauf hofft, dass sich die Glyphosat-Debatte in Deutschland „versachlicht“, kritisiert der Verband den Rückstau bei der Zulassung von neuen Pflanzenschutzmitteln. Anträge würden zwar derzeit schneller bearbeitet, aber der Zulassungsstau sei damit lange nicht abgebaut, so Schramm. Der IVA wertet es daher positiv, dass Union und SPD im Rahmen der Sondierungen angekündigt hätten, die Zulassungsbehörden personell besser auszustatten. Die Forderungen der Industrie gehen jedoch darüber hinaus. Der IVA plädiert dafür, dass künftig eine statt wie derzeit vier Behörden über die Zulassung neuer Pflanzenschutzmittel entscheiden sollte.

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