Grüne Woche

Reinert macht antibiotikafreie Wurst

Der Unternehmer Hans-Ewald Reinert (r.) und sein dänischer Geschäftspartner Thomas Skouv Hansen bei der Vorstellung einer neuen Wurst.
Agrarzeitung
Der Unternehmer Hans-Ewald Reinert (r.) und sein dänischer Geschäftspartner Thomas Skouv Hansen bei der Vorstellung einer neuen Wurst.

Verbraucherwünsche nach einer antibiotikafreien Tierhaltung will der westfälische Wursthersteller Reinert erfüllen. Im Juli geht eine entsprechende Wurst an den Markt.

Der Verbraucher will einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika. 80 Prozent halten die Gefährdungen, die durch Resistenzen entstehen können, für sehr hoch, bei jüngeren Menschen sind es sogar noch mehr, zeigen Umfragen.

Der westfälische Wursthersteller Reinert will diesen Verbraucherwünschen nun gerecht werden. Und „nicht nur reden, sondern auch handeln“, erklärt Hans-Ewald Reinert, Chef des gleichnamigen Unternehmens, heute auf der Grünen Woche in Berlin. In Kooperation mit der dänischen Genossenschaft Danish Crown wird Reinert im Juli 2018 eine „antibiotikafreie Wurst“ auf den Markt bringen. Der Rohstoff für das Produkt, also das Schweinefleisch, soll zu 100 Prozent frei von Antibiotika erzeugt werden. Diese Maßgabe reicht vom neu geborenen Ferkel bis zum Schlachten.

Ziel sind 1,5 Mio. antibiotikafreie Schweine

Dänemark hat im Vergleich zu Deutschland schon etwas länger Erfahrung mit einer antibiotikafreien Tierhaltung. Vor drei Jahren startete Danish Crown ein Pilotprojekt. Insgesamt wurden seitdem rund 200.000 Tiere ohne Antibiotikum aufgezogen. Das Ziel bis zum Jahr 2021 liegt bei 1,5 Mio. Tieren. Der Weg dahin führt über veränderte Stallkonzepte. Der Haltungsstandard sei höher, erklärt Reinert: bessere Luft, kleinere Gruppen und nicht ausschließlich Spaltenböden. Entscheidend sei aber das Management. Dazu gehört, dass das Personal, das die Tiere betreut, sorgfältig und häufig kontrolliert und Unregelmäßigkeiten schneller erkennt, sodass beispielsweise ein krankes Tier schneller zur Behandlung herausgenommen werden kann. War eine Antibiotikagabe notwendig, soll das Tier anschließend in einem konventionellen Stall gemästet werden. Die Landwirte sollen für ihren höheren Aufwand 20 Cent/Kg mehr erhalten.  

Acht neue Wurstsorten

Wir wollen die „konventionelle Tierhaltung nicht diskriminieren“, sagt Reinert. „Wir wollen dem Verbraucher neue Angebote machen.“ Das Angebot ab Juli 2018 besteht zunächst aus acht Wurstsorten, von denen vier im Selbstbedienungs-Kühlregal und vier in der Frischetheke zu finden sein werden. Der Preis soll sich zwischen konventionellen und Bio-Produkten bewegen. Zum Volumen will sich Reinert noch nicht konkret äußern. Wir werden „nicht gleich in riesen Mengen denken“, erklärt er. Das sei ein Pionierprojekt, von dem er glaube, dass es einen Markt dafür gebe.


Von dem kürzlich wenig erfolgreichen Antibiotikafrei-Projekt „Meat4You“ des Lebensmitteleinzelhändlers Rewe lässt sich der Wursthersteller nicht entmutigen. Rewe hatte Antibiotikafreiheit angeboten, aber erst bei Mastschweinen ab 50 kg umgesetzt. Reinert mache "keine Kompromisse bei der Transparenz", so der Unternehemer.

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