Hanf-Anbau

Entspannung auf Fränkisch

Josef Bayer zeigt die Früchte der Arbeit.
Foto: Privat
Josef Bayer zeigt die Früchte der Arbeit.

Josef Bayer ist ein Mann der Tat. Auf 1,3 ha Fläche baut der Betriebsleiter eines Erdbeerhofs CBD-Hanf an - auf einem Feld seines Vaters und zum Selbstpflücken. Er kann sich vor Aufmerksamkeit kaum retten.

„Mit hanfigen Grüßen“ schreibt Josef Bayer unter seine E-Mails. Der Junglandwirt ist Betriebsleiter auf dem elterlichen Erdbeerhof bei Kronau im Frankenland und hat dort ein Hanffeld angelegt. 1,5 ha misst die Fläche, die er seinen Pflanzen zugedacht hat, 0,2 ha davon waren als Parkplatz geplant. Denn Josef Bayer, der sich gerne „Joe“ nennt, hatte Großes vor: Sein Hanf-Feld sollte die erste Hanf-Selbstpflücke der Republik sein.

Nun gibt es auf Joes Feld nicht einfach Faserhanf für Hippie-Hosen, sondern ein auf viele Weisen potentes, aber legales Kraut. Hauptwirkstoff ist nicht das berauschende Tetrahydrocannabinol (THC), das man von Marihuana kennt, sondern Cannabidiol (CBD). Dem Stoff werden viele Fähigkeiten zugeschrieben, unter anderem wirkt er entzündungshemmend, aber auch schlaffördernd und entspannend. Bayer hat die Wirkung am eigenen Leib erfahren: Als Reizdarmpatient sei er nun frei von Beschwerden und anderen Medikamenten.

Alles legal im Freistaat

„Es ist mir eine Herzensangelegenheit, daran andere Menschen teilhaben zu lassen“, betont Bayer. Daher habe er eine Anbaufläche mit den Hanfpflanzen bestückt. „Ich hatte das beim Landratsamt angemeldet und da waren auch alle ganz positiv dem gegenüber. Nach eine Facebook-Kampagne und wirklich vielen Anmeldungen stand dann aber trotz der Erntefreigabe durch die zuständigen Behörden doch noch die Staatsanwaltschaft vor der Tür und hat das Vorhaben erst mal gestoppt“, berichtet Bayer.

Hanf aus Bayern

Der fränkische Landwirt Josef Bayer wollte auf 1,3 ha Anbaufläche die erste Hanf-Selbstpflücke der Republik einrichten. Die angebauten Sorten sind von der EU zugelassen, weil der Anteil des berauschenden Wirkstoffs THC unter 0,2 Prozent liegt. Der legale Wirkstoff CBD bietet aber viele positive Aspekte von Cannabis, zum Beispiel Entspannung, ohne psychoaktiv zu sein. Seine Ernte darf er nur an Gewerbetreibende verkaufen, die das Produkt verarbeiten. Alternativ kann er selbst Produkte aus den Blüten herstellen.

Grund war aber nicht, dass Bayer dort verbotene Rauschmittel angebaut hätte. Die Hanfpflanzen sind von der EU zugelassene Sorten und weisen einen THC-Gehalt von weniger als 0,2Prozent auf. Der Grund für das Verbot war die Idee, die Hanfblüten an jedermann zu verkaufen. Obwohl der THC-Gehalt so niedrig ist, wäre ein Missbrauch als Rauschmittel nicht auszuschließen.

„Ich darf die Blüten nur in verarbeiteter Form, zum Beispiel als Öl, an Privatkunden abgeben. Unverarbeitet darf ich sie nur an Gewerbetreibende verkaufen, die dann damit verantwortungsvoll umgehen“, erklärt Bayer. Das könne man bei einer Abgabe an Endverbraucher nicht garantieren. Ein zugelassenes, verarbeitetes Produkt zeichne sich daher unter anderem dadurch aus, dass die Blüten nicht mehr entmischbar sein dürfen. Das bedeutet, dass man sie zum Beispiel nicht einfach aus „Duftsäckchen“ herausholen kann. Bei seiner Idee, die Blüten direkt zu verkaufen, wäre das ohnehin nicht erfüllt gewesen. „Die Behörden sind dann eingeschritten, um mich vor einer Straftat zu bewahren“, sagt er.

„Die Trockenheit hat den Pflanzen nicht das Geringste ausgemacht. “
Josef Bayer, 

Nun darf auf Bayers Feld also nur derjenige selbst pflücken, der einen Gewerbeschein vorlegen kann. „Das tun die Leute auch schon fleißig, aber nicht in dem Umfang, wie ich mir das eigentlich erhofft hatte“, räumt Bayer ein. Seine Kunden stellen aus Bayers Blüten dann Dinge her, die den Wirkstoff CBD enthalten. Zum Beispiel macht ein Fleischer daraus Bratwurst. Aber auch Backwaren, Bier oder andere Speisen lassen sich daraus zubereiten.

Das freut Bayer, der weiterhin für die Verbreitung von CBD-Hanf eintreten will. Von einem echten Business-Case will er aber noch nicht sprechen. Um die 1,3 ha mit Pflanzen zu bestücken, hat er rund 300 bis 400 Euro für Samen ausgegeben. „Das ist im Vergleich zu anderen Kulturen schon recht teuer“, sagt er. Ein paar Millionen Hanfpflanzen seien es geworden.

Zu den hohen Investitionskosten komme eine komplizierte Ernte. „Selbst wenn ich maschinell schneide, müssen die Blüten im Nachhinein von Hand herausgelöst werden.“ Das sei aufwendig. Daher auch die Idee der Selbstpflücke, bei der er das Kilo für 10 Euro abgibt. „Das ist ein echt idealistischer Spottpreis“, so Bayer. „Wenn ich fertig geerntete und getrocknete Blüten zur Weiterverarbeitung verkaufen würde, müsste ich rund 50 Euro pro Kilo verlangen. Dann würde sich der Aufwand auch lohnen.“

Zwei bis drei Ernten pro Saison

Wie viele Tonnen Blüten sein Feld abwerfen wird, weiß er noch gar nicht so genau. „Ich kann die Pflanzen aber zwei- bis dreimal im Jahr beschneiden, weil sie immer wieder neue Blüten treiben.“ Überhaupt sei der Hanf eine sehr erstaunliche Pflanze. „Die Trockenheit in diesem Jahr hat dem Hanf nicht das Geringste ausgemacht. Im Gegenteil: Ich habe das Gefühl, dass er immer mehr Wirkstoffe in den Blüten angereichert hat. Jetzt stehen die Pflanzen immer noch sattgrün auf dem Feld.“ Und das alles ohne Dünger oder Pflanzenschutzmittel, betont Bayer.

Während Bayers Hanf-Projekt derzeit noch ein liebgewonnenes Zuschuss-Projekt ist, sieht er für die kommenden Jahre großes Potenzial. Als ersten Schritt, um wirtschaftlicher zu werden, will er selbst weiterverarbeitete Produkte herstellen. So lasse sich die Blüte effizienter nutzen. „Viele Hersteller haben eigene Zuchtanlagen, oder aber sie kaufen die Blüten aus dem Ausland ein.“

Überhaupt, das Ausland. Ein bisschen neidisch schaut Bayer zum Beispiel nach Italien, wo Hanfpflanzen über Stecklinge vermehrt werden dürfen. Das ergibt ausschließlich weibliche Pflanzen, die potentere Blüten und keine Samen haben. „Das ist aber in Deutschland verboten“, sagt er. Auch die gesamte Zulassungsdebatte für Medizinalhanf geht ihm gehörig gegen den Strich. „Man muss mindestens drei Jahre Erfahrung mit Hanfanbau vorweisen und zudem mindestens 50 Kilo pro Jahr verkauft haben“, berichtet Bayer. Die deutsche Anbau-Gesetzgebung führe aber dazu, dass derzeit faktisch nur ausländische Firmen diese Anforderungen erfüllen können. „Deshalb sind hier meist kanadische und niederländische Firmen aktiv.“

Bayer hofft darauf, dass sich im Laufe der Zeit in Deutschland eine insgesamt entspannte Haltung der Behörden einstellen wird. „In anderen Bundesländern, zum Beispiel in Brandenburg oder Niedersachsen, wäre das mit der Selbstpflücke wohl auch kein Problem gewesen, hat mir ein Behördenmitarbeiter gesagt. Wo kein Kläger, da kein Richter“, so Bayer. Aber in seinem Heimat-Bundesland Bayern geht es eben strenger zu als im Rest der Republik. „Wobei ich betonen möchte, dass ich überhaupt keine Probleme mit den Behörden habe oder hatte.“ Insbesondere sein völlig offener Umgang mit seinen ambitionierten und ungewöhnlichen Plänen, der proaktiven Ansprache der Behörden und Ämter, sei der Türöffner für eine – im Rahmen der Gesetze – wohlwollende Begleitung gewesen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats