Agrarhandel

Karlsruhe und Kassel ziehen an einem Strang

Das Raiffeisen Zentrum für Gebrauchtmaschinen in Bühl
Foto: ZG Raiffeisen
Das Raiffeisen Zentrum für Gebrauchtmaschinen in Bühl

Die ZG Raiffeisen ist in Bewegung. Investitionen und Kooperationen sollen den Erfolg sicherstellen.

Im 1. Halbjahr 2018 hat die ZG Raiffeisen, Karlsruhe, eine Einkaufsgemeinschaft für Pytomedizin und andere Betriebsmittel mit der Raiffeisen Waren-Genossenschaft Kassel (RaiWa Kassel) gegründet. Nach zwölf Jahren Zusammenarbeit haben beide Hauptgenossenschaften die IT-Aktivitäten in der gemeinsamen Gesellschaft Quindata gebündelt, in die sich die ZG Raiffeisen mit 50 Prozent in die bisher alleinige RaiWa-Tochter eingekauft hat. Ziel ist die Entwicklung gemeinsamer Softwarelösungen. "Kassel und Karlsruhe ziehen an einem Strang“, beschreibt Dr. Ewald Glaser, Vorstandsvorsitzender der ZG Raiffeisen, heute in Karlsruhe die Ausrichtung und fügt hinzu: "Eine Fusion ist nicht unsere Intension. Wir fahren gut mit Kooperationen. Wenn es Ansätze gibt, um Kräfte zu bündeln, dann tun wir das im Sinne unserer fast 5.000 Mitglieder."

Neu ist auch die Gründung der Haus & Garten Deutschland GmbH (HGD) als Joint Venture mit der RWA Wien. Ab Juli wird sich die ZG um die Raiffeisen-Märkte in Baden-Württemberg und Bayern kümmern. Die RWA betreut die österreichischen Geschäfte. Insgesamt sind es rund 1.000 Märkte, die nach dem Ausstieg der Baywa aus der Kooperation mit der RWA, die ZG und RWA betreuen und unter anderem eine neue Vertriebsstruktur geben und mit Waren beliefern. Die ZG Raiffeisenmärkte im Arbeitsgebiet sind weiterhin eigenständig und davon ausgenommen.

Über ständig wechselnde Winde spricht Glaser im Geschäftsjahr 2017. Die ZG Raiffeisen-Gruppe verzeichnete einen leichten Umsatzzuwachs auf 1,1 Mrd. €. Mit einem Ergebnis von rund 9 Mio. € vor Steuern ist Glaser nicht unzufrieden. Erwartet hatte er 11 Mio. €, doch fließt ja noch das Geld der Versicherung, das im Geschäftsjahr 2018 erwartet wird. Auch für 2018 peilt er das Ziel von 9 Mio. € Ebit an.  

Der Umsatzanstieg der ZG Raiffeisen eG ist auf den Geschäftsbereich Vermarktung zurückzuführen, der vor allem mengenbedingt um 25 auf 233 Mio. € stieg. Im vergangenen Jahr 2017 kurbelte die gute Ernte das Getreidehandelsgeschäft an. Die ZG kann in ihren modernen schlagkräftigen Anlagen mehr Mais und Getreide 2017 erfassen und damit die Kapazitäten auslasten.

Nach den Verlusten im Energiegeschäft 2016 stehe die Sparte wieder auf gesunden Beinen. Für 2017 ist das Ergebnis wieder deutlich positiver, sagte Glaser. Einen finanziellen Teil der Schieflage durch Mitarbeiter verursacht im Jahr  2016, werde die Versicherung 2018 begleichen. Die BestPellets GmbH, die zum Energiebereich gehörte,  hat die ZG verkauft, „weil wir da regional nicht weiter gekommen sind“, so Glaser.

Der Margendruck im Betriebsmittelgeschäft nimmt laut Glaser weiter zu. Hier lasse sich aktuell wenig verdienen. Immer mehr fragen uns die Landwirte um professionellen Rat. "Doch wie sollen wir das hohe Beratungsniveau mit sinkenden Erträgen finanzieren“?, fragt sich Glaser. Besonders gelte das für den Geschäftsbereich Pflanzliche Produktion, der erneut ein Umsatzminus von 4,5 Prozent auf 233 Mio. € hinnehmen musste.

Der Brandschaden im Futtermittelwerk RKW Kehl 2017 betrug rund 2,6 Mio. €. Die Ersatzinvestitionen sind getätigt, der Betrieb läuft wieder rund. Über den Schadensersatz werde mit den Versicherungen verhandelt. Alle anderen Agrar- oder agrarnahen Geschäftsbereiche der Karlsruher Unternehmensgruppe blicken auf eine positive Umsatzentwicklung zurück. Vermarktung und Tiernahrung steigerten sich um 12 beziehungsweise 6,4 Prozent, die ZG Raiffeisen Technik konnte mit ihrer wachsenden Anzahl an Niederlassungen in Baden-Württemberg, der Pfalz und in Rumänien 159 Mio. € umsetzen. Das Wachstum im Südwesten Deutschlands konzentriert sich auf die Tochter Agrom-Gruppe, die bereits vor Jahren in Rumänien gestarteten Geschäftsaktivitäten wurden jetzt mit der Gründung einer eigenen Gesellschaft und einer weiteren Niederlassung auf feste Beine gestellt.

In der hart umkämpften Baustoff-Branche sind nur noch schwer Zuwächse zu erzielen, was unter anderem mit dem Vormarsch der Betonbauweise zusammenhängt. Zusätzlich kämpfen die Raiffeisen Baucenter – wie viele andere Unternehmen deutschlandweit – mit spürbaren Personalengpässen im Lager- und Fuhrparkbereich. „Dank zahlreicher bereits vor zwei Jahren eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen entwickeln wir uns aber auch hier wieder positiv“, sagte Glaser.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats