Afrikanische Schweinepest

Die fünf wichtigsten Hintergründe zur ASP

Der Bauernverband fordert, die Wildschweinbestände erheblich einzudämmen.
Carsten Przygoda / pixelio.de
Der Bauernverband fordert, die Wildschweinbestände erheblich einzudämmen.

Bei deutschen Schweinezüchtern geht die Angst vor einem Schreckgespenst um: Die Afrikanische Schweinepest (ASP). Sie kommt seit Jahren näher und ist für Schweine hochansteckend und tödlich.

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Bernhard Krüsken beziffert die möglichen Schäden für die deutsche Landwirtschaft auf 2 Mrd. Euro. Ohne Zweifel hätte es für Deutschlands schweineverarbeitende Industrie schwere Konsequenzen, wenn die ASP hierzulande Fuß fassen könnte. Nun schlägt der DBV einen Maßnahmenkatalog vor, der unter anderem eine drastische Reduzierung der Wildschweinbestände vorsieht. Aber würde das auch helfen? Oder ist es am Ende nur Aktionismus ohne klaren Plan? Wer sich erfolgreich wehren möchte, muss den Gegner gut kennen. Ein genauer Blick auf das ASP lohnt sich daher.

Um welchen Erreger es sich handelt

Die Afrikanische Schweinepest ist ein Virus, das 1921 in Afrika zuerst beschrieben wurde. Dort breitete es sich über Warzenschweine und eine ausschließlich dort lebende Zeckenart aus. Fachleute nennen den Erreger Pestis Africana Suum. Er ist so speziell, dass er gleich einer eigenen Gruppe innerhalb der Viren zugeteilt wurde, der Asfarviridae. Der Name setzt sich dabei aus der Abkürzung „African Swine Fever And Related Viruses = ASFAR Viruses“ zusammen und gehört zur Familie der Megaviren.

Der Begriff „Megavirus“ bezieht sich dabei auf die Größe von 175 - 215nm, die für eine virale Lebensform erstaunlich groß ist. Im Vergleich: Ein Norovirus, der beim Menschen für Brechdurchfälle sorgt, ist nur 35 - 39nm groß. Nicht nur die vielen Erbinformationen tragen zur Größe des Erregers bei: ASP verfügt über eine eigene schützende Hülle. Die macht den Erreger widerstandsfähig gegen äußere Umwelteinflüsse.

Warum es immer noch keinen Impfstoff gibt

„Das ist seit langen Jahren der heilige Gral in der Impfstoffforschung“, erklärt Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut. „Das liegt zum einen an der komplexen Größe des Virus und zum anderen daran, dass es genau die Immunzellen angreift, die es eigentlich abtöten sollten“. Viele internationale Forschungsgruppen beschäftigen sich mit der Suche nach einem Impfstoff. Doch zurzeit ist keine Lösung in Aussicht.

Diese Karte vom FLI zeigt den aktuellen Ausbreitungsgrad von ASP im Baltikum
Friedrich-Loeffler-Institut
Diese Karte vom FLI zeigt den aktuellen Ausbreitungsgrad von ASP im Baltikum

Welche Maßnahmen helfen

Für den Fall, dass ASP deutschen Boden erreicht, gibt es ein Maßnahmenpaket, das man auf die jeweiligen Fälle anpassen kann. Die European Food Safety Authority (EFSA) fordert, im Seuchenfall die Wildschweinbestände in einem Sperrkreis von 50 km um einen Fund zu töten. „In dem Moment sprechen wir nicht mehr von Jagd, sondern von Seucheneindämmung“, stellt Thorsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV) klar. „Der zuständige Amtstierarzt muss dann die notwendigen Maßnahmen bestimmen. Das kann bis hin zum Ausbringen von Gift und dem Stellen von Fallen gehen.“

Auch Reinwald sieht in der Früherkennung eine wirkungsvolle Maßnahme. „Bauern und Jäger werden vermutlich die ersten sein, die auf einen ASP-Fall stoßen." Wenn sie ein Wildschwein oder eine ganze verendete Rotte sehen, sollten sie besonders auf Blutungen aus der Nase oder dem Rücken achten. Fatal wäre es, die Wildsau zu bewegen. Stattdessen sollten sie sofort den Amtstierarzt verständigen und darauf achten, nicht selbst in infiziertes Blut zu treten.

Warum die Jagd nichts nützt

Das Friedrich-Loeffler-Institut begrüßt grundsätzlich die verstärkte Bejagung, da sich das Virus in den Wildschweinen ansiedelt. Auf lange Sicht werde das allerdings nicht helfen, sind sich die Experten sicher. Das sehr gute Nahrungsangebot würde bald wieder zu einer Erholung des Bestandes führen. „Wir erachten eine wirksame Früherkennung als sinnvoller. In der Tschechischen Republik ist man damit recht erfolgreich“, erläutert sie.

Die Gefährlichkeit

Die Afrikanische Schweinepest ist als hochgradig ansteckend bekannt. Der Erreger kann durch Blut, Sperma oder Sekrete übertragen werden. Infiziertes Fleisch ist bis zu sechs Monate lang ansteckend. Neben den Wildschweinen und Menschen stehen auch Raben durch den Aasfraß im Verdacht, das Virus zu verbreiten. Wie bei jeder Schmierinfektion sollten Gesunde den direkten Kontakt möglichst vermeiden. 

Sollte ein Jäger dennoch in Kontakt mit einer an ASP erkrankten oder verendeten Sau geraten, muss er genau darauf achten, alles peinlich genau mit den richtigen Desinfektionsmitteln zu reinigen. Das bezieht sich sowohl auf den Kadaver als auch auf die eigenen Hände. Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft informiert auf ihrem Internetauftritt genau, welche Mittel wie gegen „Behüllte Viren“ wirken. Weit verbreitet sind Stoffe wie Virocid oder Virkon S. Die Inkubationszeit, also die Zeit, bis sich Symptome zeigen, schwankt zwischen zwei und 14 Tagen. 

Die Krankheit selbst verläuft drastisch. Nach der Infektion vermehrt sich das Virus zunächst im Zellplasma von Lymphknoten. Anschließend breitet es sich über den ganzen Körper aus und befällt sämtliche Organe. Besonders wirkt sich das auf das Herz-Kreislauf-System, die Schleimhäute und das Magen-Darm-System aus. In diesen Systemen sorgen sie für Blutungen und Flüssigkeitseinlagerungen. Es gibt unterschiedlich starke Verläufe. Beim extrem schnellen (perakuten) Verlauf kommt es zu sehr hohem Fieber, Teilnahmslosigkeit (Apathie), Hustenanfälle und Blutungen aus Nase und After. Der Tod tritt bereits nach 48 Stunden ein. Diese besonders zügigen Verläufe enden in jedem Fall tödlich. 

In den normalen Verläufen (akut) zeigt sich erst vier Tage lang hohes Fieber (bis zu 42°C). Erst dann schlägt das Virus zu und sorgt wieder für Husten, Atemnot und Blaufärbung (Zyanose) an den Extremitäten sowie blutigem Durchfall und Erbrechen, gefolgt von einem plötzlichen Tod. Hier verlaufen 90 Prozent der Erkrankungen tödlich. In ganz seltenen Fällen wird die Krankheit nicht akut, sondern äußert sich zurückhaltender. Oftmals wird sie mit anderen Krankheiten (z.B. Schweinerottlauf) verwechselt.
stats