Iluc-Papier

Freie Fahrt für Frittenfett


Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Anfang Februar soll die EU-Kommission ihren Vorschlag vorlegen, welchen Biokraftstoffen aufgrund hoher iluc-Risiken bis 2030 das Aus droht. Kreisen zufolge sollen  Altspeisefette nicht unter diese Kategorie fallen.

Läuft alles nach Plan, wird die EU-Kommission ihren Vorschlag für einen delegierten Rechtsakt zu Biokraftstoffen mit hohen Risiken der indirekten Landnutzungsänderung („high iluc risk“) und Biosprit mit niedrigen Risiken („low iluc risk“) vorlegen. Informierte Kreise gehen davon aus, dass Palmöl basierter Biosprit unter die Kategorie des hohen iluc-Risikos fallen wird. Auch Sojabohnen als Rohstoff dürften kritisch einsortiert werden, während Raps basierter Biokraftstoff in die Kategorie der niedrigen iluc-Risiken fallen soll. Für alle Biokraftstoffe auf hochriskanter iluc-Basis gilt laut Erneuerbarer-Energien-Richtlinie, dass ihre Nutzung bis 2030 schrittweise ausgesetzt werden soll.

Die EU-Kommission äußerte sich auf Anfrage weder zu dem Zeitplan für den delegierten Rechtsakt, noch zu dessen Inhalten. Personen mit Kenntnis der Vorgänge zufolge hat der Entwurf des Papiers zwei Teile: zum einen wird definiert, ab wann von einem Biokraftstoff, beziehungsweise dem zugrunde liegenden Rohstoff ein hohes iluc-Risiko ausgeht, zum anderen wird im Umkehrschluss definiert, unter welchen Bedingungen Biokraftstoffe als „low iluc risk“ eingruppiert werden.

Beobachtern zufolge sollen Rohstoffe vor allem dann als heikel in Bezug auf indirekte Landnutzungsänderungen gelten, wenn für sie kohlenstoffreiche Böden umgebrochen werden. Das würde zum Beispiel auf Ölpalmen-Plantagen oder Sojaflächen in Regenwäldern zutreffen. Raps basierter Biokraftstoff oder Sprit aus Altspeisefetten sowie Biokraftstoffe der zweiten Generation sollen dem Vernehmen nach als unkritisch gelten.

Enger Zeitplan

Vertreter der Biokraftstoffbranche sind vor allem gespannt darauf, wie die Definition niedriger iluc-Faktoren ausfallen wird: Einer simpleren Variante zufolge könnte ein Rohstoff die Kriterien erfüllen, wenn durch produktionstechnische Fortschritte eine Nutzungskonkurrenz zum Nahrungs- und Futtermittelbereich vermieden wird“. Das kann auch teilweise auf Palmöl zutreffen, wenn Ertragszuwächse zu bisherigen Durchschnittsniveaus, die sich aufgrund von technischen Fortschritten in der Landwirtschaft ergeben, nicht in die „high risk“-Kategorie fallen. Dabei wünscht sich manch ein Branchenvertreter durchaus strenge Definitionen von high und low iluc risk Biokraftstoffen, einfach, um Image-Schäden durch greenwashing-Vorwürfe vorzugreifen.  

Liegt der Vorschlag der Kommission vor, haben Europarat und EU-Parlament zwei Monate Zeit, um dazu Stellung zu beziehen. Das heißt, es wird zeitlich knapp, wenn das Prozedere noch unter dem amtierenden Europaparlament über die Bühne gebracht werden soll: Denn das alte Parlament kommt Mitte April zu seiner letzten Plenarsitzung zusammen, bevor im Mai die Europawahlen stattfinden.

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