Imageprobleme

Bayer startet Charmeoffensive


Bayer will seinen Ruf retten und geht dazu mit einer Imageanzeige in die Offensive.
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Bayer will seinen Ruf retten und geht dazu mit einer Imageanzeige in die Offensive.

Tausende Glyphosat-Klagen, herbe Verluste im Aktienkurs: Seit der Übernahme von Monsanto ist der Bayer-Konzern in schwierigem Fahrwasser. Mit einer Imagekampagne geht das Unternehmen jetzt in die Offensive.

„Wir haben zugehört. Und verstanden.“ So ist die ganzseitige Imageanzeige überschrieben, die der Bayer-Konzern in der Freitagsausgabe der FAZ geschaltet hat. Darin kündigen die Leverkusener an, sich „mit dem heutigen Tag“ höhere Maßstäbe für ihr Handeln zu setzen: für Transparenz, Nachhaltigkeit und den Umgang mit allen Interessengruppen. Nach der Übernahme von Monsanto habe Bayer „viele Gespräche geführt – mit Journalisten und Politikern, Wissenschaftlern und Behörden, Konsumenten und Aktionären, Landwirtend und Nachbarn.“ Dabei seien Bedenken darüber zutage getreten, wofür Bayer stehe und wie der Konzern handle, heißt es weiter.

NGO und Journalisten sollen Wiederzulassung von Glyphosat aktiv begleiten

Auf diese Bedenken will Bayer nun reagieren, indem der Konzern Wissenschaftler, Journalisten und Nichtregierungsorganisationen einlädt, die wissenschaftliche Vorbereitung zum Wiederzulassungsverfahren von Glyphosat in der Europäischen Union „aktiv zu begleiten.“  Wie genau diese aktive Begleitung aussehen soll, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen, teilte ein Bayer-Sprecher auf Anfrage von agrarzeitung.de mit. „Das ist zunächst einmal eine Grundsatzentscheidung. Unser Ziel ist es, größtmögliche Transparenz herzustellen“, so der Sprecher weiter.

Glyphosat werde zwar weiter eine „wichtige Rolle in der Landwirtschaft und der Produktpalette von Bayer spielen.“ Aber gleichzeitig wolle das Unternehmen in den kommenden zehn Jahren rund 5 Mrd. € in „zusätzliche Methoden zur Unkrautbekämpfung investieren“.  Fließen solle das Geld in die Forschung und Entwicklung in den Bereichen Pflanzenschutz, Saatgut und Pflanzeneigenschaften, Züchtung sowie landwirtschaftliche und digitale Lösungen.

Mehr als 13.000 Klagen in den USA

Glyphosat steht geradezu sinnbildlich für die Probleme, mit denen der Bayer-Konzern seit der Übernahme des umstrittenen US-Agrarchemieunternehmens Monsanto zu kämpfen hat. Rund 13.400 Klagen sind in den USA wegen mutmaßlicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat anhängig. Erst Mitte Mai hatte Bayer einen dritten, wichtigen Prozess im kalifornischen Oakland verloren. Das dortige Gericht verurteilte Monsanto/Bayer zu Schadenersatz in Höhe von insgesamt rund 2 Mrd. US-$. Geklagt hatte das Rentner-Ehepaar Alva und Alberta Pilliod, die Glyphosat für ihren Lymphdrüsenkrebs verantwortlich machen.

Außerdem soll Monsanto eine detaillierte Liste von Gegnern und Kritikern in den USA sowie in Europa geführt haben, um die Debatte um Glyphosat und die Zulassung entsprechend zu beeinflussen. Diese Vorwürfe waren in Frankreich bekannt geworden. Bayer hatte dafür bereits um Entschuldigung gebeten und auf seine Offenheit und Fairness im Umgang mit Interessengruppen verwiesen. Passend dazu kündigt Bayer jetzt an, seine Richtlinien für den Umgang mit Wissenschaftlern, Journalisten, Regulierungsbehörden und Politikern zu erweitern – „basierend auf Offenheit, Integrität und Respekt.“ Auch hierzu gibt es gegenwärtig keine konkreten Informationen aus Leverkusen: „Wir arbeiten an den Richtlinien“, teilte der Bayer-Sprecher auf Anfrage von agrarzeitung.de mit.

Ferner kündigt Bayer an, die Umweltbilanz seiner landwirtschaftlichen Produkte „deutlich“ zu verbessern und bis 2030 die Auswirkungen auf die Umwelt um 30 Prozent verringern. Dafür will das Unternehmen nach eigenen Angaben neue Technologien entwickeln, die Menge an Pflanzenschutzmitteln reduzieren und präzisere Anwendungen ermöglichen. „Das wird dabei helfen, biologische Vielfalt zu erhalten, den Klimawandel zu bekämpfen und natürliche Ressourcen so effizient wie möglich zu nutzen“, zeigt man sich in Leverkusen überzeugt.

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