Industrie

Hannover Messe zeigt den digitalen Maschinenring

Das lebenslange Lernen gilt jetzt auch für Maschinen und der Roboter wandelt sich vom Konkurrenten zum Assistenten - die Hannover Messe hält viele digitale Ideen bereit. Auch für die Landwirtschaft ist einiges dabei.

Die heute gestartete Hannover Messe will ein Schaufenster für das sein, was in der Industrie von morgen machbar ist. Die Schwerpunkte in diesem Jahr liegen auf Robotern, selbst lernenden Maschinen und dem Einzug der Künstlichen Intelligenz in die Fabriken. Ebenso zählt die E-Mobilität zu den dominierenden Themen.

Die Messe habe sich enorm verändert und sei inzwischen einer der weltweit wichtigsten Treffpunkte für die digitale Transformation der Industrie, erklärt Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland. „Sie ist zu einem globalen Schaufenster der Digitalisierung geworden“, betont Bendiek.

Verleih-Modell für Landmaschinen

Ein Beispiel dafür, welchen fundamentalen Wandel die Digitalisierung für die Industrie bedeutet, liefern die Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK). Sie stellen auf der Hannover-Messe einen digitalen Maschinenring vor. Maschinen stellen für Bauern oft eine riesige Investition dar. Dabei kommen sie meist nur an wenigen Tagen im Jahr zum Einsatz. Die neuartigen Geschäftsmodelle, an deren kommerziellen Realisierbarkeit die Kaiserslauterer Forscher arbeiten, könnten hierbei Abhilfe schaffen. „Die Hersteller von Landmaschinen verkaufen ihren Kunden kein Produkt mehr, sondern ‚nur noch‛ dessen Verfügbarkeit als Serviceprodukt“, erklärt Thomas Eickhoff, der am Lehrstuhl für Virtuelle Produktentwicklung an der TUK im Rahmen seiner Promotion im Projekt „InnoServPro“ arbeitet. Dabei muss der Anbieter gewährleisten, dass seinem Kunden die gewünschte Maschine innerhalb eines bestimmten gebuchten Zeitraums möglichst 100 Prozent zur Verfügung steht. An dieser Garantie arbeiten die Forscher der TUK unter anderem mit den Landmaschinenherstellern John Deere und Grimme sowie dem Antriebstechnik-Unternehmen Lenze.

Innovative Technik: Hannover Messe


Roboter erledigt schwere Arbeit

Auch für den Stall lassen sich Innovationen von der Hannover-Messe ableiten. „In der Vergangenheit standen Roboter in den Produktionsstraßen, jetzt werden sie Assistenten des Menschen.“ Ein anschauliches Beispiel ist der Roboter Forpheus des japanischen Unternehmens Omron, der mit dem deutschen Tischtennisprofi Dimitrij Ovtcharov, Tischtennis spielt. Der Roboter reagiert auf Sprache und Bewegung - und was im Sport funktioniert, ist auch in einer anderen Umwelt, beispielsweise mit Tieren denkbar. 
Die dafür benötigten Sensoren zeigt in Hannover unter anderen das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die KIT-Forscher haben multimodale Sensoren entwickelt, die Bewegungen und Berührungen gleichzeitig erkennen können. Mit solchen kapazitiven taktilen Näherungssensoren (TNS) wird die automatisierte Produktion flexibler, außerdem erhöht sich die Sicherheit verbessern. "Harte und auch eintönige Arbeit gehört damit immer mehr der Vergangenheit an“, verspricht Messe-Chef Jochen Köckler. 

 Unfertig wird normal 

Einen weiteren bahnbrechenden Trend beschreibt Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Ihm zufolge wird in Zukunft nicht mehr die fertige Maschine ausgeliefert. Wenn die Digitalisierung der Prozesse funktioniere, komme in einem nächsten Schritt die Automatisierung hinzu. Die Maschinen konfigurierten sich in der Folge je nach Kundenanforderung selber neu.
Das bedeutet ein lebenslanges Lernen auch für Maschinen. In der Folge sollen sich feste Fertigungsstrukturen auflösen und soll die Industrie flexibler auf neue Anforderungen reagieren können. "Die Wertschöpfung endet nicht mit der Auslieferung des Produktes, dann fängt sie erst an", erklärt Brodtmann die Fabrik der Zukunft. 

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