Initiative Tierwohl

ITW schafft mehr Transparenz


Mit dem Start in die neue Programmphase gibt es mehr Geld, mehr Verbraucherinformation und schärfere Kriterien. Allerdings vermisst die Brancheninitiative Tierwohl den ein oder anderen Big Player aus dem Lebensmittelsektor.

Mit dem Jahreswechsel tritt die Brancheninitiative Tierwohl in die zweite Programmphase ein. Nach drei Jahren hat sie einige Neuerungen eingeführt. Ein wichtiger Schritt ist der neue Umgang mit dem Thema Transparenz. Der Deutsche Tierschutzbund und NGOs wie Greenpeace hatten immer wieder bemängelt, dass Verbraucher beim Einkauf gar nicht erkennen können, ob sie Fleisch aus teilnehmenden Betrieben kaufen.

Im Geflügelsektor soll das jetzt anders werden. Am 18. Januar stellt die ITW auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin ein Siegel vor, an dem im Supermarkt abgelesen werden kann, ob das Fleisch aus Ställen stammt, die mehr Platz, Beschäftungsmaterial oder andere Aspekte aus den Pflicht- und Wahlkriterien erfüllen. Diese sogenannte Nämlichkeit gilt für frisches und gefrorenes, unbehandeltes Hähnchen. Wurst ist davon ausgenommen. Bereits im September hatte das Bundeskartellamt allerdings angemahnt, dass eine Kennzeichnung auch für Schweinefleisch einzuführen ist.

Der ITW steht mehr Geld zur Verfügung. Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny, Rewe und Wasgau sind die teilnehmenden Unternehmen, die seit dem 1. Januar pro verkauftem Kilogramm Schweine- und Geflügelfleisch 6,25 Cent an die Initiative abführen. Diese rund 130 Millionen Euro gehen an die Landwirte für die Umsetzung der Tierwohlmaßnahmen. Diese Aufstockung von 4 auf 6,25 Cent führt dazu, dass mehr Betriebe teilnehmen können.

Im Geflügelsektor machen jetzt knapp 1.900 Betriebe mit, die rund 492 Millionen Tiere mästen. Vorher waren es knapp 1.000 Unternehmen. Bei den Schweinehaltern sind jetzt knapp 4.200 Betriebe mit über 26 Millionen Schweinen im Boot. Das entspricht 70 Prozent mehr als in der ersten Programmphase.

Nach Auffassung von Patrick Klein, Sprecher der Initiative Tierwohl, könnten es noch viel mehr sein. Beispielsweise, wenn sich auch die "Big Player" der Systemgastronomie für ein Engagement entscheiden könnten. Auch aus dem Lebensmitteleinzelhandel sind nicht alle Unternehmen vertreten. Klein sieht da nicht nur die Initiative in der Pflicht. "Verbraucherschutz- und Tierschutzorganisationen könnten auch mal auf die schauen, die sich nicht in der Initiative Tierwohl organisieren, anstatt immer nur - teils mit populistischen Argumenten - die zu kritisieren, die wirklich etwas tun", sagt Klein.

Branchenexperten betonen derweil, dass diese Initiative aber nur ein Anfang sein könne. Um die Tierhaltung in Deutschland flächendeckend umzugestalten, müsste der derzeitige Beitrag mindestens verzehnfacht werden, erklärt beispielsweise der Leiter des Thünen-Instituts Prof. Folkhard Isermeyer.


Neu in der zweiten Programmphase ist auch, dass die Kriterien ein wenig angehoben und vereinheitlicht worden sind. Dazu gehört, dass die Aspekte organisches Beschäftigungsmaterial und 10 Prozent mehr Platz jetzt zu den Grundkriterien zählen. Bei Geflügel wird der jährliche Stallklima- und Tränkewassercheck zur Pflicht. 20 Prozent mehr Platz und Rauhfutter sind freiwillige Wahlkriterien. 

stats