Interview

"Der Mangel hat fatale Folgen"


Dr. Manfred Hudetz steht dem Industrieverband Agrar vor.
Foto: IVA
Dr. Manfred Hudetz steht dem Industrieverband Agrar vor.

Der Industrieverband Agrar (IVA) hat in dieser Woche eine neue Spitze gewählt. Der neue Präsident nennt seine Prioritäten für die Verbandsarbeit.

agrarzeitung: Sie treten das Präsidentenamt in Zeiten schrumpfender Märkte in Deutschland an. Was bedeutet das für die Verbandsarbeit?

Dr. Manfred Hudetz: Den schrumpfenden Markt nehmen im Augenblick lediglich die Pflanzenschutzunternehmen, der Handel und einige Spezialkulturen wahr. Im krassen Gegensatz dazu wird in der Öffentlichkeit das Bild gezeichnet, als ob immer mehr Pflanzenschutzmittel versprüht würden. Auch in der Landwirtschaft ist die Botschaft, dass uns langsam die Wirkstoffe ausgehen, noch nicht überall angekommen. Wir müssen die unterschiedlichen Wahrnehmungen auflösen, damit über richtige und erfolgversprechende Lösungen gesprochen werden kann.

Zur Person
Dr. Manfred Hudetz tritt als Präsident des Industrieverbandes Agrar (IVA) an. Er folgt auf Dr. Helmut Schramm, der dieses Amt seit 2013 innehatte. Hudetz ist seit März 2014 Geschäftsführer der Syngenta Agro GmbH. Außerdem verantwortet er die Commercial Unit Deutschland, Österreich und Schweiz des Syngenta-Konzerns. Für das Unternehmen war der Agrarwisssenschaftler zuvor an verschiedenen Stellen im Ausland tätig, darunter in den USA, Brasilien, Polen, in den baltischen Staaten sowie in Russland.

Im Pflanzenschutz bricht die Palette an wirksamen Mitteln gerade weg. Welches Rezept hat der IVA für diese Mangelverwaltung?

Zunächst ist es die Aufgabe der gesamten Branche, die fatalen Folgen des Mangels öffentlich zu machen. Behandlungslücken und Resistenzen, die sich aufgrund des Mangels entwickeln, gefährden inzwischen Ertrag und Qualität auch in den großen Ackerbaukulturen. Der Begriff Lückenindikation erhält eine neue Bedeutung. Ich glaube, das ist noch nicht sichtbar genug, auch nicht in der Landwirtschaft. Umso mehr müssen wir dafür sorgen, dass sorgsam mit den verbliebenen Mitteln umgegangen wird. Wenn wir die Resistenzen nicht stoppen, hat der gesamte Ackerbau ein Problem.

Ihr Vorgänger hat angekündigt, dass sich der IVA stärker in die politische Diskussion einmischen will. Was bedeutet das konkret?

Ich denke, dass auch in weiten Teilen der Politik das Verständnis für den Nutzen von Pflanzenschutz verloren gegangen ist. Dies müssen wir wieder beleben und als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems verstehen. Unsere Mittel schützen Pflanzen, damit wir Erträge und Qualitäten sichern können. In diesem Sinn müssen wir eine ernsthafte Debatte darüber führen, wie wir guten Ackerbau und den Einsatz unserer Produkte in eine sich ergänzende Balance bringen. Das ist unser Thema mit der Politik, aber auch mit allen gesellschaftlichen Gruppen. Ohne Pflanzenschutz wird es nicht gehen.

Der IVA hat seine Schwerpunkte für die Ackerbaustrategie der Bundesregierung formuliert. Welcher Aspekt ist Ihnen am wichtigsten?

Mir geht es vor allem darum, bei allen beteiligten Gruppen als glaubwürdiger Gesprächspartner wahrgenommen zu werden. Ich wünsche mir, dass man uns abnimmt, die Rolle des Pflanzenschutzes in die Diskussion über den Ackerbau der Zukunft mit Kompetenz und mit Augenmaß einzubringen. Ein bisschen müssen wir auch die Begriffe integrierter Pflanzenbau oder integrierter Pflanzenschutz wieder neu entdecken und interpretieren.

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