Interview

Effiziente Beregnung zählt

Bild: Privat

Der Klimawandel wird die Rahmenbedingungen für die Pflanzenproduktion verändern. Ein höherer Bedarf an Wasser für die Bewässerung ist wahrscheinlich. Die Kreisberegnung bietet viele Vorteile, sagt Ekkehard Fricke von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

az: Ist der Einsatz intensiver Beregnung wie im Dürrejahr 2018 gerechtfertigt?

Ekkehard Fricke: Die negative Wasserbilanz im Norden Deutschlands war im vergangenen Jahr so hoch wie nie. In Lüchow beispielsweise lag sie bis Ende Oktober bei gut minus 700 Millimeter. Die intensive Beregnung von Mitte Mai bis Mitte September war notwendig. Sie hat neben den Beregnungsanlagen auch die physischen Kräfte der Landwirte gefordert. Anders hätten aber im Ackerbau nicht die erbrachten Erträge eingefahren werden können. Die Beregnung hat 2018 die Wirtschaftlichkeit gewährleistet. Betriebseinkommen wurden gesichert, Wertschöpfung in der Region geschaffen. Darüber hinaus bleiben die Erzeuger mit Beregnung und damit guten Qualitäten verlässliche Marktpartner.
Zur Person
Seit über 25 Jahren beschäftigt sich Ekkehard Fricke intensiv mit dem Thema Beregnung. Fast 30 Jahre ist der Berater für Feldberegnung und Geschäftsführer des Fachverbandes Feldberegnung für die Landwirtschaftskammer Niedersachsen tätig. Von der Pike auf hat er sich sein Wissen über landwirtschaftliche Lehre und abgeschlossenes Studium an der Fachhochschule in Rendsburg erworben.

Gibt es weitere Gründe?
Neben der Wirtschaftlichkeit spielt die gleichmäßige Wasser- und Nährstoffversorgung eine große Rolle. Unerwünschte Mineralisationsschübe mit negativen Auswirkungen auf die Qualität wie beispielsweise Durchwuchs bei Getreide werden verhindert. Schäden aufgrund von Nährstoffmangel wie Herz- und Trockenfäule in der Rübe sowie Schorf an der Kartoffel treten nicht so häufig auf.

Beeinflusst die Bewässerung auch die Nährstoffbilanz?
Die Verfügbarkeit von Stickstoff spielt eine große Rolle. Der Stickstoff im Boden wird bei gleichmäßiger Wasserversorgung besser ausgenutzt. Eine bessere Mineralisierung findet statt. Die Stickstoffbilanz verbessert sich – gerade im Hinblick auf die noch einmal verschärfte Düngeverordnung ein wichtiger Aspekt. Schläge ohne Beregnung weisen mehr Stickstoffüberschuss auf. Auch der Gehalt an Restnitrat im Boden fällt bei Beregnung geringer aus.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Bewässerungssysteme?
Bei der Bewässerung müssen wir uns um mehr Effizienz der Systeme kümmern. Die Konkurrenz um das Wasser hat begonnen. Die Rangfolge für die Wassernutzung wird zukünftig mehr Bedeutung bekommen.

Welche Systeme werden eingesetzt?
In Niedersachsen sind zu fast 100 Prozent mobile Beregnungsmaschinen im Einsatz. Bereits heute befinden sich mehr als 50 Prozent der Beregnungsfläche in Deutschland in diesem Bundesland. Tropfbewässerung findet man fast nur in Sonderkulturen und Gemüse. Bei dem mobilen Verfahren handelt es sich allerdings um ein weniger effizientes System. Der Energieaufwand ist im Vergleich zu anderen Verfahren höher. Die Wasserverteilung ist nicht sehr genau, die Wassereffizienz eher gering und auch der Zeitaufwand ist im Vergleich zur Kreisberegnung höher.
„Die Rangfolge für die Wassernutzung wird mehr Bedeutung bekommen.“
Ekkehard Fricke, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, 

Warum wird das mobile System dennoch gewählt?
Dieses System hat sich im Norden Deutschlands im Ackerbau aufgrund der bisher eher klein strukturierten Landwirtschaft etabliert und wird nicht von heute auf morgen abgeschafft werden. Die Kreisberegnung gewinnt zunehmend etwas mehr Bedeutung.

Wie bewerten Sie die Kreisberegnung?
Die Großflächenberegnungstechnik ist nur für Flächen ab etwa 20 Hektar einsetzbar. Deshalb kommt sie bei uns auch noch nicht so häufig vor, setzt sich aber langsam stärker durch. Sie ist flächengebunden. Darüber hinaus werden lediglich 80 bis 90 Prozent der Fläche beim Kreis beregnet. Der Ausgleich der Ecken ist sehr kostspielig. Dennoch besticht sie durch eine gleichmäßige Wasserverteilung, einen geringeren Arbeitsaufwand aufgrund der Automatisierung und einen Kapitalbedarf, der auch nicht höher als bei einer mobilen Beregnungsmaschine ist. Die Bewässerung ist darüber hinaus ökonomischer, planbarer und führt zu einem einheitlicheren Bestand.

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