Interview mit Johann Blaimauer

"Absatzentwicklung muss laufend beobachtet werden"


In Korneuburg produziert die RWA zukünftig 6.0000 t Bio-Saatgut pro Jahr, sagt Johann Blaimauer.
Bild: RWA / Georges Schneider
In Korneuburg produziert die RWA zukünftig 6.0000 t Bio-Saatgut pro Jahr, sagt Johann Blaimauer.

Die Raiffeisenware Austria (RWA) hat kürzlich ein neues Bio-Saatgutwerk in Betrieb genommen. Johann Blaimauer, Bereichsleiter Saatgut, stellt die Investition vor und skizziert mögliche Trends am Markt.

agrarzeitung: Warum hat die RWA ein neues Bio-Saatgutwerk errichtet?

Johann Blaimauer: Mit der Errichtung des neuen Bio-Saatgutwerks in Niederösterreich entsprechen wir dem immer stärkeren Trend in Richtung Bio. In Österreich wird bereits ein Viertel aller landwirtschaftlich genutzten Flächen biologisch bewirtschaftet.

Immer mehr Fläche bedeutet auch einen immer höher werdenden Bedarf an biologischem Saatgut von entsprechender Qualität. In unserem neuen Bio-Werk produzieren wir für Bio-Landwirte qualitativ hochwertigstes Bio-Saatgut von Getreide sowie Öl- und Eiweißpflanzen.

Gibt es nennenswerte Unterschiede zu bisherigen Werken dieser Art?

Das Werk entspricht dem modernsten Stand der Technik und erfüllt die höchsten Qualitätsrichtlinien für Bio-Saatgut. Eine Besonderheit ist die Schädlingsbekämpfung mittels der sogenannten ‚Kohlendioxid-Druckentwesung‘. Dabei wird Kohlendioxid unter Druck in Kammern gepresst, um Schädlinge zu vernichten. Diese Art der Schädlingsbekämpfung kommt in einer österreichischen Aufbereitungsanlage für Bio-Saatgut erstmals zum Einsatz.

Es wird am Standort auch konventionelle Ware produziert. Wie passt das zusammen?

Ich sehe hier keinen Widerspruch. Vielmehr handelt es sich um zwei völlig getrennte Produktionswerke, die beide ihre Berechtigung haben. Die RWA versteht sich als Partner, sowohl der biologischen als auch konventionellen Landwirtschaft. In unserem Saatgutwerk im niederösterreichischen Korneuburg produzieren wir insgesamt 20 000 Tonnen Saatgut jährlich. Von der gesamten Menge entfallen 14 000 Tonnen auf konventionelles Saatgut und 6 000 Tonnen auf Bio-Saatgut.

Vielseitiger Leistungsbringer
Die Raiffeisen Ware Austria AG (RWA) in Wien ist das Großhandels- und Dienstleistungsunternehmen der Lagerhausgenossenschaften in Österreich. Für diese erbringt die RWA ein differenziertes Leistungsangebot. Es reicht von der Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, dem Handel mit landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, Baustoffen und Produkten für Haus, Hof und Garten bis hin zu verschiedenen Dienstleistungen. Neben diesen Aufgaben für die Lagerhäuser ist die RWA ein Beteiligungskonzern mit Tochterunternehmen im Inland sowie in ausgewählten osteuropäischen Nachbarländern. Durch die strategische Allianz mit der Baywa AG in München ist die RWA in einen international agierenden Handels- und Dienstleistungskonzern eingebunden.

Die biologische Landwirtschaft wird zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen, die konventionelle Landwirtschaft aber nie wirklich ablösen. Langfristig sehe ich eine ‚Nachhaltigkeits-Landwirtschaft‘ als realistisch an, die auf einer Symbiose von ‚Bio‘ und ‚konventionell‘ beruht und das Beste aus beiden Welten vereint.

Werden mit dem Bio-Saatgut auch ausländische Märkte bedient, beispielsweise Deutschland?

Mit dem neuen Werk erheben wir den Anspruch, in Zentraleuropa Qualitätsführer bei Saatgut zu sein. In diesem Zusammenhang bedienen wir selbstverständlich gerne auch die Märkte rund um Österreich.

Vor welchen Herausforderungen steht die Bio-Landwirtschaft künftig?

Der Klimawandel birgt auch für die Bio-Landwirtschaft neue Herausforderungen. So beobachten wir immer aggressivere, teilweise invasive Unkrautarten wie Ambrosia oder Stechapfel, deren Kontrolle viel Know-how und Einsatz erfordert. Aber auch Pilzkrankheiten sowie alte und neue Schädlinge werden uns zukünftig massiv beschäftigen.

Neben der Produktion gilt es, die Absatzentwicklung laufend zu beobachten. Ziel muss es sein, den Konsum von heimischen Bio-Lebensmitteln im Einklang mit dem vorhandenen Angebot weiterzuentwickeln. Wichtige Voraussetzung sind moderne und effiziente Kontroll- und Zertifizierungssysteme, um eine entsprechende Lebensmittelsicherheit und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten.

Was raten Sie umstellungswilligen Landwirten generell?

Ein Landwirt, der biologisch wirtschaften will, muss unbedingt ein fundiertes Wissen über die Pflanzen- und Tierproduktion besitzen. Darüber bedarf es Veränderungswillen, Innovationskraft, aber auch Risikobereitschaft. Denn am Feld in der Natur läuft nicht immer alles wie geplant.

Darüber hinaus rate ich Landwirten immer zu einer engen Kooperation mit einem professionellen Vermarkter. Das gibt ihm die Möglichkeit, in seiner Anbauplanung das Augenmerk auf Kulturen zu lenken, die nachgefragt sind.

In Österreich gibt es aktuell ein Überangebot an Bio-Getreide. Wo ist der Markt noch aufnahmefähig, auch mit Blick auf Deutschland?

Aktuell werden aus der diesjährigen Ernte vermehrt Eiweißkulturen nachgefragt. Weiteres Potenzial beobachten wir bei Dinkel, sehr gutem Qualitätshafer und Durumweizen. Bei Letzterem werden allerdings bestimmte Qualitäten gefordert, die für die Bio-Landwirtschaft nicht immer leicht zu produzieren sind.

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