Interview

„Viele Tierhalter haben Angst vor Anfeindungen“

Die 21-Jährige Rebecca Koch will die Schweinehaltung ihrer Eltern fortführen. Zwar erlebt sie in ihrem unmittelbarem Umfeld kaum Kritik, sie hält das Bild der Landwirtschaft in der Gesellschaft aber für sehr negativ. Hier erzählt sie von Stalleinbrüchen und was sie anders machen will. 

"Wir haben vergessen zu erklären wie Landwirtschaft heute funktioniert", sagt die junge Landwirtin Rebecca Koch.
Foto: Privat
"Wir haben vergessen zu erklären wie Landwirtschaft heute funktioniert", sagt die junge Landwirtin Rebecca Koch.

Sie sind eine junge Landwirtin am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn. Haben Sie sich schon mal mit Kritik zu Ihrer Berufswahl auseinandersetzen müssen?

Koch: Ich lebe in einer landwirtschaftlich geprägten Region. Viele Menschen haben hier noch den Bezug zum Landwirt von nebenan. Sie stehen hinter mir und meiner Berufswahl. In der Schule gab es allerdings mal die Anfeindung eines Mitschülers mit der Frage: ‚Wie kannst du nur Bauer werden?‘.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Koch: Ich habe ihm gesagt, dass er mal darüber nachdenken soll, wo sein Frühstück herkommt. Damit hatte es sich dann erledigt. 

Wie glauben Sie, wird der Beruf des Landwirts in der Öffentlichkeit wahrgenommen? 

Koch: Auch wenn ich das hier in meiner Region selbst nicht so wahrnehme, steht die Landwirtschaft derzeit hart in der Kritik. Ich war vor Kurzem auf einer Veranstaltung. Dort wurde gesagt, dass wir in den vergangenen 20 Jahren vergessen haben, den Verbraucher mitzunehmen. 

Warum gehen da nicht mehr Schweinehalter in die Offensive?

Koch: Mein Eindruck ist, dass sich viele Landwirte vor mehr Offenheit gegenüber der Gesellschaft sperren, aus Angst, dass sie angefeindet werden. Auch ist es Thema unter den Schweinehaltern, dann mehr in den Fokus von Tierschützern zu geraten, die vielleicht nachts in den Stall einbrechen und Aufnahmen machen.

Was sagen Sie zu Aufnahmen, auf denen tatsächlich Verstöße gegen den Tierschutz dokumentiert werden?

Koch: Ich finde, da muss man klar unterscheiden beziehungsweise genau hinsehen. Denn die sogenannten Tierschützer wissen genau, wie sie Dinge, die sie vorfinden, in Szene setzen. Es ist schwer zu beurteilen, ob es Missstände bei der Sauberkeit gibt, wenn Nahaufnahmen von Kot gemacht werden. Manchmal ist es eben auch ein Zeichen von Sauberkeit, dass die Tiere nur in eine Ecke machen. Im Fall meiner Bekannten wurden Maden dokumentiert. Das sieht unappetitlich aus, lässt sich aber in einem Schweinestall kaum vermeiden. Das ist schon sehr unfair, das als Missstand darzustellen. 

Theorie und Praxis

Rebecca Koch hat sich nach dem Fachabitur Agrartechnologie in Paderborn zur Landwirtin ausbilden lassen. Die 21-Jährige studiert mittlerweile im 1. Semester Agrarwirtschaft in Soest. Sie lebt und arbeitet in den Semesterferien auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern in Nordhessen.


Sie wollen irgendwann die Hofnachfolge antreten. Was würden Sie anders machen?

Koch: Mich reizt die Öffentlichkeitsarbeit. Mein Traum wäre die Direktvermarktung über einen Hofladen. Am Maststall würde ich ein Fenster mit einer Erhöhung für Kinder einrichten, sodass die Kunden in die Ställe schauen können – auch ohne ein Problem mit der Hygiene zu bekommen. Das schafft Transparenz und man würde auch keine Schwierigkeiten mit Hygienevorgaben bekommen.

Das ausführliche Interview lesen Sie in der morgigen Ausgabe der agrarzeitung.

Betriebsspiegel Koch

Schweinehaltung im geschlossenen System an drei Standorten mit vier Ställen

140 Zuchtsauen

1200 Mastschweine

Anbau von Gerste, Weizen, Raps und Zuckerrüben auf 55 ha

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  1. Günter Schanné
    Erstellt 18. März 2018 11:07 | Permanent-Link

    Ein Fenster wird nicht reichen

    Hallo Frau Koch,
    ich finde es gut, dass sie Landwirtschaft betreiben wollen, und dass sie Landwirtschaft studieren.
    Allerdings wird ein Fenster nicht reichen. Das große Problem in der Schweinehaltung sind die Haltungssysteme: Einbuchtenaufstallung, Beschäftigungsmangel, Spaltenboden etc.
    In einer gesellschaftlich akzeptierten Schweinehaltung müssen die Bedürfnisse der Schweine in den Vordergrund gestellt werden. Das geht einfacher für die regionale Vermarktung als für den Weltmarkt. Dazu gehört eine Aufstallung der Sauen mit einem beweglichen Ferkelschutzkorb, sodass die Sau sich früher wieder bewegen kann; siehe PRO-SAU, ein Projekt aus Österreich. Dazu gehört die Anpassung der Kastenstände an die Größe der Sau und vor allem ihre Aufenthaltszeit dort nach dem Vorbild anderer EU-Mitgliedsstaaten. Wichtig ist ferner künftig auf die blutige Kastration der Ferkel zu verzichten. cuch der vierte Weg der Ferkelkastration, wie er in Süddeutschland gefordert und gefördert wird ist aus der Sicht des Verbrauchers pervers. Den neugeborenen männlichen Ferkeln viermal in den Unterbauch zu stechen, um ihnen dann die Hoden herauszuschneiden...! Die tierfreundlichste Methode ist derzeit die biologisch-homöopathische Kastration männlicher Schweine durch die Immunokastration. Und es ist keine Behandlung mit Hormonen. Bisher ist es unterblieben, die Verbraucher über die unterschiedlichen Methoden der Produktion von erbergeruchsfreiem Fleisch ausführlich zu informieren. Das Abschleifen der Eckzähne ist nur erlaubt, wenn die Zitzen des Muttertieres verletzt werden. Folglich ist für die Zukunft auf das routinemäßige vorbeugende Abschleifen zu verzichten. Das Schwänzekupieren ist nur ein Herumdoktern an einem Symptom. Hier ist jeder Betrieb verpflichtet Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
    Fazit: Geselschaftlich akzeptiert wird nur eine Landwirtschaft, die sich penibel an die gesetzlichen Vorgaben des Tierschutzgesetzes hält. Daher sollte jede/r Landwirt/in persönlich im Tierschutzgesetz nachlesen. Den Aussagen der Verbandsfunktionäre kann man hier nicht über den Weg trauen.

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