Interview

"Wir sind grundsätzlich gegen diese Form der Tierhaltung"


Andreas Grede, Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen (AGA), kämpft für die Ökologisierung der Landwirtschaft
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Andreas Grede, Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen (AGA), kämpft für die Ökologisierung der Landwirtschaft

Ein Landwirt in Nordhessen will Mastplätze für 80.000 Hähnchen errichten und trifft auf einen perfekt orchestrierten Bürgerprotest. Andreas Grede hat ihn mit organisiert. 


agrarzeitung: Warum hat der Protest gegen den Bau von Mastställen in Nordhessen so stark zugenommen?
Grede: Seit vor fünf Jahren ein Geflügelschlachthof hier in der Region durch den Plukon-Konzern übernommen und ausgebaut wurde, hat auch die Zahl an Mastanlagen zugenommen und damit auch der Protest. Es ist offensichtlich, dass im angrenzenden Niedersachsen kaum noch weitere Ställe gebaut werden können, hier aber schon. Viele Bürger wollen eine weitere Industrialisierung der Tierhaltung in der bisher ländlich geprägten Region aber nicht hinnehmen.

agrarzeitung: Wo liegt aus Ihrer Sicht das Hauptproblem?
Grede: Wir sind gegen eine konzentrierte Massentierhaltung, zum einen aus Umweltgesichtspunkten, zum anderen geht es uns ums Tierwohl. Wir sehen zudem, dass volkswirtschaftliche Kosten auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Damit meinen wir etwa den Eintrag von Nitrat ins Grundwasser und, dass Dünger und Futter mit hohem energetischem Aufwand gewonnen werden. Auch direkte Emissionen der Mastanlagen sowie die Entstehung von multiresistenten Keimen sehen wir als Problem.

agrarzeitung: Wo setzen Sie konkret an?
Grede: Die Preise für Lebensmittel - auch für Fleisch - sind einfach zu niedrig. Das billige Fleisch verführt zu Überkonsum und zu überflüssigen Käufen. Zudem landen 18 Mio. t Lebensmittel jährlich im Müll, das ist ein Drittel der gesamten Produktion. Im Klartext: Der Wert der Lebensmittel muss wieder ein anderer werden.

agrarzeitung: Wie soll das gehen?
Grede: Wir sehen da vor allem die Politik und den Deutschen Bauernverband in der Pflicht. Subventionen müssen besser gesteuert werden, volkswirtschaftlicher Nutzen statt billige Endprodukte müssen mehr in den Mittelpunkt gestellt werden. Zudem sind wir für die Abschaffung verdeckter Subventionen, wie etwa der verminderte Mehrwertsteuersatz, der auch für Fleisch gilt.

agrarzeitung: Warum war es Ihnen so wichtig, dass die Hähnchenmastanlage in Waldeck nicht gebaut wird?
Grede: Wir sind grundsätzlich gegen diese Form der Tierhaltung. Zudem grenzt Waldeck an den Kellerwald, der von der Unesco als Weltnaturerbe erklärt wurde, und ist stark vom Tourismus geprägt. Allein deshalb ist es abwegig, eine Mastanlage dieser Größe dorthin zu stellen. Wenn dies genehmigt worden wäre, dann wäre das aus unserer Sicht ein Präzedenzfall gewesen.

agrarzeitung: Jetzt haben Sie für einen Präzedenzfall gesorgt, befürchten Ihre Kritiker.
Grede: Wir wollen im Kern das gleiche wie viele Landwirte auch. Höhere Preise für die Produkte und dafür mehr Qualität und artgerechtere Haltung. Das geht aber nicht über Massenproduktion in der Größenordnung, wie sie in Waldeck geplant war. Für uns ist wichtig, auch mit den Landwirten im Dialog zu bleiben.

Interview: Mareike Scheffer

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