Noch zeigt der Daumen hoch in Richtung Iran. Doch die aktuelle US-Politik erschwert den Handel.
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Noch zeigt der Daumen hoch in Richtung Iran. Doch die aktuelle US-Politik erschwert den Handel.

Die Ausfuhren deutscher Agrarprodukte, Lebensmittel und Landtechnik in Richtung Iran sind rückläufig. Sie könnten in Zukunft noch weiter schrumpfen. Noch ist die Branche aber entspannt.

Der Handel mit Iran wird komplizierter, nachdem Amerika das Nuklearabkommen aufgekündigt hat. Die Agrarwirtschaft ist noch nicht allzu sehr beunruhigt. Denn vieles läuft über Drittländer.

Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)  sieht den politische Ball nun in Teheran liegen. Dort müsse entschieden werden, ob man das Nuklearabkommen auch unabhängig von den USA fortsetzen wolle. Der VDMA würde das unterstützen. Im Jahr 2017 exportierte Deutschland Maschinen im Wert von etwas mehr als 900 Mio. € in Richtung Iran. Das war ein Anstieg um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. China belegt mit 2,3 Mrd. € den Export-Spitzenplatz beim Geschäft mit Iran.

Bei Lebensmitteln sinken die Zahlen

In der Agrar- und Ernährungswirtschaft stellt sich die Lage allerdings etwas anders dar. So hatte die German Export Association for Food and Agriproducts (Gefa) bereits für das Jahr 2017 einen Exportrückgang von rund 38 Prozent ausgewiesen. Damit ist der Wert der deutschen Ausfuhren um fast 90 Mio. € zurück gegangen. Insgesamt hingegen erfuhr der deutsche Agrarexport für 2017 mit 78,3 Mrd. € einen neuen Spitzenwert. 

Beim VDMA, in dem auch die Landtechnikhersteller organisiert sind, rät man die Entwicklung abzuwarten. Entscheidend sei die Frage wie sich die weiteren Partner des Atomabkommens Großbritannien, China, Russland, Frankreich, Deutschland und die Europäische Union und der Iran selbst verhalten. Sollten sich die verbliebenen Vertragspartner für eine Fortführung des Vertrages entscheiden, müsse abgewartet werden wie die USA darauf reagieren. 
Druck weiterreichen
Einhergehend mit der Kündigung des Nuklearabkommen stellt die US-Regierungen jetzt Forderungen an ihre Handelspartner. So sollten sich deutsche und allgemein europäische Unternehmen aus Iran zurückziehen. Passiert das nicht innerhalb von 180 Tagen, drohen Sanktionen aus Amerika in Richtung EU.
Diese Gemengelage wird die anstehende Messe "Iran Food & Hospitality" am 26. und 27. Juni 2018 in Teheran prägen. Das deutsche Landwirtschaftsministerium hatte eine deutsche Gemeinschaftsbeteiligung im Rahmen seines Auslandsmesseprogramms angeboten.

Auch bei den großen Landtechnikherstellern sieht man noch keine gravierenden Probleme. Kaum ein Hersteller ist mit eigenen Vertriebs- und Service-Niederlassungen in Iran vertreten. Exporte werden meist über Händler in den Nachbarländern abgewickelt. Mit einem Einbruch der Nachfrage rechnet man nicht, denn der Investitionsbedarf in der Landwirtschaft des Irans sei nach wie vor hoch.

China beschleunigt Handel

Problematisch werden könne es, wenn der Iran in Zukunft keine Abnehmer für sein Erdöl findet und so Einnahmen zur Finanzierung von Importen fehlen. Doch dieses Risiko wird derzeit als gering eingeschätzt. Eine aggressive Sanktionspolitik der USA könnte allerdings den Zahlungsverkehr mit dem Iran erschweren. Sollte die Trump-Regierung Banken, die Geldgeschäfte mit Iran abwickeln, negative Konsequenzen androhen, könnte sich das auf die Zusammenarbeit zwischen deutschen und iranischen Firmen negativ auswirken. Für den VDMA sind die Banken das Hauptproblem im Iran-Geschäft. Durch die Zurückhaltung der Institute fehlten Kredite, um wichtige Projekte zu finanzieren. 

China versucht die Gelegenheit zu nutzen, seinen Einfluss in Iran auszubauen. Die Volksrepublik und die Islamische Republik sind durch eine neue Bahnstrecke miteinander verbunden. Am Donnerstag startete ein Güterzug mit 1.150 t Sonnenblumen vom nordchinesischen Bayannur nach Teheran, berichtet die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Der Zug soll die 8.352 km lange Bahnfahrt in 15 Tagen bewältigen und wäre damit knapp drei Wochen schneller als ein Schiff auf dem Seeweg.

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