Brexit

Irische Veredler stehen vor "finanziellem Ruin"


100 Euro pro Tier verdienen die irischen Bauern derzeit weniger.
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100 Euro pro Tier verdienen die irischen Bauern derzeit weniger.

Markthilfen für Rinderhalter fordert der irische Bauernverband von Brüssel. Schwächelnde Preise, der Brexit und das Handelsabkommen mit Südamerika treiben die Branche um.

Der irische Bauernverband (IFA) verschärft den Ton gegenüber Brüssel und den eigenen Landwirtschaftsminister Michael Creed. Dieser solle in Brüssel möglichst schnell auf das Brexit-Notfallpaket mit umfassenden Markthilfen und direkten Subventionen für Landwirte drängen. Der Verband kritisierte, für EU-Agrarkommissar Phil Hogan sei es „sehr leicht“, den Farmern zu sagen, nicht in Panik zu verfallen.
Ebenso leicht sei es für den irischen Landwirtschaftsminister, eine abwartende Haltung einzunehmen. Die finanzielle Realität der Rinderhalter sei jedoch eine andere, so die Kritik. Dem Verband zufolge liegen die aktuellen Basispreise für Ochsen bei 3,75 Euro/kg Schlachtgewicht (SG) und für Färsen bei 3,86 Euro/kg SG; das seien im Mittel 25 Cent je Kilogramm oder 100 Euro pro Tier weniger als vor einem Jahr. "Im vergangenen Jahr gab es nur eine kleine oder gar keine Marge, und angesichts der niedrigen Verkaufspreise in diesem Jahr stehen die Veredler vor dem finanziellen Ruin", teilt der Verband mit.

Er wies darauf hin, dass die Schlachtgewichtspreise in Großbritannien - Irlands wichtigstem Exportmarkt - aktuell bei umgerechnet 4,24 Euro/kg SG gelegen hätten. Dem gegenüber stehe der offizielle irische Ochsenpreis von 3,84 Euro/kg SG, was ein Preisunterschied von etwa 150 Euro pro Tier sei. Indes hatte der irische Landwirtschaftsminister Creed beim Agrarrat am Montag in Brüssel bereits die erheblichen Belastungen für den irischen Rindfleischsektor beklagt. Er fordert im Fall eines ungeregelten Brexits, alle im Rahmen der Gemeinsamen Marktorganisation zur Verfügung stehenden Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich einer gezielten Unterstützung der Landwirte. Hinzu komme der Unsicherheitsfaktor, ob der britische Absatzmarkt nach dem Brexit erhalten bleibe, so Creed. 
Demgegenüber steht die Einschätzung von Marktexperten, dass es sich Großbritannien als Hauptabnehmer von irischem Rindfleisch gar nicht leisten könne, auf ein Freihandelsabkommen mit der EU zu verzichten. 

Schutz vor südamerikanischem Fleisch gefordert

Zugleich betonte der irische Minister die Notwendigkeit, in den Mercosur-Verhandlungen den Rindfleischsektor zu schützen. Der Agrarsektor sieht das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Venezuela, Uruguay und Paraguay kritisch. Dies liegt daran, dass vorwiegend andere europäische Wirtschaftszweige wie die Autoindustrie von einem Abkommen profitieren würden. Ein Einfuhrkontigent innerhalb des Mercosur-Abkommens könne den europäischen Markt vor einer südamerikanischen Rindfleischschwemme schützen, so die Forderung.

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