ISN Mitgliederversammlung

Kleine Schweinemäster geben auf


Die gesellschaftliche Stimmung vermiest Schweinehaltern den Glauben an eine Zukunftsperspektive. Dierkes an Klöckner, Schulze und Seehofer: "Reißen Sie sich zusammen!"

Fast ein Drittel der deutschen Schweinemäster überlegt aufzugeben. Dabei wird sich nach Schätzungen der ISN auch die Zahl der gehaltenen Mastschweine um mehr als 10 Prozent reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung unter knapp 850 Schweinemästern durch die Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland (ISN).

Die Hauptgründe für den Ausstieg sind insbesondere die gesellschaftliche Stimmung und die fehlende Perspektive. "Das Besondere an der gegenwärtigen Situation ist die Fülle der Herausforderungen, die wir gerade gleichzeitig zu meistern haben,“ stellt der ISN-Vorsitzende und Schweinehalter Heinrich Dierkes auf der heutigen Mitgliederversammlung in Münster fest, auf der die Zahlen präsentiert wurden.

50 Prozent der Kleineren könnten in zehn Jahren weg sein

Konkret gaben 31,5 Prozent der Befragten an, in den kommenden zehn Jahren aussteigen zu wollen. Bei etwa jedem sechsten befragten Mastbetrieb steht der Ausstieg bereits innerhalb der kommenden fünf Jahre an. Dabei denken vor allem die kleineren Betriebe an das Aufhören. Bei Betrieben unter 800 Mastplätzen plant über die Hälfte den Ausstieg, ein Drittel schon innerhalb der kommenden fünf Jahre. Bei Betrieben mit mindestens 2.800 Mastplätzen wollen dagegen fast 90 Prozent auch dauerhaft weiter Schweine mästen.

Rund 88 Prozent der Bauern mit mehr als 2.800 Mastplätzen wollen auch in zehn Jahren noch am Markt sein.
ISN
Rund 88 Prozent der Bauern mit mehr als 2.800 Mastplätzen wollen auch in zehn Jahren noch am Markt sein.

Für die Landwirte mit Ausstiegsabsichten sind die gesellschaftliche Stimmung gegen die Tierhaltung, die Summe der Auflagen und die fehlende Perspektive die wichtigsten Gründe für diesen Schritt. Erst deutlich dahinter folgt die Ökonomie als Ausstiegsursache mit etwa 45 Prozent der Nennungen. Emissionsvorgaben werden „lediglich“ von jedem fünften aussteigenden Landwirt genannt. Dieser Faktor schlägt erst dann richtig zu, wenn es um Umbauabsichten bei vorhandenen Gebäuden oder um Neubau geht.

Die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP) ist der am wenigsten genannte Ausstiegsgrund.
ISN
Die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP) ist der am wenigsten genannte Ausstiegsgrund.


Die ISN bezeichnet die Ergebnisse als besorgniserregend und stellt die Frage, ob in Deutschland noch eine Schweinehaltung vor Ort gewünscht ist oder ob man auf Fleisch- und Ferkelimporte setzten will. Diese Frage haben nach Auffassung der ISN die Gesellschaft und die Politik zu beantworten. 

Erzeuger warten auf einheitliche politische Vorgabe

Folglich hat Dierkes an die Bundesminister Julia Klöckner, Svenja Schulze und Horst Seehofer einen klaren Arbeitsauftrag: „Reißen Sie sich nicht nur zusammen, sondern setzen Sie sich endlich an einen Tisch und finden Sie gemeinsam Lösungen!". Dabei geht es ihm vor allem um die Vereinbarkeit von Umweltschutz, Tierwohl und Ökonomie und damit um ein Gesamtkonzept für die Tierhaltung in Deutschland. Viele Schweinemäster sind laut ISN bereit, ihre Betriebe zum Beispiel in Richtung Tierwohl weiterzuentwickeln. Sie scheiterten aber an genehmigungsrechtlichen Zielkonflikten. "Ein Tierhalter, der umbauen will, muss das dann aber auch dürfen“, appelliert Dierkes an die Politiker.
Stimmungsbarometer
Die insgesamt 839 Betriebe, die an der Umfrage teilgenommen haben, halten über 1,6 Millionen Mastschweine und damit gut acht Prozent des deutschen Mastschweinebestandes. Mit 1.942 Mastplätzen haben die Umfragebetriebe im Mittel überdurchschnittlich viele Mastschweine. Die Teilnehmer stammen überwiegend aus den Erzeugerzentren in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

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