ISO-Zuckerkonferenz

Katzenjammer in der Rübenbranche

Die deutschen Zuckerfabriken müssen sich weiterhin auf eine sinkende Verarbeitungsmenge einstellen.
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Die deutschen Zuckerfabriken müssen sich weiterhin auf eine sinkende Verarbeitungsmenge einstellen.

Europäische Rübenerzeuger werden den Anbau weiter einschränken. Sie sind frustriert von den niedrigen Zuckerpreisen und dem Verbot wichtiger Beizmittel.

Überschüsse prägen den EU-Zuckermarkt. Bei der diesjährigen Konferenz der Internationalen Zuckerorganisation (ISO) Ende November in London erinnerten Teilnehmer daran, dass die Zuckerrübenproduktion in der EU 2017/18 nach Ende der Quotenregelung um mehr als 20 Prozent angestiegen ist. Gleichzeitig halbierten sich die EU-Importe, wogegen sich die EU-Exporte auf 3,5 Mio. t verdoppelten. Diese zusätzlichen Mengen waren zu viel für den Weltmarkt, denn sie trafen auf einen bereits überfüllten globalen Markt und gesunkene Zuckerpreise. Und die Notierungen dürften 2018/19 weiter auf „schmerzhaft niedrige Niveaus“ fallen, prognostizierten Zuckermarktexperten auf der Konferenz.

„Wir müssen die Produktion um mindestens 20 Prozent senken. Das ist die einzige Möglichkeit, um den Preis wieder nach oben zu bringen.“
Hans-Jörg Gebhard, Vorsitzender der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ), 
Dr. Hans-Jörg Gebhard, Vorsitzender der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ), berichtete in London, dass die deutschen Rübenerzeuger bereits zur Ernte 2018 die Fläche um 7 Prozent eingeschränkt hätten. Auch 2019 wird der Anbau voraussichtlich weiter schrumpfen. „Wir müssen die Produktion um mindestens 20 Prozent senken. Das ist die einzige Möglichkeit, um den Preis wieder nach oben zu bringen“, sagte Gebhard laut einem Bericht von Agra Europe London. Zurzeit sei die europäische Zuckerproduktion nicht wettbewerbsfähig. „Der aktuelle Zuckerpreis reicht für unsere steigenden Kosten nicht aus“, so Gebhard weiter und prognostizierte, dass unter diesen Bedingungen auch Zuckerfabriken schließen müssten.

Lars Gorissen, Chef der deutschen Nordzucker, schloss bei der ISO-Tagung ebenfalls Schließungen in der EU nicht aus. Konkreter wurde sein Kollege Paul Mesters von der niederländischen Suiker Unie, der Fabriken mit einer Tagesproduktion von weniger als 6.000 Tonnen kaum Überlebenschancen einräumte.

Neonicotinoid-Verbot bereitet Kopfzerbrechen

Kopfzerbrechen bereitet den EU-Zuckerrübenanbauern auch das Verbot von Neonicotinoiden in Beizmitteln, wenngleich zahlreiche EU-Länder für 2019 Ausnahmen von dem Verbot erreicht haben.

Frankreich gehört bislang nicht zu den Ländern mit Ausnahmeregelung. Eric Laine vom französischen Zusammenschluss der Rübenerzeuger (CGB) äußerte deswegen bei der Zuckerkonferenz die Befürchtung, dass bei starkem Schädlingsbefall die Rübenerträge um bis zu 50 Prozent sinken könnten. „Ich weiß nicht, wie wir damit umgehen werden“, ergänzte Gebhard aus deutscher Sicht, zumal er bereits das Verbot wichtiger Herbizide ab 2020 fürchtet.

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