Jahresabschluss

Brasilien versauert Bayer das Agrargeschäft

Der desolate Pflanzenschutzmarkt in Lateinamerika und ungünstige Währungen haben der Sparte Crop Science Umsatzrückgänge beschert. Für den Monansto-Kauf nennt der Bayer-Chef weitere Zugeständnisse.

„Operativ war 2017 ein Jahr mit Licht und Schatten“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am Mittwoch das Abschneiden der Bayer AG im Jahr 2017. Während die verschreibungspflichtigen Medikamente dem Konzern ein weiteres Rekordjahr beim operativen Gewinn bescherten, lag der Schatten unter anderem auf dem Agrargeschäft. Der Umsatz in der Sparte Crop Science ging um 3,4 Prozent auf 9,6 Mrd. € zurück. Währungsbereinigt blieb ein Rückgang um 2,2 Prozent. Die tiefsten Spuren hat das sehr schwache Pflanzenschutzgeschäft in Brasilien hinterlassen. Baumann verdeutlichte, dass ohne diesen Brasilien-Effekt das Geschäft von Crop Science währungsbereinigt um 3,0 Prozent gewachsen wäre. Der Effekt zeigt sich auch nach Regionen. Während der Agrarumsatz in Lateinamerika währungsbereinigt um 18,0 Prozent sank, stieg er währungsbereinigt mit 5,8 Prozent am stärksten in Nordamerika, gefolgt von Asien/Pazifik und Europa/Nahost/Afrika.

Saatgut läuft besser als Pflanzenschutz

Nach Segmenten zeigen sich ebenfalls große Unterschiede. Während der Umsatz im Bereich Seeds (Saatgut und Pflanzeneigenschaften) um währungsbereinigt 9,1 Prozent zulegte, erlebte der Pflanzenschutz einen Rückgang von währungsbereinigt 5,3 Prozent. Entsprechend schwächer ist auch der Gewinnbeitrag der Sparte Crop Science. Sie verbuchte 2017 einen Rückgang des operativen Ergebnisses vor Abschreibungen und Sondereinflüssen (Ebitda) um 15,6 Prozent auf 2 Mrd. €. Den Rückgang führt der Konzern wiederum in erster Linie auf die Situation in Brasilien zurück.

Monsanto-Kauf verlangt weitere Zugeständnisse

Zum geplanten Kauf von Monsanto äußerte sich Baumann zuversichtlich. Mehr als die Hälfte der rund 30 Behörden weltweit haben nach seinen Angaben die Übernahme genehmigt. Ein Meilenstein wird die Entscheidung der EU-Kommission sein, die für Anfang April terminiert ist, aber möglicherweise schon vor Ostern verkündet wird. „Unser Ziel ist es jetzt, die Transaktion im zweiten Quartal 2018 abschließen zu können“, sagte Baumann am Mittwoch. Als Zugeständnisse von Bayer an die Kartellbehörden nannte er die über die bereits vereinbarten Verkäufe von Teilen der Saatgutaktivitäten und des Liberty-Geschäfts an die BASF weitere Schritte. „Zusätzlich haben wir uns nun auch verpflichtet, unser gesamtes Geschäft mit Gemüsesaatgut zu veräußern. Hinzu kommen können der Verkauf oder die Auslizenzierung bestimmter weiterer Geschäftsaktivitäten von Bayer oder Monsanto“, sagte Baumann, ohne konkreter zu werden. Gemeint ist das Digitalgeschäft (siehe Kasten).

Bayer und Monsanto bei Digital Farming vorn

Digitale Technologien haben sowohl für Bayer als auch für Monsanto im Agrarbereich strategische Bedeutung. Nach bisherigen Aussagen des Managements investiert Bayer im Zeitraum 2015 bis 2020 mindestens 200 Mio. € in die Aktivitäten. Einen Schub brachte Anfang 2016 der Kauf der proPlant Gesellschaft für Agrar- und Umweltinformatik mbH, Münster. Monsanto treibt seit Jahren seine Digital-Aktivitäten im Tochterunternehmen The Climate Corporation voran. Wenn Bayer Monsanto kauft, wird die EU-Kommission mit Sicherheit Zugeständnisse bei den Digital-Aktivitäten fordern. Im Gespräch sollen Öffnungen der Plattformen für die Konkurrenz sein.

Für das Jahr 2018 erwartet Bayer für den Gesamtkonzern einen Umsatz sowie ein Ebitda vor Sondereinflüssen auf Vorjahresniveau. Für Crop Science geht der Konzern von einem Umsatz von mehr als 9,5 Mrd. € aus. Dies entspricht einer währungsbereinigten Steigerung im „mittleren einstelligen Prozentbereich“. Wird die Übernahme von Monsanto im 2. Quartal 2018 genehmigt, rechnet Bayer anschließend mit einer deutlichen Steigerung des Umsatzes.

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