Jahresbilanz

Südzucker knallhart auf Weltmarkt gelandet

Die Südzucker-Zentrale in Mannheim
Foto: da
Die Südzucker-Zentrale in Mannheim

Niedrige Zuckerpreise belasten die Bilanz der Südzucker AG. Der größte Produzent in der EU will mit längeren Kampagnezeiten und Bahntransporte Kosten sparen. Zuckersegment schreibt in diesem Jahr Verluste.

Die Südzucker AG, Mannheim, knabbert an den schwachen Zuckerpreisen von derzeit umgerechnet 250 €/t auf dem Weltmarkt. Der Konzernumsatz ist im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 (März/Februar) auf 7 (Vorjahr: 6,5) Mrd. € gestiegen. Das operative Konzernergebnis liegt mit 445 (426) Mio. € sogar etwas über den Erwartungen. Doch seit Sommer 2017 belasten sinkende Zuckerpreise das Ergebnis.

Dividende unverändert

Auf der am 19. Juli 2018 stattfindenden Hauptversammlung wird den Aktionären eine unveränderte Dividende von 0,45 €/t für das Geschäftsjahr 2017/18 vorgeschlagen. Die Ausschüttungssumme liegt in Höhe von 92 Mio. €. Mit dem Ende der Zuckerquote im Oktober 2017 erhoffte sich Südzucker einen besseren Zugang zum Weltmarkt. Allerdings startete das Exportgeschäft von Zucker holprig. Der Wettbewerb um Abnehmer auf dem Weltmarkt habe bei sinkenden Preisen zugenommen, sagte Dr. Wolfgang Heer, Sprecher des Vorstandes auf der Pressekonferenz heute in Mannheim. Im Geschäftsjahr 2017/18 konnte der Umsatz im Segment Zucker aufgrund einer höheren Absatzmenge, insbesondere im Export, durch den Wegfall der Quote, auf knapp 3 (2,7) Mrd. €, gesteigert werden.

Zuckerpreise brechen ab Oktober 2017 ein

Dabei lagen die Zuckererlöse in der ersten Geschäftsjahreshälfte noch über dem Vorjahresniveau. Durch den starken Rückgang in der zweiten Geschäftsjahreshälfte sanken die Erlöse im Geschäftsjahresdurchschnitt jedoch unter Vorjahresniveau. Trotzdem erhöhte sich das operative Ergebnis auf 139 (Vorjahr: 72) Mio. €, da im 1. Halbjahr noch der bis einschließlich September 2017 zu verzeichnende Anstieg der Zuckererlöse wirkte. Seit Oktober sind die Erlöse sowohl für Absätze in der EU als auch für Exporte kontinuierlich rückläufig, was die Ergebnisentwicklung trotz niedrigerer Herstellkosten seither immer stärker belastet. Nach den Worten von Heer soll nun wieder mehr Zucker in Waggons auf der Schiene transportiert werden, um die Produktionskosten zu senken. Und jedes Werk könne individuell die Kampagne über 120 Tage ausdehnen. Das Ziel wurde schon in der Kampagne 2017 erreicht. Die Verarbeitungsdauer in den einzelnen Werken lag zwischen 75 Tagen in Falesti/Moldau und 161 Tagen in Cagny/Frankreich. Im Schnitt aller Werke dauerte die Kampagne 133 (Vorjahr: 107) Tage. Insgesamt hat Südzucker 2017/18 rund 6 (4,7) Mio. t Zucker in Deutschland und in der EU produziert. Wegen der schwierigen Rahmenbedingungen stünden Akquisitionen derzeit laut Heer nicht im Vordergrund. Auch in den Segmenten Spezialitäten und Cropenergies kam es zu Ergebnisrückgängen. Ein Lichtblick ist das vierte Segment Frucht mit einem leichtem Ergebniszuwachs von 76 (Vorjahr: 72) Mio. €. Dies ist auf höhere Margen in der Division Fruchtzubereitungen bei gleichzeitig steigendem Absatz zurückzuführen. Die Herausforderungen auf dem Zuckermarkt machen Heer eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2018/19 nicht einfach. Er erwartet einen Konzernumsatz in Höhe von 6,8 bis 7,1 Mrd. € sowie beim operativen Konzernergebnis einen deutlicher Rückgang auf 100 bis 200 Mio. €. Sorgenkind bleibt das Segment Zucker. Hier rechnet er mit einem operativen Verlust in einer Bandbreite von minus 100 bis minus 200 (2017/18: 139) Mio. €. Das bestehende Zuckerumfeld werde deutliche Spuren in unserer Profitabilität hinterlassen, sagte Heer.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. EU-Bauer Klaus 1618
    Erstellt 18. Mai 2018 08:32 | Permanent-Link

    Dieser betriebswirtschaftliche Wahnsinn ist eine Form der Kreativität, mit dem ein kleines Bäuerlein nichts anzufangen weiß.

    Wie lange dauert es, bis jene in maßgeblicher Entscheidungsfindung positionierten Manager realisiert haben, was MARKT heißt!? Im Verlaufe eines solchen augenscheinlich äußerst zähen Lernprozesses in den dortigen Konzernschaltzentralen ruiniert man zunächst einmal -im Agrarsektor allerdings, bestens geübt, business as usual- die tumben kleinen Bäuerlein.

    Ganzjährig ertönt großspurig in elitärem Gockelgehabe unüberhorbar, welche gigantischen Mehrproduktionen dem Markt angedient werden können. Jene Ertragszuwächse versetzen nun die doch ausgebuffteren Profis einer nur handvoll nachhaltig involvierten Personengruppe in die luxuriöse Situation, die Zuckerpreise unterirdisch begraben zu können. Das vorhandene Potential legitimiert dazu.

    Auch Südzucker hat aus dem Milch-Desaster demnach rein gar nichts gelernt und ist nun voll ins offene Messer gelaufen. - Tosender Applaus!

    Wer aber blutet? Nun, die informellen Rübenabrechnungen 2017 lassen dahingehend kaum Zweifel aufkommen. Kompensation ist angesagt, werte Berufskollegen, die Masse wird‘s künftig richten. Frau Holle muss es Zuckerrüben regnen lassen, damit die Bauern-Rennhäschen keine langen Verschnaufspausen zum Nachdenken nutzen können.

    Jeder, der die Grundrechenarten beherrscht kann sich problemlos ausrechnen, welche gigantischen Mengen, allein schon aufgezeigt durch die Kampagnenausdehnung 2017, nunmehr den Zuckermarkt überschwemmen.
    Dieses Beben erreicht nun also gnadenlos die begünstigten Börde- und Gäubodenlagen. So einige Sofamelker katapultiert das vielleicht bald schon vom heimischen superbequemen Kanapee.

    Haben unsere medial omnipräsenten Vorzeigebauern , ausgestattet mit Insiderwissen, dieses Fiasko nicht vorhersehen können, auch wenn man dieses sinkende Schiff rechtzeitig, gepolstert mit einem ansehnlichen Vorruhestandsgeld, selbst schon verlassen hat!?

    Königlich sind für die Rübenbauern demzufolge künftig allenfalls noch die Produktionskosten inklusive eines astronomischen Flächenentgelts für diejenigen, die ihre Flächen selbst nicht mehr bewirtschaften. Ob diese unangenehme Flüsterpost bereits auch unsere Pfründestellen erreicht hat; diese Mühlen mahlen ja bekanntlich etwas langsamer.

    Auf die Plätze - fertig - los! Produzieren, was der Acker hergibt. Anscheinend bedarf es eines unverzichtbaren Leidensdrucks, damit die grauen Hirnzellen auf unseren Höfen wieder zur Hochform auflaufen können...

stats