Jahreszahlen

Nordzucker stemmt sich gegen massiven Preisverfall

Der Vorstand der Nordzucker AG anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz in Braunschweig. Von links nach rechts: Axel Aumüller, Dr. Lars Gorissen, Dr. Michael Noth, Erik Bertelsen
Foto: Nordzucker
Der Vorstand der Nordzucker AG anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz in Braunschweig. Von links nach rechts: Axel Aumüller, Dr. Lars Gorissen, Dr. Michael Noth, Erik Bertelsen

Die Überproduktion auf dem Weltmarkt für Zucker schwappt auf den EU-Markt. Die Nordzucker AG nimmt beim Rübenauszahlungspreis Geld in die Hand. 

Das Jahr eins nach Ende der Zuckermarktordnung ist für den Braunschweiger Zuckerkonzern eine Herausforderung. "Die Preise sind auf ein historischen Tiefststand gesunken", sagte Lars Gorissen, Sprecher des Vorstandes heute auf der Bilanzpressekonferenz in Braunschweig. Vor kurzem erreichte der Zuckerpreis an der Börse in London den niedrigen Stand von 270 €/t im Vergleich zu 500 €/t noch vor einem Jahr.

Druck von allen Seiten

Auf das Ende der Quote im Oktober 2017 sei Nordzucker vorbereitet gewesen, so Gorissen. Doch die guten Ernten in Indien und anderen Ländern bescherte dem Weltmarkt eine Überproduktion in Höhe von geschätzten 7 Mio. t. Dies führte zu dem Preisverfall auf dem Weltmarkt, der sich nun direkt auch auf die EU auswirkt. Durch Flächenausweitungen in der EU und einer damit verbundenen deutlichen Steigerung der Zuckerproduktion wurde der Wettbewerbs- und Preisdruck zusätzlich erhöht.

Exporte seien derzeit für Nordzucker nicht profitabel, sagte Gorissen. Und er fügte zwei weitere Gründe an, die derzeit wenig Anlass zur Freude bieten. Da sind die immer noch bestehenden Zuckerimporte in die EU, wenn sie auch etwas niedriger ausfallen als noch zu Zeiten der Zuckermarktordnung. Und er nannte die gekoppelten Zahlungen an Rübenbauern, die immer noch in einigen EU-Staaten bezahlt werden und damit die Wettbewerbsfähigkeit von Nordzucker belasten. 

Massiver Ergebnisrückgang

In seinem Ausblick für 2018/19 erwartet Gorissen einen massiven Ergebnisrückgang und will einen Verlust vermeiden. Er strebe nach eigenen Worten eine schwarze Null an. 2019/20 dürfte bei einen anhaltenden niedrigen Preisniveau jedoch ein Verlust nicht vermeidbar sein. Dennoch glaubt Nordzucker aufgrund seines starken Finanzpolsters weiterhin Spielraum zu haben und wachsen zu können. Mindestens zwei schwierige Jahre hat Nordzucker damit vor sich. Die extrem niedrigen Preise werden Spuren hinterlassen und Marktteilnehmer werden sich verabschieden, so die Prognose. Übernahmen plant Gorissen in und außerhalb Europas. Der Manager nennt es ein außerzyklisches Vorhaben, in schwachen Zeiten, Werke zu kaufen. Doch Gorissen prüft kritisch, welche Partner zu Nordzucker passen. Deshalb seien noch keine Schritte erfolgt. 

2017/18 stellt zufrieden

Gorissen und seine Vorstandskollegen stellen in Braunschweig auch den Abschluss des Geschäftsjahres 2017/18 vor. Nordzucker erzielte im Geschäftsjahr 2017/18 (März/Februar) einen Konzernumsatz von 1,65 Mrd. € und lag damit drei Prozent unter dem Vorjahr. Das operative Ergebnis (Ebit) betrug 154 Mio. €, der Konzernjahresüberschuss hat sich mit 118 Mio. € im Vergleich zum Vorjahr weiter verbessert. Der Hauptversammlung der Nordzucker AG wird eine Dividende von 1,20 (Vorjahr: 1,10) €/Aktie vorgeschlagen. 
Futtermittelpreise stabil, Bioethanol leicht rückläufig
Insgesamt blieben Absatz und Preise bei Futtermitteln aus Rüben stabil. Der Melasse-Absatz blieb ebenfalls mengenmäßig gleich, wenn auch die Preise etwas rückläufig waren. Die Bioethanol-Produktion erfolgte flexibel entsprechend der Marktgegebenheiten, die Preise waren leicht rückläufig. Aufgrund der schwachen Bioethanolpreise habe man die Produktion im Werk in Klein Wanzleben angepasst.

Einen Trumpf im Ärmel hat Nordzucker durch seine stabile Vermögens- und Finanzlage. Das Eigenkapital erhöhte sich auf 1,43 Mrd. €. Die Eigenkapitalquote stieg auf 66 Prozent. Nach wie vor ist das Unternehmen schuldenfrei. Zum einen schaut sich Nordzucker nach Übernahmekandidaten um. Aber auch die Rübenbauern profitieren von dem Finanzpolster. "Wir rechnen nicht 1:1 mit den Rübenpreisen ab", betont Gorissen. Sondern wir nutzen unsere Kapitalstärke, um die Rüben angemessen zu bezahlen und sie gegenüber anderen Feldfrüchten wettbewerbsfähig zu halten. In Zukunft will der Braunschweiger Konzern den Biorübenanbau in Deutschland, Dänemark, Schweden und Litauen ausbauen.

Für das laufende Geschäftsjahr sind Investitionen von 110 Mio. € vorgesehen. So werden in Schweden in den kommenden vier Jahren in zwei Werken Umstrukturierungen vorgenommen. Das größere Werk Örtofta wird umgestellt auf Weißzucker und schrittweise wird die Produktion aus dem zweiten Werk aus Arlöv (u.a. Haushaltszucker und Sirupe) dorthin umgesetzt und zentralisiert, der Standort Arlöv wird dann aufgegeben.

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