Karlsbörse in Prag

„Festere Getreidepreise nur aus der neuen Ernte heraus“


Für Henrik Marquardt steht Kundenpflege auf der Karlsbörse in Prag im Vordergrund.
Privat
Für Henrik Marquardt steht Kundenpflege auf der Karlsbörse in Prag im Vordergrund.

Die Besucherzahlen der Karlsbörse, die am 21. März  zum 5. Mal stattfindet, wachsen stetig. Henrik Marquardt, Prokurist bei der Gustav Kindt GmbH, hat hohe Erwartungen an diese junge internationale Veranstaltung.

agrarzeitung: Ihr Unternehmen ist Hauptsponsor der Karlsbörse in Prag. Welchen Stellenwert hat dieses internationale Treffen für Sie?

Henrik Marquardt: Natürlich hegen wir Erwartungen an die Börse. Diese Veranstaltungen dienen dazu, vergangene Geschäfte nachzubereiten und zukünftige hoffentlich vorzubereiten. Unser Büro in Tschechien ist von zentraler Bedeutung für uns als Handelsfirma. Seit 1999 gehören wir zu den zwei marktführenden Unternehmen für den Handel mit Getreide und Ölsaaten aus Tschechien heraus. Ich sehe diese Börse als Treffen in Ost- und Zentraleuropa. Hier liegt unser Handelsschwerpunkt.

Wird das Treffen auch für westliche Marktteilnehmer zunehmend interessanter?

In einem Marktumfeld, in dem wir nun seit Jahren von starker Konkurrenz aus der Schwarzmeerregion und Russland sprechen, stellen wir fest, dass unser Handelsvolumen stabil bleibt.

Wie kommt es zu diesem stabilen Handelsvolumen?

750 Millionen Europäer in einem Umfeld mit entsprechender Mühlenindustrie, Fleischerzeugung, Biodieselkapazitäten und anderen Industriezweigen bilden per se einen stabilen EU-Binnenmarkt ab. Die EU ist fragil und stabil zugleich.

Wie meinen Sie das?

Wir reden von der Schwarzmeerregion und denken dabei an die Konkurrenz aus Russland und der Ukraine, vergessen aber die EU-Staaten Rumänien und Bulgarien. Der Handel von Weizen aus der Schwarzmeerregion heraus in der Kampagne 2018 hat aufgrund der stetigen Nachfrage in Deutschland zu einer erheblichen Stabilisierung der franko-Preise in Südoldenburg beigetragen. In den meisten Jahren wäre diese EU-Ware ganz klassisch im Export in Richtung Nordafrika oder Asien abgeflossen.

Welche Themen werden bei dem kommenden Treffen voraussichtlich wichtig sein?

Mehr oder weniger die klassischen Themen: Welche Mengen an Getreide liegen noch beim Landwirt? Wie sehen die Bestände aus? Wie werden sich die Preise entwickeln? – der übliche Smalltalk unter Händlern.

Wie werden sich die Preise Ihrer Meinung nach entwickeln?

Es ist schwer, derzeitig zu beurteilen, welche Mengen an Getreide noch tatsächlich vermarktet werden müssen. Das Zeitfenster für die Vermarktung wird aber kleiner. In den vergangenen Jahren wurde die neue Ernte im ersten Quartal immer ungefähr auf dem Niveau der alten Ernte gehandelt. Für die Erzeuger war es unproblematisch, die Ware der aktuellen Ernte eventuell erst in der neuen Kampagne zu vermarkten. Der starke Verfall der Kurse in den vergangenen Wochen hat gezeigt, dass Potenzial für schwächere Preise durchaus vorhanden ist. Die alte Ernte hat überproportional an Wert verloren. Die Bestände sind gut, die Exporte schwach. Eine Preisbefestigung kann nur noch aufgrund von Impulsen aus der neuen Ernte entstehen.

„Die Bestände sind gut, die Exporte schwach.“
Henrik Marquardt, 

Welche Chancen hatte tschechischer Weizen in diesem Jahr im Export?

Vier Millionen Tonnen weniger Weizen in Deutschland haben letztendlich in erster Linie Auswirkungen auf die Exportwirtschaft. Unser tschechischer Weizen schwimmt immer mit im Sog von Exportaussichten für deutsches Getreide. Da sind die Möglichkeiten einfach begrenzt.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie nach Prag?

Natürlich wäre es gut, eine gewisse Vorschau für das zweite und dritte Quartal 2019 zu bekommen. Aber wir wissen auch, dass vieles von dem, was wir in Prag besprechen, am Montag nach der Börse schon wieder Vergangenheit sein kann. Für uns stehen Kundenpflege und Kundenakquise im Vordergrund.

Interview: Dagmar Hofnagel

Zur Person

Die Gustav Kindt GmbH, Hamburg, ist als Handelshaus außerhalb Deutschlands mit Vertretungen in Tschechien, Polen, der Slowakei, Österreich sowie Ungarn aktiv. 1999 entschied sich der geschäftsführende Gesellschafter Hendrik Suckfüll, den Handel mit Tschechien neu zu beleben. Henrik Marquardt ist seit drei Jahren in dem Unternehmen tätig. Erfahrungen hat der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann in diversen internationalen Handelshäusern gesammelt. dg


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