Kontamination

Ackerboden mit Plastik durchsetzt


Funde auf Agrarflächen: Filme (a und b), Fragmente (c) und andere Partikel (d bis f).
Universität Bayreuth
Funde auf Agrarflächen: Filme (a und b), Fragmente (c) und andere Partikel (d bis f).

Die Umweltverschmutzung durch Kunststoff hat auch landwirtschaftliche Flächen erreicht. Unsachgemäße Entsorgung ist eine häufige Ursache. Auch Folien und Dünger sind kritisch.

Der Plastikmüll, der in Ozeanen den Lebensraum schädigt, erzeugt große Aufmerksamkeit in den Medien. Auf Agrarflächen hat er bislang nur die Landwirte beunruhigt. Jetzt nimmt sich die Wissenschaft des Themas an.

„Allein die Tatsache, dass mehr als ein Drittel der globalen Landfläche landwirtschaftlich genutzt werden, zeigt, dass die Forschung auch in diesem Bereich erheblich intensiviert werden muss“, ist Prof. Christian Laforsch von der Universität Bayreuth überzeugt. Er hat deswegen mit einem Forschungsteam einen Acker in Mittelfranken unter die Lupe genommen. Er ist etwa einen halben Hektar groß und wird konventionell bewirtschaftet.

Nach einem Bericht, der im Dezember in der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlicht worden ist, ist der Acker deutlich mit Makro- und Mikroplastik kontaminiert, obwohl auf diesem Acker und den angrenzenden Flächen weder Dünger in Plastiksäcken ausgebracht noch Mulchfolien verwendet wurden.

206 Teile Makroplastik pro Hektar

Makro- und Mikroplastik werden anhand der Größe unterschieden. Die Grenze liegt bei einer Größe von fünf Millimeter. Die Bayreuther Forscher haben auf der Untersuchungsfläche insgesamt 81 Plastikteile identifiziert, die als Makroplastik einzustufen sind. Hochgerechnet entspricht dies einer Kontamination von 206 Teilen pro Hektar. Bei mehr als zwei Dritteln der Proben handelte es sich um den Kunststoff Polyethylen, das besonders oft als Einwegverpackung verwendet wird.

„Die Forschung muss erheblich intensiviert werden.“
Prof. Christian Laforsch, Universität Bayreuth, 

Zusätzlich wurde der Ackerboden stichprobenartig auf Mikroplastik im Größenbereich von einem bis fünf Millimeter hin untersucht. Hier ergab die Analyse im Durchschnitt 0,34 Mikroplastik-Teilchen pro Kilogramm Trockengewicht. Hochgerechnet auf einen Hektar kalkulieren die Wissenschaftler mit mindestens 150000 Mikroplastikteilchen. Die Kontamination des Bodens mit Nanoplastik, also Teilchen mit einer Größe von 1 bis 100 nm, wurde nicht untersucht.

Die Herkunft der identifizierten Kunststoffpartikel lässt sich in vielen Fällen nicht klar feststellen. Die Forscher halten es für möglich, dass Makroplastik unbeabsichtigt in den organischen Dünger geraten ist. Auch Wind könnte unsachgemäß entsorgten Müll auf das Feld geweht haben. Bei den Mikroplastikpartikeln wiederum handelt es sich zu einem großen Teil um Fragmente, die aus Makroplastik entstanden sind.

Düngung ist Gefahrenquelle

Sarah Piehl, Doktorandin an der Universität Bayreuth, geht davon aus, dass die Kontamination mit Plastik auf anderen Ackerflächen wesentlich höher sein kann. Das gilt etwa dann, wenn sie mit Kompost oder Klärschlamm gedüngt worden sind oder wenn Mulchfolien zum Einsatz kommen. Die Universität bleibt jedenfalls am Thema dran. Zu Jahresbeginn wurde in Bayreuth ein Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingerichtet, der sich dem Vorhandensein von Mikroplastik in der Umwelt widmet.

Plastikmüll

Seit 1950 wurden weltweit 8,3 Mrd.t Kunststoff erzeugt. 600 Mio.t wurden tatsächlich recycelt; 800 Mio. t verbrannt.

Jeder Deutsche produziert durchschnittlich 37 kg Plastikmüll pro Jahr. Insgesamt erzeugt ein Deutscher pro Jahr 611 kg Abfall.

Mit 11,7 Mio.t verbraucht Deutschland pro Jahr so viel Plastik wie kein anderes Land in Europa.

42 Prozent des deutschen Plastik-Mülls werden recycelt, die Dänen schaffen 90 Prozent. alö

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. olaf spillner
    Erstellt 4. Januar 2019 17:24 | Permanent-Link

    Boden „verbessern“ - zum Jahr des Bodens 2015 https://www.youtube.com/watch?v=1ZLt-WZOoBU
    2015 wurde von den Vereinten Nationen zum Jahr des Bodens erklärt.

    Remondis verkauft in Möllenhagen Komposterde, die von einem Großagrarier wohl gerne angenommen wird. Die verantwortliche Person für die Fläche gab vor Ort die Auskunft, das es sich hier um eine „bodenverbesserne“ Maßnahme handle. Der Kompost enthielt jede Menge Plastik, Glas,Batterien, Gabeln, Medikamente, eine Spritze, ….....und roch entsetzlich. Er sah darüber hinweg! Daraufhin erstatteten wir Anzeige.

    Eine Schweitzer Zeitung schreibt zum Jahr des Bodens: «Aus der Erde sind wir genommen, zur Erde sollen wir wieder werden, Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.» So lautet eine häufige Formel bei Beerdigungen. Doch der Boden ist nicht nur aus spirituellen Gründen Inbegriff von Werden und Vergehen. Er ist es auch biologisch gesehen. Seine Bedeutung für das Leben ist fundamental. Der Boden - unsere Lebensgrundlage!

    georgenrone
    Am 31.05.2015 veröffentlicht

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