Künstliche Intelligenz

Datenmangement macht großen Schritt nach vorne


Wer will schon stundenlang Daten sortieren oder komplexe Aufträge für Lohnunternehmer schreiben? Wissenschaftler für künstliche Intelligenz haben ein herstellerunabhängiges System programmiert, das landwirtschaftliche Daten speichert und interpretiert.

In der Landwirtschaft fallen täglich große Datenmengen an. Sie sind teilweise höchst vertraulich und stellen einen eigenen Wert dar. Einige davon sollen dauerhaft gespeichert werden, andere nur über einen gewissen Zeitraum. Im Rahmen des Forschungsprojekts SDSD, das für „Smarte Daten - Smarte Dienste“ steht, arbeiten Forschungseinrichtungen, darunter die Deutsche Forschungsgesellschaft für Künstliche Intelligenz (DFKI), Landtechnikhersteller und Software-Anbieter an einem intelligenten Konzept für das Datenmanagement. Erste Ergebnisse des Projekts wurden am Mittwoch am DFKI in Kaiserslautern präsentiert. Im Jahr 2020 soll es praxisreif sein.

Künstliche Intelligenz verknüpft Daten sinngebend

„Das SDS-System funktioniert wie ein ‚Hybrider Speicher‘“, erläutert Dr. Ansgar Bernardi vom DFKI. Es dient zum einen als universeller Speicher für Rohdaten. Darüber hinaus kann es die Inhalte interpretieren. Für Bernardi führt diese Analysefähigkeit des Systems zu „smarten Daten“. Das System spuckt smarte Daten beispielsweise als folgende Info aus: Arbeiter X bringt zurzeit auf Feld B Dünger Y in der Menge Z aus. Wetter und Temperaturinfos ließen sich ebenso hinzufügen. „Aus einer unverknüpften Datenstruktur werden verknüpfte genormte Daten“, sagt Bernardi. Es ließe sich gut mit einem für jeden Endkunden individualisierten Hochregallager vergleichen, in dem Daten maschinell ein- und ausgelagert sowie kommissioniert werden können. Das ermöglicht zum Beispiel aus den Ertragskarten der vergangenen Jahre Ertragspotentialkarten für die Zukunft ermitteln zu lassen. Somit wird neues Wissen aus bestehenden Informationen generiert und über die Jahre hinweg durchgehend vergrößert. Dabei behält der Landwirt die Datenhoheit. Externe können nur auf die Informationen zugreifen, die der Landwirt aktiv frei gegeben hat.

Agrirouter sorgt für Unabhängigkeit

Eine Besonderheit des Systems ist die Konvertierbarkeit. Die Daten können in verschiedene andere Formate umgewandelt und je nach Bedarf inhaltlich neu aufbereitet werden. Die Originaldateien bleiben immer erhalten. Das lässt dem Nutzer völlige Freiheit bei der Wahl von Agrarsoftware und Mangement-Plattformen. Das Medium kann wechseln, die Daten stehen weiter zur Verfügung, denn nach der Nutzung wandern sie wieder in das virtuelle Hochregallager. Die Anbindung an unterschiedliche Datenaustauschplattformen erledigt dabei der Agrirouter.

Die Applikationskarte zeigt farbig markiert die Ausbringung unterschiedlich hoher Düngemittelmengen
SDSD
Die Applikationskarte zeigt farbig markiert die Ausbringung unterschiedlich hoher Düngemittelmengen

In Kaiserslautern wurde das am Beispiel der Düngemittelausbringung vorgeführt: Der Landwirt erstellt zunächst eine Applikationskarte mit den Grenzliniendaten seiner Felder und der jeweiligen Düngemenge. Diese Daten überträgt er via Agrirouter an seine Maschinen oder die Maschinen der beauftragten Lohnunternehmen. Während der Düngemittelausbringung auf den Feldern werden die Telemetriedaten der Landmaschinen aufgezeichnet, wie die ortbezogen ausgebrachte Düngermenge, den Dieselverbrauch oder die Arbeitszeiten und über den Agrirouter anschließend an das SDSD-Tool geschickt. Dort werden die Daten analysiert, inhaltlich aufbereitet und gespeichert.
Neue Schnittstelle kommt 2020
Das Forschungsprojekt Smarte Daten, Smarte Dienste (SDSD) verfügt über ein Budget von rund 4 Mio. Euro und wird mit rund 2 Mio. Euro vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert. In diesem Projekt haben sich Landtechnik, Agrarelektronik und Agrarsoftware-Hersteller (AGCO, Competence Center ISOBUS, DKE-Data, Grimme, Krone, Müller-Elektronik, Same Deutz-Fahr) sowie das DFKI und die Hochschule Osnabrück zusammengetan. In zwei Jahren soll das System einsatzfähig sein.

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