Landtechnik

Russland braucht Traktoren


Agrosalon

Das Land hat einen großen Bedarf an modernen Maschinen. Aber der Protektionismus dort ist wieder im Aufwind.

Die westeuropäische Landtechnikindustrie zeigt zum Auftakt der russischen Branchenleitmesse Agrosalon vorsichtigen Optimismus. Gute Erzeugerpreise für Agrarrohstoffe lassen zwar auf investitionsfreudige Besucher hoffen. Ob westliche Hersteller davon hinreichend profitieren, steht jedoch auf einem anderen Blatt. „Der Protektionismus ist wieder im Aufwind“, so Christian Dreyer, Vorsitzender des VDMA Landtechnik.

Ein geplantes Regierungsdekret, das eine deutliche Verschärfung der Lokalisierungsregeln für ausländische Traktorenhersteller vorsieht, treibe die Branche derzeit um. Der aktuell diskutierte Verordnungsentwurf würde eine lokale Produktion vor Ort unwirtschaftlich machen. So könne es nicht sein, dass Maschinentypen, die in Russland ausschließlich als Importprodukte verfügbar sind, grundsätzlich keinen Zugang zu Förderprogrammen erhielten. „Industriepolitisch sinnvoll wäre es, Anreize zu schaffen, um den Aufbau einer modernen Zulieferindustrie zu fördern“, sagt Dreyer. Die russische Regierung zeige bislang nur wenig Verhandlungsbereitschaft.

Der Bedarf an Traktoren der mittleren und oberen Leistungsklassen ist in Russland nach laut dem VDMA Landtechnik wie vor sehr hoch. Nach Schätzungen des russischen Agrarministeriums würden jährlich 56.000 neue Schlepper benötigt. Der tatsächliche Markt sei von diesen Zahlen jedoch weit entfernt. „Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, wie es uns gelingen kann, diese Nachfrage zu bedienen. Wenn der aktuelle Verordnungsentwurf angenommen würde, wäre dies ein Schritt in die entgegengesetzte Richtung“, ist Dreyer überzeugt. Der Markt würde damit zugunsten einiger weniger Unternehmen, aber zulasten der großen Mehrheit der Landwirte verzerrt.

 

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