Legales Cannabis in Italien

Pizza Marihuana

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Niedrig dosiertes Cannabis löst einen grünen Goldrausch in Italien aus. Rund 2.000 italienische Bauern sind bereits auf den Zug aufgesprungen.

Wenn sich 2.000 Bauern eines südeuropäischen Landes dazu entschließen, eine neue Ackerfrucht anzubauen, dann muss da irgendwas dran sein. Die Rede ist von Italien und von Cannabis. Dank einer Gesetzesänderung ist seit dem Jahr 2016 der Anbau von Pflanzen mit niedrigem THC-Gehalt erlaubt. THC, auch bekannt als Tetrahydrocannabinol, ist der berauschende Wirkstoff der Pflanze.  

„Niedrig“ bedeutet, dass  der THC-Gehalt der Pflanze höchstens 0,2 Prozent betragen darf. Die psychedelische Wirkung des Cannabis-Konsums ist damit nahezu ausgeschaltet. Das Kraut beinhaltet aber reichlich andere Stoffe, die entspannend und schlaffördernd wirken. Nicht nur in Italien, auch in Tschechien oder Portugal erfreut sich diese Marihuana-Variante bei Konsumenten großer Beliebtheit.

Einer dieser 2.000 italienischen Bauern, die neuerdings auch Cannabis-Farmer sind, ist Fabrizio Serafini. In der Nähe des Dorfes Collecorvino hat Serafini großflächig Cannabis angebaut und unlängst eine Reporterin des Bayerischen Rundfunks mit auf sein Feld genommen. „Hier, an dieser Stelle des Feldes, steht eine Cannabis-Art, die Finola heißt. Der größte Teil des Feldes ist mit der Art Silvana bepflanzt, eine Art die zertifiziert und legal ist", sagt er der Radio-Reporterin. 64 Sorten hätten bereits das Unbedenklichkeits-Zertifikat von der Europäischen Union erhalten. Anders als in Deutschland ist Marihuana in Italien seit der Gesetzesänderung nicht nur für medizinische Zwecke zugelassen. Immer mehr Shops verkaufen Genuss-Produkte wie Kekse oder Joints. Der Markt wächst rasant.

Millionenumsatz in den ersten Geschäftsmonaten

Salvinis größter Kunde ist die Firma „Easyjoint“, die bereits im Jahr 2002 von Luca Marola in Parma gegründet wurde. Der heute 41-Jährige Anwalt gilt als Pionier auf dem italienischen Marihuana-Markt und ist schon seit vielen Jahren in der Legalisierung-Bewegung aktiv.

Auf seiner Website gibt Marola einen kurzen Abriss der unglaublichen Erfolgsstory. Da Easyjoint der erste Player auf dem legalen Marihuana-Markt gewesen sei, habe Marola zunächst keine Konkurrenten gehabt. Mit nur 10.000 € Marketing-Budget schuf er mit Easyjoint ein kleines Imperium. Der Begriff „Easyjoint“ sei in Italien nun ein Synonym für legal gehandeltes Marihuana – in etwa so wie „Tempo“ in Deutschland für „Papiertaschentuch“ steht. Dazu beigetragen habe vor allem die unglaubliche mediale Aufmerksamkeit, die ihm als Branchen-Pionier zuteil wurde. „Das hat uns erlaubt, die Marketingkosten binnen kürzester Zeit auf Null zu senken“, so Marola.

Marola hält auch Rückschau auf die ersten acht Monate seiner Geschäftstätigkeit: Easyjoint habe von Mai bis Dezember 2017 Einnahmen von 1.754.160 € mit einem Gewinn von 231.146 € generiert. Das Geschäft sei so schnell in Schwung gekommen, dass Easyjoint das gesamte Wachstum ohne Fremdkapital habe finanzieren können.

Die Produkte von Easyjoint werden laut Marola in rund 400 stationären Shops und online gehandelt. Der Internet-Handel mache etwa ein Drittel des Umsatzes aus. Jeden Monat steigere sich der Online-Umsatz um 180 Prozent. Von Februar bis Mitte April 2018 hat Marola 17.000 Kilogramm Marihuana verkauft, berichtete er unlängst der New York Times. Kein Wunder, dass in Italien schon von einem „grünen Goldrausch“ gesprochen wird. 

Garantierte Abnahme der Ernte 

Marola bezieht sein Cannabis nach eigenen Angaben von rund 400 Bauern, die in der Vergangenheit bereits Erfahrungen mit industriellem Hanfanbau gesammelt haben – zum Beispiel mit THC-freiem Hanf für die Bekleidungsindustrie.

Nicht mehr ganz so berauschende Blüten.
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Nicht mehr ganz so berauschende Blüten.
Zur Qualitätssicherung seiner Ware hat Marola eine bemerkenswerte Methode ausgetüftelt: Anstatt Marihuana-Samen zu verkaufen, liefert er Stecklinge an die Bauern – mit der Rückübernahme-Garantie von Easyjoint. Die Zucht von Marihuana aus Samen birgt die Gefahr, männliche Pflanzen zu produzieren, die für die Cannabis-Gewinnung quasi untauglich sind. Aus den Stecklingen wachsen hingegen garantiert nur weibliche Pflanzen.

Rund um den Easyjoint-Hype hat sich in Italien bereits eine ganze Vertriebs-Industrie geschart. Es gibt Konkurrenz-Anbieter, zahllose Coffee-Shops und Läden sowie diverse Produkte, die niedrigdosiertes Cannabis enthalten. Zum Easyjoint-Netzwerk gehören zum Beispiel Produzenten von Hanf-Pasta, Hanf-Olivenöl oder Kerzen. In Rom gibt es neben den Shops bereits einen Lieferdienst, der den Kunden das Cannabis binnen 90 Minuten an die Haustür bringt. Experten gehen davon aus, dass bis Jahresende ein Branchenumsatz von 100 Millionen Euro erreicht werden kann. Marola rühmt sich, heute und 70 Prozent des Marktes zu beherrschen. In den ersten Monaten seien es sogar 85 Prozent gewesen.

Die italienischen Landwirte haben sich laut dem Bericht der New York Times längst von dieser Goldgräberstimmung anstecken lassen. Immer mehr Felder werden umgepflügt, um die bis zu vier Meter hohen Hanfpflanzen anzubauen. So auch die Äcker von Serafini. 10.000 Euro habe er sich dafür von der Bank geliehen, sagt der dem Bayerischen Rundfunk. Tagelang habe er auf dem Feld geschuftet, um die 20.000 Pflanzen anzubauen.

Wie legal der Konsum ist, wird derzeit debattiert.
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Wie legal der Konsum ist, wird derzeit debattiert.
Um Ärger mit den Behörden in den Abruzzen zu vermeiden, hat Serafini sein Vorhaben vorsorglich der Polizei gemeldet. Die seien etwas überfordert mit der Lage gewesen, aber hätten Verständnis gezeigt. So ein Feld falle schließlich auf, zumal die niedrigdosierten Sorten genauso aussehen und riechen wie ihre potenteren Schwestern. Prinzipiell sei es kein Problem, potentere Sorten unter die legalen Pflanzen zu mischen. Aber das sei „ziemlich dumm“, meint Serafini in der Radio-Reportage. Sollte der Betrug auffliegen, würde das die Vernichtung des ganzen Feldes zur Folge haben. Das finanzielle Risiko sei einfach zu groß.   

Auch wenn sich der grüne Goldrausch in Italien nach einem todsicheren Geschäft anhört, ist es derzeit noch mit einem gewissen Restrisiko behaftet. Ungeachtet dieser Goldgräberstimmung ist die rechtliche Lage nämlich noch nicht ganz klar, was den letztendlichen Konsum der Produkte angeht. Während Produktion und Vertrieb legal sind, ist der Konsum lediglich geduldet. Die Hersteller müssen auf ihren Packungen darauf hinweisen, dass sie für menschlichen Konsum nicht vorgesehen sind.  Die rechtspopulistische Lega Nord, die an der italienischen Regierung beteiligt ist, will die zahlreichen Shops schließen lassen. Serafini hofft, dass das nicht passiert. Und wenn, dann bitte erst nach der diesjährigen Ernte.

 

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Dominik
    Erstellt 28. August 2018 15:40 | Permanent-Link

    Interessante Neuigkeiten! Es kann einen Anstieg der Touristen in dieser Gegend von Amsterdam auslösen. Eine Art Wallfahrt. In Deutschland müssen wir nur nach einer Pizzeria auf https://speiskarte.menu eine gute Pizzeria suchen und Pizza mit den erlaubten Grüns essen

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