Lieferbeziehungen

Politik erwartet Milchstrategie


Die Milchwirtschaft soll die Lieferbeziehungen endlich neu ordnen, fordert die Bundesagrarministerin. Ansonsten regelt das der Staat mithilfe des Artikels 148, so die Ankündigung.

Der Druck auf die Milchwirtschaft steigt. Noch vor der Agrarministerkonferenz im Herbst erwartet Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein gemeinsames Strategiepapier der Milchverbände. Darin sollen vor allem die Lieferbeziehungen neu geregelt werden. Die Qualität des Papiers soll eine entscheidende Rolle dabei spielen, ob Deutschland von Artikel 148 der Gemeinsamen Marktordnung Gebrauch machen wird oder nicht. Der Artikel 148 regelt die Vertragsbeziehungen im Sektor Milch und Milcherzeugnisse. Nach seiner Änderung hat jeder Milcherzeuger seit Januar 2018 das Recht auf einen Vertrag, der Menge, Preis, Qualität und Zeitraum regelt. Demzufolge ist es möglich, Milchlieferverträge für alle Milcherzeuger in Deutschland vorzuschreiben.

DBV sieht Molkereien und Milcherzeuger in der Pflicht

Der Deutsche Bauernverband (DBV) lehnt staatliche Vorgaben zu den Milchlieferbeziehungen ab. Aus Sicht des DBV "bedarf es grundsätzlich keiner staatlichen Einheitslösungen". Ziel des Milchsektors müsse es vielmehr sein, durch eine zeitgemäße Gestaltung der Lieferbeziehungen Schwankungen am Markt zu begegnen. Um in Deutschland die Anwendung von Artikel 148 zu verhindern, sollten Molkereien und Milcherzeuger endlich nachfrageorientierter eine gemeinsame Mengenplanung und -abstimmung vornehmen, erklärt der DBV. 

Gemeinsame Ziele finden

Die Strategie dürfe aus DBV-Sicht nicht allein ein Papiertiger bleiben, dessen Ziel es ist, die Anwendung des Artikels 148 zu verhindern. Die Erarbeitung einer gemeinsamen Strategie des deutschen Milchsektors sei nur sinnvoll, wenn alle Beteiligten tatsächlich das Ziel verfolgen, den Sektor zukunftsorientiert und mit Blick auf die bereits bestehenden sowie kommenden Herausforderungen aufzustellen. 

Mit seiner Position bezieht sich der Bauernverband auf Ergebnisse des Instituts für Ernährungswirtschaft Kiel (Ife). Das Ife hatte aufgezeigt, dass die Milchbauern sehr unterschiedliche Auffassungen zu den Lieferbeziehungen haben. Während größere und spezialisierte Milchviehbetriebe in höherem Maße einzelbetriebliche Vertragslösungen präferieren, votieren kleinere und wachsende Milchviehbetriebe eher für die Beibehaltung der bisherigen Modelle ohne Mengenbegrenzung. Die Liefermodelle der Molkereien müssen dieser Heterogenität gerecht werden, fordert der DBV. 





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