Tierhaltung

„Das ist ein für uns Landwirte total verkehrter Ansatz“

Ein FAZ-Artikel beschäftigt sich mit den Problemen in der Schweinehaltung. Alle können ein bisschen zustimmen. Und eine Schweinehalterin spricht Klartext.

Wer in der vergangenen Woche in der FAZ den Artikel über die Schweinehaltung in zwei Betrieben in Süddeutschland gelesen hatte, bekam eine ganze Verkettung von Problemursachen aufgezeigt. Von der Zucht bis zur Fütterung, über den Landwirt bis zum Schlachtunternehmen tragen alle dazu bei, dass sich ein Mastschwein wohl fühlt oder eben auch nicht. Eine Schweinehalterin, ein Futtermittelhändler und eine Interessenvertretung bestätigen die beschriebenen Zustände.

Von zwei Beispielen aufs Ganze schließen
Dass schwierige Zustände in den Ställen keine Ausnahme sind, darauf deuten die Daten des Fleischkonzerns Vion hin: 40 Prozent der zum Schlachten angelieferten Schweine sind mit Befund – vor allem Leber und Lunge zeigen Auffälligkeiten.

"Das Futter hat einen wahnsinnig hohen Stellenwert für die Tiergesundheit“, erklärt beispielsweise Gabriele Mörixmann, Schweinehalterin aus Melle, die einen Teil ihrer Tiere auf Stroh und mit Auslauf hält und sehr viel Energie in deren Vermarktung steckt. Ihrer Meinung nach habe die im Artikel erwähnte Beraterin "total Recht", wenn sie von der Mykotoxin-Problematik im Futter spreche. Mykotoxine gewinnen gerade in nassen Jahren an Bedeutung und begünstigen Nekrosen. Die wiederum können zu der Schwanzbeißerei führen. 

Nicht jede Charge kann auf Toxine untersucht werden 

Das hört man bei Futtermittelunternehmen zwar nicht gerne. Aber ein Händler bestätigt, dass "natürlich nicht jede einzelne Charge auf Toxine untersucht" werden könne. Trotz in Augenscheinnahme und Geruchsprobe passiere es doch öfter, dass dann etwas im Futter sei. Und die Dosis mache nun einmal das Gift, so der Mischfutterhändler. Man könnte vielleicht einmal über die Grenzwerte für Mykotoxine nachdenken, so seine Anregung. Für den Landwirt entscheidend sei, dass er nicht allein preisoptimiert füttere, sondern qualitätsoptimiert.

Bild: Pixabay / Pexels

ISN begrüßt ratsuchende Landwirte

Der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) ist an der Geschichte vor allem die massive Angst der Bauern vor Tierrechtlern aufgefallen. Das sei sehr bedenklich und zeige deutlich wie sehr deren Diffamierungs- und Skandalkampagnen die Tierhalter verunsichern, sagt die ISN-Sprecherin Jana Denecke. Gleichzeitig spreche der Artikel einige bestehende Probleme an. Die ISN begrüßt daher, dass sich die Landwirte Hilfe über Berater wie die im Artikel zitierte Mirjam Lechner holen, um die beschriebenen Zustände in den Ställen zu verbessern.

Mageres Fleisch und Tierwohl kaum miteinander vereinbar

Der Wunsch der Verbraucher nach immer magererem Fleisch bringt die Tierhalter in die Bredouille. Am Schlachthof gibt es in der Regel Abzüge, sobald der Muskelfleischanteil unter 59 Prozent liegt. „Das ist ein für uns Landwirte total verkehrter Ansatz“, erklärt Gabriele Mörixmann.

Abrechnung der Schlachter im Vergleich
"Der intakte Ringelschwanz und die damit verbundene Tiergesundheit beginnt bei der Jungsau und der damit verbundenen Genetik. Auch Tiere mit 56 Prozent Magerfleischanteil sind nicht fett und lassen dem Landwirt die Möglichkeit, gesunde Tiere kostendeckend zu halten, wenn es dann keine Abzüge geben würde", so Mörixmann. Die Verantwortung für eine hohe Tiergesundheit trügen Fleischindustrie, Lebensmitteleinzelhandel, Forschung, Landwirtschaft und Kunden gemeinsam. Gabriele Mörixmann spricht es wohl am deutlichsten aus, wenn sie sagt: „Immer mageres Fleisch und Tierwohl sind oft schwer miteinander zu vereinbaren. Da gilt es, dass alle Beteiligten ehrlich miteinander kommunizieren.“

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