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Verbrauchertäuschung schafft Quote

Verbrauchertäuschung ist das Aufreger-Thema Nummer eins im Fernsehen. Aber auch die Herkunft von Produkten und die ‚richtige‘ Ernährung werden in Reportagen und Talkshows zunehmend wichtiger.

Ob „Bio-Fleisch aus quälerischer Tierhaltung“, „Die Lüge von der gesunden Ernährung“ oder „Von wegen Angebot – Welche Tricks Lebensmittelhändler anwenden". Formulierungen wie diese sind Beispiele für eine zunehmend kritische Berichterstattung und sie zeigen gleichzeitig die Themen an, die im Fernsehen in Punkto Lebensmittel im Vordergrund stehen: Nämlich Verbrauchertäuschung, gesunde Ernährung und Fleisch. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Engel & Zimmermann. Die süddeutsche Unternehmensberatung für Kommunikation, die unter anderem Wiesenhof und die PHW Gruppe als Kunden hat, wertete 2017 insgesamt 655 TV-Beiträge rund um Essen und Trinken aus. Berücksichtigt wurden Verbrauchermagazine, Reportagen, Talkshows, Dokumentationen und weitere Formate quer über alle Sender. 

Die Schwerpunkte in der Berichterstattung haben sich verschoben. Bereichte über den LEH klettern von 12 im Jahr 2016 auf 51 im Jahr 2017.
Foto: Engel & Zimmermann
Die Schwerpunkte in der Berichterstattung haben sich verschoben. Bereichte über den LEH klettern von 12 im Jahr 2016 auf 51 im Jahr 2017.

Laut Engel & Zimmermann stehen der Handel und die Lebensmittelindustrie zunehmend in der Kritik. Auffällig sei, dass die Rubrik „Handel / Lebensmittelindustrie“ im Vorjahr noch einen eher unbedeutenden Stellenwert in der TV-Berichterstattung einnahm, sich 2017 die Anzahl der Sendungen aber beinahe verfünffacht habe.

Mehr als die Hälfte der Beiträge aus dieser Rubrik weise einen negativen Tenor auf. Damit ist gemeint, dass schon der Titel oder die Programm-Ankündigung des Senders auf eine kritische Tonalität schließen lassen. „Wir erkennen hier eine Art Generalkritik an der gesamten Lebensmittelbranche, die von den Redaktionen über das ganze Jahr hinweg aufrechterhalten wurde“, sagt Sybille Geitel, Vorstand bei Engel & Zimmermann.
Bei den Sendungen mit kritischer Tonalität fällt auf, dass die Zahl der Beiträge über die Getränkebranche deutlich gestiegen ist. Im Vergleich zum Vorjahr setzten sich dreimal so viele Sendungen mit kritischen Inhaltsstoffen, Produktbelastungen, Verbrauchertäuschung und Umweltaspekten auseinander. Vor allem Tee, Kaffee und Energydrinks standen dabei im Mittelpunkt.

Fleisch büßt an Interesse ein

Auch wenn immer noch durchschnittlich einmal pro Woche über Fleischthemen berichtet wird, liegt die Branche erstmals seit vier Jahren nur noch auf Platz zwei. In den vergangenen Jahren war das Thema stets Spitzenreiter. Stattdessen erobert die Obst- und Gemüsebranche die Spitze. Interessant ist für die Berater auch: Obwohl der Fipronil-Skandal im Jahr 2017 über Wochen hinweg für Schlagzeilen in den Printmedien sorgte und mehrfach Eingang in die Nachrichtensendungen fand, konnte in der Analyse nicht grundsätzlich eine vermehrte Berichterstattung über die Eierbranche festgestellt werden. 

Landwirtschaft weiter oft in der Kritik

Im Vergleich zum Vorjahr thematisierten mehr als doppelt so viele Sendungen die Landwirtschaft sowie Produkte aus Bio- oder regionaler Herkunft. Obwohl Begriffe wie „Bio“ und „Regional“ in der Regel positiv besetzt sind, waren drei Viertel aller Sendungen zu diesem Thema tendenziell kritisch. So wurden unter Titeln wie „Regionaler Schwindel“ oder „Von wegen Bio – Wenn Tiere auf Biohöfen genauso leiden“ insbesondere Verbrauchertäuschung und Missstände in der Tierhaltung angeprangert.  „Menschen reagieren immer empfindlich, wenn sie sich betrogen fühlen“, so Sybille Geitel. „Das verstärkt sich, wenn ‚Bio‘ auf der Verpackung steht: Werden hier Tierwohlstandards verletzt oder fälschliche Angaben zu regionaler Herkunft gemacht, kritisieren die Medien das besonders scharf.“

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