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Agra Leipzig diskutiert Dürre


Zur Landwirtschaftsmesse Agra in Leipzig fordern Landwirte von der Agrarpolitik Zuschüsse für eine Dürreversicherung.
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Zur Landwirtschaftsmesse Agra in Leipzig fordern Landwirte von der Agrarpolitik Zuschüsse für eine Dürreversicherung.

In Mitteldeutschland herrscht erneut eine dramatische Trockenheit. Auf der Landwirtschaftsmesse Agra in Leipzig ist der Umgang mit den veränderten Wetterbedingungen das beherrschende Thema.

Die Agra 2019 in Leipzig findet in einem schwierigen Umfeld für die Landwirtschaft statt. Hochsommerliche Temperaturen bis 29 Grad und starke Winde haben die Felder bereits im April völlig austrocknet. Erste Trockenschäden auf den leichten Böden sind sichtbar. Die Pflanzen stellen das Wachstum ein. „Der staubtrockene Boden zeigt, was auf die Landwirte nach 2018 wieder zukommt“, sagte Dr. Thomas Schmidt, Agrarminister in Sachsen zur Eröffnung der Agra heute in Leipzig. „Wir stehen wieder vor einer Trockenheit“, erklärte Wolfgang Vogel, Bauernpräsident in Sachsen. Er warnt aber vor zu früher Panik.

Künftiger Anbau nur mit Bewässerung

Auch Dr. Reiner Haseloff, Agra-Schirmherr und Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt ist alarmiert. Für das Wochenende sei zwar Regen angekündigt, doch würden die Mengen zu keiner Entspannung führen. "Die Landwirtschaft vor allem in Sachsen-Anhalt muss sich auf weitere Trockenjahre einstellen", sagte Haseloff. Es werde Jahre dauern, bis die niedrigen Wasserreservoirs wieder aufgefüllt seien. Die Landesregierung in Sachsen-Anhalt informiert über neue und alte Bewässerungssysteme aus DDR-Zeiten. Ein künftiger Anbau werde nur mit Bewässerung möglich sein. Allerdings dürfe dies nicht zu einer Senkung der Grundwasserstände führen, so Haseloff. Landwirte sollten ihre Anbaupläne auf trockenresistente Kulturen umstellen. 

Versicherung versus Stütze

Ob nochmals Dürrehilfen von Bund und Ländern gezahlt werden, kann und will Haseloff nicht versprechen. Erst wenn die Ernte eingefahren ist und anhand der Ergebnisse die Bundesregierung einen Katastrophenfall feststellt, sei es rechtlich möglich, betroffene Betriebe finanziell mit Steuergeldern zu unterstützen. „Wir wollen nicht noch einmal als Bittsteller wie bei der Dürrehilfe in der Gesellschaft auftreten“, erklärte ein emotional aufgeladener Bauernpräsident Vogel. Er pocht auf die unternehmerische Eigenständigkeit der Landwirte. Unterstützung sei auch mit Instrumenten wie einer Dürreversicherung möglich. Dafür soll die Bundesregierung den Landwirten eine Anfangsfinanzierung ermöglichen.

Erster Schnitt schon verfüttert

Dramatisch sei die aktuelle Dürre wieder für die Tierhalter, betont Olaf Feuerborn, Bauernpräsident von Sachsen-Anhalt. Schon im April müssen Landwirte das Grünfutter verfüttern, in der Hoffnung, dass zum zweiten Schnitt Gras nachwächst. Bleibt der Regen aus, müssen diese Betriebe weitere Tiere abstocken, weil sie nicht genug Futter haben, um über den Winter zu kommen. „Wir freuen uns über jeden Liter der fällt, doch die Vorhersagen für Mitteldeutschland sind mager“, sagt Feuerborn. Dr. Klaus Wagner, Milchviehhalter und Bauernpräsident in Thüringen, berichtet von einem Ausfall in der Milchproduktion in Höhe von 35 Prozent im vergangenen Jahr durch die Dürre. 

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