Milchmarkt

MIV gibt dem Export eine Zwei Minus


Angesichts eines gesättigten Heimatmarktes hoffen die Molkereien auf steigende Absatzmengen im Export.
Bild: Pixabay / manolofranco
Angesichts eines gesättigten Heimatmarktes hoffen die Molkereien auf steigende Absatzmengen im Export.

Der Milchmarkt in Deutschland zeigt sich laut Milchindustrie-Verband zwar weniger volatil als in den Vorjahren, weckt aber auch kaum Wachstumsfantasien. Der Export läuft noch gut, doch die Risiken wachsen.

Der durchschnittliche Erzeuger-Milchpreis in Deutschland wird sich 2019 nach Erwartungen des Milchindustrie-Verbandes (MIV) wohl bei 33,5 Cent/kg netto liegen für Rohmilch mit 4 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß. Die EU-Interventionsbestände an Magermilchpulver seien abverkauft und übten keinen weiteren Druck mehr auf den Markt aus, teilte MIV bei seiner Jahrespressekonferenz am Donnerstag in Frankfurt am Main weiter mit. Die Preise für Milchfett und Butter hätten im Jahresverlauf zunächst nachgegeben, würden aber seit Herbst 2019 wieder anziehen. Aufgrund der Trockenheit auch in diesem Jahr sei die Milchanlieferung im Herbst gegenüber 2018 leicht zurückgegangen; erneut hätten einzelne Regionen in Deutschland mit Futterknappheit zu kämpfen.

China-Geschäft läuft zufriedenstellend

Vom Exportmarkt gibt es indessen gute Neuigkeiten. Das China-Geschäft als wichtige Absatzsäule sei wieder "gut angelaufen", sagte MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser. Dennoch gibt Heuser dem Exportmarkt aktuell nur eine "Zwei Minus", wie er weiter ausführte. Sorgen bereite der Milchwirtschaft das "Dauerbrenner-Thema" Brexit, sagte auch der MIV-Vorsitzende und Vorstandsvorsitzende der Molkerei Hochland, Peter Stahl. Zwar habe die alte May-Regierung noch die Weichen dafür gestellt, dass nahezu keine Einfuhrzölle im Vereinigten Königreich im Falle eines harten Brexits erhoben würden. Dafür stünden aber im Worst Case weiterhin Handelsbarrieren durch "komplizierte Zollverfahren und Kontrollen" an den Grenzen zu befürchten, sollte es doch noch zum EU-Austritt der Briten ohne Vertrag kommen.

Mit Spannung und Skepsis erwartet der MIV nach eigener Darstellungen zudem die Beratungen in Brüssel zu Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland: Als Absatzmarkt für EU-Milchprodukte fehle angesichts der geringen Bevölkerungszahlen in Neuseeland und Australien die Fantasie, hieß es dazu auf der Pressekonferenz. Andersherum wären Neuseeland und Australien aber große Milchexporteure.

Biobauer sucht Molkerei

Alles in allem wecke der Export aber mehr Wachstumsfantasien als der Binnenmarkt, sagte Heuser, wollte dem Binnenmarkt aber auf Anfrage keine Schulnote erteilen. Die Erweiterungen der Produktionskapazitäten für Käse 2019 in Deutschland seien vor allem für den Export gedacht, so Heuser. Zunehmend schwierig entwickelt sich der Markt für Biomilch hierzulande: Die Produktion verzeichne weiterhin hohe Wachstumsraten, die teilweise über der Nachfrage lägen, konkretisierte Stahl. Bauern hätten teilweise schon Schwierigkeiten, Molkereien für ihre Biomilch zu finden.

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