Mittlerer Westen

Rekordflut trifft US-Farmer hart


Die Nationalgarde wirft Heuballen ab, damit eingeschlossene Tiere nicht verhungern.
Bild: Nebraska State Patrol
Die Nationalgarde wirft Heuballen ab, damit eingeschlossene Tiere nicht verhungern.

Der Mittlere Westen der USA steht unter Wasser. Unter den Rekordfluten leiden einerseits die Hersteller von Bioethanol. In North Dakota verzögert sich andererseits die Aussaat von Sommerweizen. Böden sind noch tief gefroren

Starke Regenfälle auf mit Schnee bedeckten Felder haben im Mittleren Westen der USA zu schweren Überschwemmungen geführt. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten North und South Dakota, Montana und Nebraska. Auf dem über die Ufer getretenen Missouri erschwert Treibeis den Abfluss des Wassers. Große Flächen sind überflutet. Viehherden haben sich auf höher gelegenes Land zurückgezogen. Per Hubschrauber wirft die Nationalgarde Nebraskas Futter für die eingeschlossenen Tiere ab. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Höhere Temperaturn werden die Schneeschmelze beschleunigen. Das Wasser kann in dem gefrorenen Böden nicht versickern und lässt Flüsse und Bäche anschwellen.

Straßen und Bahnlinien überflutet

In der Agrarbranche verursachen die Überschwemmungen große Schäden. Ethanolfabriken mussten die Produktion drosseln, weil die Maisanlieferung wegen überfluteter Straßen behindert ist. Stark eingeschränkt ist auch der Auslieferung des Bioethanols, das normalerweise per Eisenbahn zur Ost- und Westküste transportiert wird. Analysten schätzen, dass die US-Produktion dadurch aktuell um 10 bis 14 Prozent kleiner ausfällt. Zahlreiche Silos von Landwirten und Händlern sind ebenfalls überschwemmt. Behörden wiesen darauf hin, dass die mit Wasser verunreinigte Ware nicht mehr vermarktet werden darf. Allein für Nebraska werden die Schäden durch verloren gegangene Lagerware auf 400 Mio. US-$ geschätzt.
Mit Sorge schauen die Farmer in den betroffenen Staaten auch auf die Aussaat von Sommerweizen, die eigentlich in einer Woche beginnen soll. Derzeit liegt noch viel nasser Schnee auf den Feldern, sodass ein pünktlicher Beginn ausgeschlossen ist. Wetterprognosen für die kommenden Wochen zeigen, dass es regnerisch bleiben soll. Dies verzögert ein Auftauen des Bodens, der nach einem strengen Winter teilweise bis in eine Tiefe von 1,5 Meter gefroren ist.

Farmer überdenken Anbauentscheidung

Frühlingsweizen kann zwar auch später gedrillt werden, dann steigt aber die Gefahr, dass die Pflanzen im Sommer unter großer Hitze leiden. Die Farmer könnten deshalb auf Sojabohnen oder Mais ausweichen. Die Anbauentscheidung wird auch davon abhängen, wie sich die Handelsgespräche zwischen den USA und China entwickeln.

Behörden fürchten monatelanges Hochwasser

Die Flut wird die Anlieger von Missouri und Mississippi noch wochenlang beschäftigen. Das staatliche National Water Center in Tuscaloosa, Alabama befürchtet in diesem Frühling eine „nie dagewesene Hochwassersaison“.

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