Mosa Meat

„Clean Meat ist eine Beleidigung“


Fleisch aus dem Labor - eine korrekte Bezeichnung wird noch gesucht.
Foto: Redwan Farooq
Fleisch aus dem Labor - eine korrekte Bezeichnung wird noch gesucht.

Wie Fleisch aus dem Labor bezeichnet werden darf, ist heftig umstritten. Der Gründer von Mosa Meat sieht die Debatte gelassen und rechnet schon bald mit kostengünstigen künstlichen Fleisch.

Wissenschaftler arbeiten seit Jahren daran, fleischartige Lebensmittel durch die Vermehrung von tierischen Zellen zur produzieren. Unterstützt von zahlungskräftigen Investoren macht die Forschung große Fortschritte und schon bald könnten die ersten Produkte auf den Markt kommen. Heftig umstritten ist die Frage, wie diese Lebensmittel bezeichnet werden sollen. In englischsprachigen Ländern wird häufig der Begriff „clean meat“ verwendet. Dr. Mark Post, einer der Pioniere auf dem Gebiet, kann mit dieser Bezeichnung nicht viel anfangen. „Ich verwende den Begriff clean meat aus verschiedenen Gründen nicht“, sagte der Niederländer gegenüber dem Internetportal AgFounderNews.


Ein Problem sei, dass sich der Ausdruck nicht ins Französische, Niederländische oder Deutsche übersetzen lasse. Noch viel gewichtiger ist aber ein anderes Argument. Der Begriff unterstelle er, dass das heute erzeugte Fleisch schmutzig sei. Die Fleischindustrie würde dadurch unnötigerweise kriminalisiert. Dass Landwirte und Fleischproduzenten „clean meat“ als Beleidigung empfinden, könne er verstehen, sagte der Mitbegründer von Mosa Meat. Das Unternehmen hatte 2013 den ersten im Labor erzeugten Hamburger produziert.

Mosa Meat bezeichnet seine Produktion als „cultured meat“ (kultiviertes oder gezüchtetes Fleisch). Dass die Bezeichnung von entscheidender Bedeutung ist, glaubt Post aber nicht. Letztendlich würden die Produkte unter Markennamen verkauft, erwartet der wissenschaftliche Direktor des Start Ups. Ziel des Unternehmens bleibe es, bis 2021 einen Hamburger auf den Markt zu bringen. Der Zeitplan werde auch durch die Dauer des Genehmigungsverfahrens in der Europäischen Union beeinflusst, für den mindestens eineinhalb Jahre veranschlagt werden.

Mosa Meat will die Fleischproduktion revolutionieren. Die Herstellung von gezüchtetem Fleisch werde im Vergleich zu tierischem Fleisch viel weniger Energie benötigen und die Treibhausgasemissionen senken. Ein Problem bleiben die Produktionskosten. Es gebe keine Garantie dafür, dass Mosa Meat in naher Zukunft eine erschwingliche Alternative zu tierischem Rindfleisch anbieten kann. Langfristig könne es gelingen, das gezüchtete Fleisch zu einem niedrigeren Preis anzubieten als Fleisch von Tieren, ist der Niederländer optimistisch. „Da gibt es so viele Faktoren, dass es für mich schwer ist zu erraten, in welcher Zeitachse das geschieht. Es könnte in drei bis vier Jahren sein, aber es könnte auch sieben Jahre dauern", spekuliert Post.

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