Neue Rechstform

KWS sendet Wachstumssignale

KWS-Firmenzentrale in Einbeck
Foto: KWS
KWS-Firmenzentrale in Einbeck

Der Pflanzenzüchter aus Einbeck will die Kultur als „familiengeprägtes Unternehmen“ wahren und gleichzeitig weiter expandieren. Der geplante Wechsel der Rechtsform bietet die Möglichkeit, Geld über Aktienverkäufe einzusammeln und dennoch den Einfluss der bisherigen Großaktionäre zu sichern. Aus Sicht von Analysten hat dieser Schritt zwei Seiten.

Das Wichtigste vorab: KWS Saat plant derzeit  „konkret keine größeren Akquisitionen“. Das sagte zumindest Wolf-Gebhard von der Wense, Leiter Invester Relations bei dem Pflanzenzüchtungsunternehmen mit Sitz in Einbeck, auf Anfrage von agrarzeitung.de. Der geplante Wechsel der Rechtsform von einer SE, also einer europäischen Aktiengesellschaft, in das Konstrukt mit der Bezeichnung KWS Saat SE & Co. KGaA sei dafür gedacht, sich für „künftige Zukäufe aufzustellen, um schnell und flexibel auf Wachstumsmöglichkeiten reagieren zu können“, so von der Wense. Ein Aktienanalyst eines Frankfurter Kreditinstituts wertet die geplante Änderung der Rechtsform ebenfalls als Signal der KWS, „strategisch wachsen zu wollen.“

Aktionärsstruktur der KWS Saat
Bisher halten die Familien Carl-Ernst Büchting und Arend Oetker mit 54,5 Prozent den Mehrheitsanteil an der KWS Saat SE. Weitere 15,4 Prozent der Aktien hält die Tessner Beiteiligungs GmbH, die verbleibenden 30,1 Prozent sind in Streubesitz.

Büchting und Oetker behalten Mehrheit der Stimmrechte

Will die KWS durch Zukäufe wachsen, kann sie kleinere Transaktionen theoretisch über Fremdkapital finanzieren, so von der Wense. Ist ein Deal jedoch größer, muss er auch mit zusätzlichem Eigenkapital finanziert werden. Ein Weg, um das Eigenkapital für Zukäufe zu erhöhen, ist die Ausgabe von neuen Aktien. Doch dabei könnten die bisherigen Großaktionäre Oetker und Büchting an Einfluss verlieren. Theoretisch wäre sogar denkbar, dass ein neuer Großaktionär entsteht.

Doch KWS will auch in Zukunft an ihrer Unternehmensstruktur und Kultur als „familiengeprägtes Unternehmen“ festhalten, als das sich der Pflanzenzüchter trotz der mittlerweile knapp 5.000 Mitarbeiter in 70 Ländern und des Umsatzes von zuletzt gut 1 Mrd. € verstanden wissen will. Deshalb sollen die Mehrheitsaktionäre Oetker und Büchting auch in Zukunft nicht an Einfluss verlieren. Dafür soll die neue Rechtsform sorgen, die vorbehaltlich des finalen Beschlusses von Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung Mitte Dezember bereits im nächsten Frühjahr stehen soll: „Die künftige Komplementärin, die KWS SE, übernimmt die Geschäftsführung und die strategische Steuerung, und zwar weitgehend losgelöst von den Eigentumsverhältnissen der Aktionäre in der Kommanditgesellschaft“, sagt von der Wense.

In dem neuen Konstrukt kann die KWS also auch künftig ihr Eigenkapital über die Ausgabe von frischen Aktien erhöhen. Würden die heutigen Großaktionäre sich daran nicht oder nur in geringem Umfang beteiligen, bliebe ihr Einfluss aber darüber gesichert, dass sie die Mehrheit der Stimmrechte in der Komplementärin haben. Hier warnt der Frankfurter Analyst allerdings davor, dass „der Kapitalmarkt die Sonderstellung von Aktionären grundsätzlich kritisch sieht“, wie er im Gespräch mit agrarzeitung.de erläuterte. „Wir wollen langfristig planen und handeln, und nicht von Quartalsbericht zu Quartalsbericht“, betont von der Wense.

Weiterhin Quartalsberichte

A propos Quartalsberichte: Die wird es auch weiterhin geben. Denn an den Berichts- und Transparenzpflichten der KWS ändert sich durch den Wechsel der Rechtsform nichts, sagt von der Wemse: „Wir bleiben weiterhin im Prime Standard der Deutschen Börse und haben somit auch die gleichen Berichtspflichten wie bisher“.

Eine größere Transaktion wollte KWS zwar jüngst vornehmen, zog aber den Kürzeren gegen einen Wettbewerber. Die Einbecker hatten für die Gemüsesaatgut-Sparte der Bayer AG geboten, welche die Leverkusener im Zuge der Monsanto-Übernahme aus kartellrechtlichen Gründen veräußern mussten. Den Zuschlag bekam am Ende BASF. „Ergibt sich in Zukunft noch einmal eine solche Gelegenheit, wären wir unter dem neuen Konstrukt bestens dafür gerüstet“, ist sich von der Wemse sicher.

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