OECD FAO Outlook

Am Weltmarkt ist die große Sause vorbei

Eine steigende Weltbevölkerung will mehr essen. EU-Anbieter haben aber nur in wenigen Märkten Chancen. Warum die Europäer abgehängt werden, analysiert eine neue Studie.

 

In den kommenden zehn Jahren wird die globale Nachfrage nach Agrarprodukten weiter steigen, aber längst nicht mehr in dem Tempo der zurückliegenden Dekade. Ein Beispiel: während die Weltweizennachfrage bislang um jährlich 4 Prozent zugelegt hat, soll es künftig nur noch ein halbes Prozent sein, prognostizieren OECD und die FAO in ihrem gemeinsamen Outlook 2018 bis 2027. Auch in anderen Sektoren sieht es eher mau aus. Deswegen gibt es auch nirgendwo Anzeichen für nachhaltig steigende Weltmarktpreise für die Agrarrohstoffe. Durch die Bank gilt: Die Preise steigen bis 2027 nominal nur leicht, real sinken sie sogar etwas. Diese Trendaussage beruht allerdings auf Durchschnittsernten.

FAO und OECD basieren ihre Prognose auf eine eingehende Analyse der Regionen und Produkte. Für die deutschen Landwirte relevant ist, dass ihnen zum einen Absatzmärkte wegbrechen können, zum anderen Wettbewerber erstarken:

Trends an wichtigen Absatzmärkten

  • Länder südlich der Sahara: Hier wird die landwirtschaftliche Produktion im kommenden Jahrzehnt kräftig wachsen. Dennoch bleibt in der Region Importbedarf, der aber nicht mehr so schnell ansteigt wie bisher.
  • China: Noch wichtiger für deutsche Exporteure ist die Entwicklung in China. Dort wachsen zwar die Ansprüche an die Nachhaltigkeit der Produktion. Dennoch wird die Volksrepublik die Erzeugung steigern und noch mehr als bisher auf die Selbstversorgung setzen.
  • Naher Osten und Nordafrika: Hier wird der Importbedarf zwar sehr hoch bleiben, aber die Region sucht nach eigener landwirtschaftlicher Wertschöpfung. FAO und OECD können sich eine stärkere regionale Produktion von Fleisch und Milchprodukten hauptsächlich in Iran und Ägypten vorstellen.

Konkurrenz: Russland und die Ukraine geben Gas

Spüren werden die Westeuropäer zunehmenden Angebotsdruck aus Russland und der Ukraine. Die Analysten von FAO und OECD rechnen damit, dass in allen Ländern Osteuropas und Zentralasiens die Investitionen in die Modernisierung der Landwirtschaft rasch zunehmen werden. Das bedeutet: weiterhin mehr Getreide und mehr Fleisch. Das heißt auch: Russland wird auch künftig  – in Jahren ohne Wetterextreme – wohl die Liste der Weizenexportländer anführen. Lediglich der russischen Milcherzeugung räumen die Experten kaum Chancen für nennenswertes Wachstum ein.

Die „Butterblase“ wird platzen

Wenige Wettbewerber zeigen Schwächen. Dazu zählen Neuseeland und Australien. Dort rechnen FAO und OECD in ihrem Outlook wegen Umweltauflagen  mit einer Verlangsamung der Milchproduktion. Hier könnte Westeuropa noch in Lücken stoßen und die EU ihren Weltmarktanteil sogar ausbauen. Allerdings wird die „Butterblase“ aus dem Jahr 2017 allmählich platzen. Käse ist aber nach wie vor in zunehmenden Mengen gefragt.

Themen:
OECD FAO Outlook

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats