World Energy Outlook

Ölpreis steigt nur langsam

Die Erneuerbaren Energien sind nach Ansicht der Internationalen Energie Agentur (IAE) weiter auf dem Vormarsch. Fast die Hälfte der 2014 weltweit neu installierten Kapazität für die Stromerzeugung stamme aus erneuerbaren Quellen, stellt die IEA in ihrem World Energy Outlook 2015 fest. Aus der Analyse der Daten für das vergangene Jahr habe es zudem erstmals Hinweise gegeben, „dass der Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und der wirtschaftlichen Entwicklung, der bisher als vorhersehbar galt, nicht mehr in dieser Form besteht.“

Förderung in den USA beeinflusst Ölpreis

Beim Ölpreis erwartet die IEA nach dem jüngsten Preisverfall bis 2020 ein Anstieg auf 80 US-$ pro Barrel. Das Produktionswachstum in den OPEC-Ländern werde von dem Iran und dem Irak angeführt. Einen entscheidenden Einfluss auf den globalen Ölmarkt werden die unkonventionellen Förderquellen in den USA behalten. Der kurze Investitionszyklus für Tight-oil und seine Fähigkeit, schnell auf Preissignale zu reagieren, verändere die Art wie Ölmarkte arbeiten, stellt die IEA fest. Die Intensität, mit der die Tight-oil Ressource in den USA erschlossen wird, treibe die Kosten jedoch letztendlich in die Höhe. Kurzfristig werde die US-Produktion ins Wanken geraten, mit steigenden Preisen werde sie aber ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Anfang der 2020er Jahre werde die US-Produktion ihren Höhepunkt erreichen und dann langsam abnehmen.

Erdgasnachfrage wächst rasant - Kohle vor Wende

Erdgas wird mit einem Anstieg von fast 50 Prozent der am schnellsten wachsende fossile Brennstoff sein. Der langfristige Nachfrageanstieg werde jedoch durch Effizienzmaßnahmen eingeschränkt, vor allem im Gebäudesektor, sowie durch den Wettbewerb durch erneuerbare Energie und Kohle in der Stromerzeugung. Der Kohle stehe dagegen eine „Schicksalswende“ bevor. Laut Berechnungen der IEA deckt der Brennstoff, der in den letzten zehn Jahren 45 Prozent des globalen Energienachfragewachstums, bis 2040 werden es nur noch weitere 10 Prozent sein. Dies beruht vor allem auf einer Verdreifachung des Kohlebedarfs in Indien und Südostasien während in China ein „unberechenbarer Faktor“ auf dem Kohlemarkt sein wird. Bei Thema Treibhausgase ist die IEA pessimistisch. Die heute geltenden energiepolitischen Rahmenbedingungen führten zwar zu einem langsameren Anstieg der CO2-Emissionen im Zusammenhang mit der Energieerzeugung, aber nicht zur vollständigen Trennung von Wirtschaftswachstum und absoluter Emissionsabnahme, die zur Erreichung des 2 Grad-Ziels erforderlich wären.

China wird größter Ölverbraucher

Ein Grund dafür ist, dass der gesamte globale Energiebedarf bis 2014 um ein Drittel steigen wird, vor allem in Indien, China, Afrika, dem Nahen Osten und Südostasien. Beeinflusst werde die weitere Entwicklung vor allem von China und Indien. China bleibe mit Abstand der größte Produzent und Verbraucher von Kohle, doch das Land stellt auch eine größere Stromerzeugungskapazität aus erneuerbaren Energien als jedes andere Land bereit. Bis 2030 werde China die USA als größter Ölverbraucher ablösen und einen größeren Erdgasmarkt als die EU aufweisen. Strukturelle Änderungen in der Wirtschaft, die ein Wachstum des Dienstleistungssektors anstelle der Schwerindustrie begünstigen, bedeuten jedoch, dass 85 Prozent weniger Energie nötig ist um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben als es in den letzten 25 Jahren der Fall war. Effizienzverbesserungen und ein groß angelegter Ausbau der Wind-, Solar-, Wasser- und Kernenergie führen zu einer Abflachung und letztendlich zu einem Höchstwert der CO2-Emissionen Chinas um 2030, prognostiziert die IEA.

Indien setzt auf Kohle und Kernkraft

Einen Schwerpunkt der diesjährigen Analyse bildet Indien, wo 16 Prozent der Weltbevölkerung leben, aber nur 6 Prozent der Energie verbraucht werden. Ein Fünftel der Einwohner (240 Millionen Menschen) ist immer noch von der Stromversorgung abgeschnitten. Die IEA rechnet mit einem dauerhaft schnellen Wachstum des Energieverbrauchs, der vor allem durch Kohle gedeckt wird. Der Ölbedarf steige mehr als in jedem anderen Land und werde 2014 nahezu 10 Millionen Barrel/Tag betragen. Indien steigert zudem den Ausbau kohlenstoffarmer Technologien. Dabei sei jedoch unklar, mit welcher Geschwindigkeit neue große Dämme oder Kernkraftwerke gebaut werden können. Der zugesagte Anteil von 40 Prozent der Stromerzeugungskapazität aus nichtfossilen Quellen bis 2030 sei daher stark von der Solar- und Windenergie abhängig. (SB)
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