Online-Lebensmittelhandel

In Deutschland kurz vor dem Durchbruch


Am Lebensmittelhandel ging der Onlineboom bislang relativ spurlos vorbei. Das wird sich ändern: Über 40 Prozent der deutschen Konsumenten planen, in den kommenden zwölf Monaten Lebensmittel online einzukaufen. 15 Prozent bestellen bereits mehr als die Hälfte ihrer Lebensmittel online.

Damit steht der Online-Lebensmittelmarkt in Deutschland vor dem Durchbruch. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung von 1.000 deutschen Konsumenten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Experten gehen mittelfristig von einem Anteil von zehn Prozent des Online-Lebensmittelhandels am gesamten Lebensmittelmarkt aus. "Diese Entwicklung hat weitreichende Konsequenzen für die etablierten Marktteilnehmer: Der Wechsel des Einkaufskanals von offline zu online birgt die Gefahr, dass die Kunden dadurch auch den Händler insgesamt wechseln“, kommentiert Gerd Bovensiepen, Leiter des Fachbereichs Handel und Konsumgüter bei PwC in Deutschland und EMEA. Die bestehenden Händler sollten ihren Vorsprung nutzen und sich bereits jetzt auf dem Onlinemarkt für Lebensmittel positionieren. Noch ist der Online-Lebensmittelhandel nicht profitabel, dennoch ist er laut PwC ein wichtiger Schritt für die Zukunft. 

Etablierte Händler genießen Vertrauensvorsprung

Noch profitieren die etablierten Händler von dem langjährig aufgebauten Vertrauen ihrer Kunden: Entscheiden sich die Konsumenten für den Onlinekauf von frischen Lebensmitteln, würden sie dafür den Onlineshop ihres gewohnten Lebensmittelhändlers (35 Prozent) bevorzugen oder das Online-Angebot ihres Discounters (24 Prozent) nutzen. Bei Onlineshops, die neu im Markt sind, würde nur einer von 100 Befragten seine frischen Lebensmittel bestellen, heißt es weiter.

Technikaffine Konsumenten stehen dem Onlinekauf von Lebensmitteln besonders offen gegenüber: 82 Prozent der Voice-Commerce-Nutzer – also Konsumenten, die auf intelligente Assistenzsysteme wie beispielsweise Amazon Alexa, Google Home & Co. setzen – wollen in den kommenden 12 Monaten ihre Lebensmittel online einkaufen. Bieten etablierte Händler diesen Nutzern keine adäquate Lösung, werden diese Kunden womöglich abwandern oder automatisch zu anderen Anbietern geleitet werden. 

Der typische Online-Lebensmittelkäufer arbeitet Vollzeit

Abhängig vom Alter, Beschäftigungsverhältnis, Geschlecht und Einkommen gibt es große Unterschiede in der Präferenz für den Online-Einkauf von Lebensmitteln: Mehr als die Hälfte der Käufer arbeitet Vollzeit. In der Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren ist der Anteil der Onlinekäufer mit rund einem Drittel am höchsten. Zudem kaufen bevorzugt Gutverdiener mit Einkommen ab 50.000 € im Jahr Lebensmittel online.

Gut 60 Prozent der befragten Verbraucher beziehen haltbare Lebensmittel wie Pasta oder Müsli online, während sie bei frischen Waren noch zurückhaltend sind. Besonders wichtig beim Online-Einkauf von frischen Lebensmitteln sind den Verbrauchern die Höhe der Versandkosten, wie 79 Prozent der Befragten angaben, fast ebenso wichtig ist eine geringe Vorlaufzeit für die Lieferung. Zudem spielt eine zentrale Rolle, dass online das gleiche Preisniveau gilt wie im stationären Handel.

„Um im Wettbewerb um Markanteile im boomenden Online-Lebensmittelmarkt zu bestehen, müssen die etablierten Händler den Trumpf ihrer Distributionsexpertise im Frischebereich ausspielen“, so das Fazit von Gerd Bovensiepen.

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