Online-Plattform

Drei Agrarhändler bündeln ihre Kräfte


Die Digitalisierung im Agrarhandel gewinnt an Schwung: Die Initiative von ATR, Baywa und Getreide AG ist das jüngste Beispiel.
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Die Digitalisierung im Agrarhandel gewinnt an Schwung: Die Initiative von ATR, Baywa und Getreide AG ist das jüngste Beispiel.

Mehr Markttransparenz sowie effizientere und standardisierte Prozesse: Das wollen drei Wettbewerber aus dem Norden und Süden mit dem Aufbau einer gemeinsamen Handelsplattform erreichen. Eine Testphase startet zur Ernte 2019.

 

Eine händlerübergreifende, digitale Handels- und Abwicklungsplattform für Agrarrohstoffe aufbauen: Das haben sich die drei großen Spieler aus dem Agrarhandel vorgenommen. Die Baywa AG aus München, die Getreide AG mit Sitz in Hamburg und ATR aus Ratzeburg starten diese Brancheninitiative, um „eine digitale Infrastruktur zu schaffen, die sämtlichen Marktteilnehmern offen steht“, gaben die drei Partner jetzt bekannt. Alle drei Unternehmen sind als Finanzgeber gleichberechtigt in dem Projekt engagiert. Durch die Plattform solle die „Markttransparenz erhöht“ werden. Außerdem hoffen die Unternehmen, „einen Beitrag zur Standardisierung von Prozessen“ rund um den Getreidehandel zu leisten.

Große Volumina im Blick

Die drei Partner nutzen für ihre Initiative die IT-Infrastruktur der unamera GmbH. Seit 2016 betreibt das Start-up bereits auf unamera.com eine Internet-Plattform zum Handel mit brauereiwirtschaftlichen Rohstoffen, insbesondere Braugerste, Braumalz und Hopfenprodukte. Im Rahmen der neuen Brancheninitiative wollen ATR, Baywa und Getreide AG das junge Unternehmen unterstützen und die Produktpalette breiter aufstellen, damit größere Handelsvolumina möglich werden.

Nach Angaben des Konsortiums soll die Plattform für Agrarrohstoffe sowie weiterverarbeitete Produkte in Deutschland geöffnet werden. Starten soll der Handel zunächst mit Weizen und Gerste, teilte unamera weiter mit. Die Plattform richtet sich nach Angaben der drei Unternehmen insbesondere an Landwirte und die verarbeitende Industrie wie Getreidemühlen und Futtermittelhersteller. Ein erster Test des digitalen Angebots mit ausgewählten Teilnehmern sei bereits für die Ernte 2019 geplant. Dieser Testlauf umfasst den Handel erster Mengen über die Online-Plattform. Dieses Vorgehen dient nach Angaben des Dreier-Konsortiums dazu, den Prozess sowie die Abwicklung auf unamera.com zu evaluieren.

Automatisierte Dokumentation

Die Handelsplattform unamera.com soll allen Marktteilnehmern den Zugang zu einem breiteren Netzwerk an Handelspartnern ermöglichen. Die Integration von Logistik und Abwicklung soll nach Einschätzung der Teilnehmer der Initiative zu „kosteneffizienteren Prozessen“ führen. Eine automatisierte Dokumentation der Warenströme werde die gebotene Rückverfolgbarkeit der gehandelten Produkte ermöglichen.

„Die Digitalisierung eröffnet bei der Vermarktung von Agrarerzeugnissen ganz neue Möglichkeiten: Handelspartner sind nur noch einen Mausklick oder, mobil auf dem Smartphone, ein Fingertippen entfernt“, sagt unamera-Geschäftsführer Dr. Ronny Kunz. Mit dem Konsortium habe unamera „drei führende Agrarhändler gewonnen, um dieses noch recht junge Thema im deutschen Landhandel zu etablieren.“ Dabei will unamera sich künftig auch international aufstellen: „ Perspektivisch ist eine Ausweitung auf Europa möglich“, so Kunz.

Kombinierte Marktmacht bringt Liquidität

Für Baywa-Chef Klaus Josef Lutz kommt die Plattform den Bedürfnissen heutiger und künftiger Generationen von Landwirten entgegen, die „sehr stark digital unterwegs“ seien: „Sie erwarten von ihrem Landhändler somit auch eine große digitale Leistungsfähigkeit. Dazu trägt diese neue Plattform bei.“ Peter Carsten Ehlers, Finanzvorstand der Getreide AG, sieht den Vorteil in dem händlerübergreifenden Ansatz darin, dass so eine breite Vielfalt an Produkten und ein hohes Volumen auf die Plattform gezogen würden, sich also ein liquider Markt bilden kann: „Das erreichen wir am schnellsten, wenn wir händlerübergreifend arbeiten, anstatt jeder für sich an Insellösungen“, so Ehlers. „Die herkömmlichen Handelskanäle zwischen Landwirt, Handel und Industrie werden in Zukunft durch digitale Handelsplattformen ergänzt. Zum Nutzen unserer Kunden wollen wir hier gestalten und frühzeitig Weichen stellen“, begründet Ludwig Striewe, Geschäftsführer der ATR Landhandel Gruppe, sein Engagement.

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