Ohne Behandlung nehmen die Kartoffeln im Lager Schaden (rechts unbehandelte Kontrolle, links behandelt mit 20ml/t 1,4-Sight)
Bild: Belchim
Ohne Behandlung nehmen die Kartoffeln im Lager Schaden (rechts unbehandelte Kontrolle, links behandelt mit 20ml/t 1,4-Sight)

Die Zulassung für den Wirkstoff Chlorpropham (CPIC) ist nicht erneuert worden. Damit geht Kartoffelerzeugern ein wichtiger Baustein in der Keimhemmung bei der Lagerhaltung verloren. Belchim hat eine Alternative entwickelt.

Neben dem Ertrag spielt die Qualität der Kartoffel eine entscheidende Rolle. Diese wird bereits während der Wachstumsphase sowie während der Ernte maßgeblich beeinflusst. Daher kommt es nach der Einlagerung auf die Qualitätserhaltung im Lager an. Ein Masse- beziehungsweise Qualitätsverlust sollte mit den verfügbaren Mitteln und dem entsprechenden Lagermanagement möglichst verhindert werden. Bedeutend sind hierbei Mechanismen, welche die Keimung der Kartoffel während der Lagerung unterdrücken.

Eine gründliche Reinigung von Rückständen ist zwingend

Bisher basieren die meisten Keimhemmungsverfahren auf dem Wirkstoff Chlorpropham (CIPC). Die Europäische Kommission hat dessen Zulassung aber nicht erneuert, sodass die Genehmigung mit dem 8. Juli 2019 ausgelaufen ist, Bestände aber noch bis zum 8. Oktober 2020 aufgebraucht werden dürfen. Nach Ablauf der Aufbrauchfrist reduziert sich auch der Rückstandshöchstgehalt (RHG) von CIPC auf 0,01 mg/kg organischer Substanz.

Diese Reduzierung stellt Lagerhalter vor Probleme. Denn der RHG-Wert ist in behandelten Lagerräumen nicht einzuhalten, da der Wirkstoff sehr schnell und sehr intensiv auch in viele Baustoffe eindringt. Somit sind behandelte Lagerräume nicht automatisch nach Beendigung der Behandlung rückstandsfrei, sondern können eine Zeitlang die Lagerkartoffeln kontaminieren. Der RHG von 0,01 mg/kg steht bereits in der Diskussion und soll eventuell angepasst werden, um die Verfügbarkeit von Lagerkartoffeln ab 2020 nicht zu gefährden.

Die deutschen Kartoffelverbände empfehlen schon in diesem Jahr eine gründliche Reinigung aller mit CIPC behandelten Lagerräume. Allerdings befindet sich CIPC auch an schwer zugänglichen Stellen wie zum Beispiel in Verdampfern oder maschinellen Kühlungen. Dessen Rückstände können auch noch Jahre nach der Anwendung bestehen bleiben.

Durch den Wegfall von CIPC, muss der Anwender in seinem bisherigen Keimhemmungsverfahren umdenken. Viele Betriebe setzen bereits auf eine Feldapplikation mit Maleinsäurehydrazid, das beispielsweise in Himalaya 60 WG enthalten ist. Andere alternative Keimhemmungsverfahren mit ätherischen Ölen wie Pfefferminze und Kümmel oder der Einsatz von Ethylen werden ebenfalls diskutiert. Jedoch gibt es bei diesen Verfahren einige Einschränkungen: So werden beispielsweise nur Teile der Lagerzeit abgedeckt oder die Backfarbe verändert sich.

Knolleneigener Stoff als wirkungsvolle Alternative

In Deutschland ist mit 1,4-Sight der neue Wirkstoff 1,4-Dimethylnaphthalin (DMN) zur Keimhemmung in Kartoffeln zugelassen. Hierbei handelt es sich um einen knolleneigenen Stoff.

Dieser wird nach der Heißvernebelung von der Kartoffel aufgenommen und in der Schale angereichert. Die Konzentration von DMN nimmt im Verlaufe der Lagerung ab, bis die Kartoffel zu keimen beginnt. Das ist ein umkehrbarer Prozess. Durch Folgeanwendungen wird der notwendige Gehalt von DMN immer wieder auf ein für die Keimruhe ausreichendes Niveau angehoben.

Weniger Frischluft durch reduzierten Stoffwechsel

Anders als bei CIPC wird der Keimling nicht nach einem Keimentwicklungsprozess abgetötet. Somit fördert 1,4-Sight die Entstehung keimruhefördernder Proteine, hemmt die Produktion von Wachstumshormonen, hält die Kartoffeln damit in der Keimruhe und die Keimhemmung beginnt bereits vor der Keimentwicklung. Neben dem frühen Eingriff in der Keimentwicklungsphase wird gleichermaßen in den Stoffwechsel beziehungsweise die Atmung sowie in die Aufrechterhaltung des Tugordruckes der Zellen eingegriffen. Durch die geringere Atmung wird der Bedarf für Erfrischungsbelüftungen reduziert.

Ware muss nicht mehr gekennzeichnet werden

Insgesamt entstehen deutlich weniger Masseverluste und Druckstellen. Behandelte Kartoffeln haben eine bessere äußere Qualität. Es tritt keine Beeinträchtigung der Backfarbe oder des Geschmacks auf und die bei CIPC-Verfahren notwendige Kennzeichnung der Ware "Nach der Ernte behandelt" entfällt. Die Wartezeit nach der Anwendung beträgt 30 Tage. 1,4-Sight ist momentan nur für den Einsatz in Konsum- und Verarbeitungskartoffeln zugelassen. Alles in allem stellt DMN im Zusammenhang mit der Diskussion um Qualität und Rückstände eine wichtige Alternative zu CIPC im Bereich des Lagermanagements im Kartoffelbau und seiner Vermarktung dar.

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