Ohne Spaten gehen Marc Deilmann (l.) und Dr. Ulrich Koch nicht auf den Acker. So überwachen die beiden SGL-Berater das Bodenleben.
Bild: SGL
Ohne Spaten gehen Marc Deilmann (l.) und Dr. Ulrich Koch nicht auf den Acker. So überwachen die beiden SGL-Berater das Bodenleben.

Traditionelle Spritzfolgen stoßen an Grenzen. Pflanzenschutzmaßnahmen müssen im ackerbaulichen System überdacht und sinnvoll integriert werden. Humusaufbau ist Pflicht.

Der Landwirtschaft werden zunehmend Grenzen aufgezeigt, ob natürlicher oder politischer Art. Dazu zählen ein sich wandelndes Klima mit Wetterextremen, die öffentliche Kritik an Düngung und Pflanzenschutz oder knapper werdende Ressourcen. Lösungen sind gefragt, um nicht in einen Kampf gegen Windmühlen zu geraten. Denn der schleichende Wegfall von Wirkstoffen im Pflanzenschutz, die strengeren Restriktionen in der Düngung und auch die stagnierenden Erträge stellen die Landwirte vor große Herausforderungen.

Die SGL GmbH aus dem rheinischen Erftstadt hat bereits vor einigen Jahren damit begonnen, die einzelnen ackerbaulichen Bausteine nicht mehr isoliert in ihrer Wirkung zu betrachten, sondern sinnvoll in einem dynamisch-systemischen Ansatz miteinander zu verknüpfen und großflächig in die Landwirtschaft zu integrieren. Betriebe brauchen mehr denn je individuelle und integrierte Lösungen. Hier kann ein Agrarhandelsunternehmen wie SGL wesentlich unkonventionellere, aber umso effektivere Lösungen entwickeln als die Industrie, die auf ihre jeweiligen Produktschwerpunkte fokussiert ist.

Landwirte müssen ihre Ressourcen schonen

Es geht darum, den Einsatz von Betriebsmitteln so weit wie möglich zu senken und gleichzeitig wesentlich schonender als bisher mit den Ressourcen umzugehen. Viele Landwirte haben über Jahrzehnte vor allem den Boden zu sehr aus den Augen verloren und dem Humusgehalt zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Natürlich weiß jeder Landwirt, dass Humus in allen Bodenarten von entscheidender Bedeutung ist. So werden Sandböden fruchtbarer, Lehmböden flexibler und Tonböden geschmeidiger. Viel ließ sich bisher jedoch mit Düngung und Bodenbearbeitung ausgleichen. Doch mit den Wetterextremen der vergangenen Jahre ist eine weitere wichtige Funktion in den Vordergrund gerückt. Humus speichert Wasser. Mit einem Prozent mehr Humus im Boden stehen der Pflanze 40 Liter pro Quadratmeter mehr Wasser zur Verfügung.

Deswegen muss bei allen ackerbaulichen Überlegungen der Humusaufbau am Anfang stehen. Hier spielt die Bodenbiologie die entscheidende Rolle. Durch die gezielte Förderung des Bodenlebens wird atmosphärischer Kohlenstoff in Humus eingebaut. Von Pflanzen produzierte Kohlenhydrate werden im Boden gespeichert und gleichzeitig wieder an die Pflanze zurückgegeben. So kann die Landwirtschaft durch Humusaufbau fit für die Zukunft werden, mit weniger Betriebsmitteln ein hohes und gesundes Ertragsniveau halten und parallel einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zum Klimawandel leisten.

Die SGL analysiert deswegen in ihrer Beratung – nach dem Motto ‚back to the roots‘ – regelmäßig den Boden und sucht dort nach den Ursachen, warum Pflanzen krank werden, Mangelerscheinungen zeigen oder schwache Erträge bringen. Dazu gehört auch die Frage, ob die Anbaupraxis noch zu einem sich wandelnden Klima passt.

Der Boden ist aber zunächst einmal eine ‚Blackbox‘. Um einen Einblick in das Bodenleben und die Bodenfruchtbarkeit zu gewinnen, sind alternative Untersuchungsmethoden notwendig. SGL hat sich für die Albrecht-Kinsey-Methode entschieden, bei der Nährstoffverhältnisse und die Fähigkeit von Böden, Nährstoffe zu speichern und an die Bodenlösung abzugeben, im Mittelpunkt stehen. Wenn Landwirte über schwache Qualitäten und unbefriedigende Erträge berichten, kann beispielsweise Schwefelmangel im Boden der Grund sein. Eine Schwefelgabe steigert die Effizienz der Stickstoffumwandlung, erhöht die Rohproteinbildung, ist zentraler Baustein von Aminosäuren und ernährt Mikroorganismen im Boden.

Wurzelausscheidungen dienen als Nahrung

Häufig spielen inhomogene Böden mit schwankender Nachlieferung und Speicherung von Nährstoffen eine entscheidende Rolle bei der Ertragsstagnation. In diesem Fall hilft es, wenn Landwirte ausgewogene Zwischenfruchtmischungen anlegen. Sie stärken über ihre Wurzelausscheidungen das Bodenleben und stabilisieren durch verschiedene Durchwurzelungstiefen die Bodenstruktur.

Ein weiterer Zeitpunkt, um Einfluss auf die Erträge und die Gesundheit der Pflanzen zu nehmen, ist die Aussaat. Um der Saat von Anfang an einen optimalen Start zu bereiten, ist die Anbeizung von ausgewählten Nährstoffen zur Vergrößerung des Wurzelsystems ein wichtiger Baustein im System. So schaffen es die Pflanzen besser, Trockenphasen zu überstehen und haben eine größere Konkurrenzkraft.

Milchsäurebakterien verstärken die Wirkung von Fungiziden

Auch im chemischen Pflanzenschutz ist ein wesentlich individuellerer und integrierter Ansatz erforderlich. Zunehmende Resistenzen und steigende Krankheitsanfälligkeit machen einen gezielten Einsatz der noch verfügbaren chemischen Wirkstoffe wichtiger denn je. Mit einer der Situation angepassten Kombination von Additiven und Mikronährstoffen lässt sich der Pflanzenschutz sinnvoll ergänzen, manchmal sogar substituieren. Die Versuche von SGL zeigen, dass sich die Wirkung von Fungiziden mittels Milchsäurebakterien sowie Acetat- und Sulfatformulierungen sichtbar verstärken lässt.

So wie eine umfassende Bodenanalyse immer am Anfang des Anbauzyklus stehen sollte, spielt die Blattanalyse innerhalb der Vegetationszeit ebenfalls eine entscheidende Rolle. Sie erlaubt über die Analyse der Nährstoffkonzentration im Pflanzensaft Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand.

Die SGL untermauert ihrer Beratungsempfehlungen mit Ergebnissen aus den umfangreichen Feldversuchen an den Standorten im rheinischen Erftstadt sowie im in der Magdeburger Börde gelegenen Üplingen.

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