Pflanzenschutz

Jedes siebte Pflanzenschutzmittel ist gefälscht

Experten sehen in illegalem PSM-Handel ein wachsendes globales Problem. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Der Internethandel soll stärker kontrolliert werden.

Der Handel mit illegalen Pflanzenschutzmitteln ist nach Einschätzung von Europol einer der am schnellsten wachsenden Bereiche der organisierten Kriminalität in der Europäischen Union. Nach EU-Schätzungen waren im Jahr 2017 rund 14 Prozent der in der EU gehandelten Pflanzenschutzmittel gefälscht – dies entspricht einem Marktvolumen von rund 1,3 Milliarden Euro. Der weltweite Anteil illegaler Mittel am Gesamtmarkt für Pflanzenschutzmittel wird auf jährlich über sechs Milliarden Euro geschätzt. „Wir haben es hier mit einer Form der organisierten Kriminalität zu tun, die globale Lieferketten entwickelt hat und weltweit agiert“, umriss BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky in dieser Woche in Braunschweig vor rund 80 Branchenexperten.  

Kontrollen harmonisieren

Um diesen illegalen Handel entschieden zu bekämpfen, seien ein umfassender Ansatz und interdisziplinäre, internationale Kooperationen gefordert. Immer mehr Pflanzenschutzmittel würden im Internet gehandelt, was die Kontrolle aufgrund mangelnder Proben erschwere. Tschiersky kündigte deshalb an, das BVL werde seine Expertise bei der Überwachung des Internethandels mit Lebensmitteln in Zukunft auf den Handel mit Pflanzenschutzmitteln ausweiten. Für ein entsprechendes Projekt soll in naher Zukunft eine Vereinbarung mit den Bundesländern abgeschlossen werden. Dieser Vorstoß wird auch vom Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt. Um die Überwachungsbehörden zu unterstützen, hat das BVL bereits im Jahr 2013 eine Task Force gegründet. Im Rahmen der Marktkontrolle suchen die Pflanzenschutzdienste der Bundesländer aktiv nach illegalen Pflanzenschutzmitteln und verhängen Ordnungsmaßnahmen, zum Beispiel Bußgelder. Seit dem Jahr 2004 hat das BVL in Folge des Missbrauchs 47 Genehmigungen für den Parallelhandel widerrufen.

Hoffnungen setzten die Experten in die neue EU-Kontrollverordnung 2017/625, die bis Ende 2019 umgesetzt werden muss. Diese sieht erstmals klare Regelungen für die Kontrolle des Handels und der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vor. In vielen EU-Staaten wie Deutschland gibt es auch bislang schon derartige Kontrollen. Diese werden nun EU-weit harmonisiert.

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  1. Joachim Kalberlah
    Erstellt 12. November 2018 08:10 | Permanent-Link

    Gut, dass das BVL hier aktiv wird. Die Branche ist relativ übersichtlich und so sollte es nicht so schwer sein die "schwarzen Schafe" schnell ausfindig zu machen. Auf Pressemitteilungen wie in der Tierhaltung können wir verzichten.

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