Die Kohlwanze richtet durch Saugen großen Schaden an.
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Die Kohlwanze richtet durch Saugen großen Schaden an.

Zur Rapsernte ist in diesem Jahr besonders im Norden Deutschlands ein hoher Befall der Kohlwanze aufgetreten. Eine Mittelzulassung zur Bekämpfung des Sekundärschädlings gibt es im Rapsanbau nicht.

Die Kohlwanze ist als Schädling im Kohlgemüseanbau seit Jahren bekannt und tritt auch an Raps regelmäßig auf. Allerdings verursacht sie dort keine direkten Schäden, sodass die Kohlwanze nicht als Schädling im Rapsanbau geführt wird. Ackerbaubetriebe in Brandenburg und Schleswig-Holstein berichten nach der Ernte, dass es zu einem massiven Befall von Kohlwanzen gekommen ist. Der Drusch war schwierig, weil die Käfer und ihre Larvenstadien die Bänder verschmierten und eine mehrmalige Reinigung erforderlich machten. Probleme bereitet des Weiteren den Landwirten die Lagerung. Auf mechanischem Weg versuchen sie, die Käfer vor der Einlagerung auszu sortieren.

Bisher ist die Kohlwanze besonders im Süden Deutschlands anzutreffen. Dort durchläuft sie zwei Generationen, wobei im Norden bisher nur eine Generation bekannt ist. Eine Erklärung über das häufige Auftreten der Wanze in diesem Jahr geben Wissenschaftler am Julius-Kühn-Institut in Braunschweig. Durch die Hitze im Vorjahr ist eine zweite Generation möglich geworden. Damit ist die Population von Kohlwanzen gestiegen. Im darauffolgenden Jahr werden bevorzugt in Kreuzblütlern wie Raps die Eier abgelegt. Aufgrund der diesjährigen frühen Ernte von Raps könnte es durchaus der Fall sein, dass die Larvenentwicklung noch nicht vollständig durchlaufen war und sich daher viele Tiere im Erntegut befinden.

Kohlwanzen "ins Licht gehen" lassen

Die Saugschäden der adulten Tiere führen in Winterraps zu keinen Ertragseinbußen. Im Kohlgemüseanbau und auch bei Sommerraps entstehen durch die Saugtätigkeit der Wanzen helle Flecken um die Einstichstellen herum, die Blätter verkrüppeln, das Wachstum der Pflanze wird gehemmt und bei sehr starkem Befall können die Pflanzen sogar absterben. Eine Insektizidspritzung ist gegen die Kohlwanze in Raps nicht zugelassen, wobei eine gewisse Wirkung einer Blütenspritzung auch gegen die Kohlwanze erwartet werden darf. Nur für den Gemüseanbau gibt es Mittel gegen die Kohlwanze. Experten empfehlen, die mit Raps gefüllten Silos bei gutem Wetter nach oben hin zu öffnen. Die meisten Tiere befinden sich auf dem Rapsberg und reagieren wahrscheinlich wie viele Insekten phototaktisch – das heißt, die Kohlwanzen werden "ins Licht gehen" und aus dem Lager weichen.

Weitaus bekannter ist das Auftreten von Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke während der Schotenbildung. Bei gemeinsamem Auftreten können Ertragsverluste bis zu 50 Prozent auftreten. Die Larven der Kohlschotenmücke fressen an den Schotenwänden beim Raps. Dadurch fallen bei der Ernte die Rapskörner vorzeitig aus und das 1 000-Korn-Gewicht reduziert sich.

Über ein größeres Auftreten der Kohlwanze berichten Marktteilnehmer in Großbritannien. Die Ertragseinbußen seien dort enorm. Die Rapsernte sei mit 1,75 bis 1,8 Mio. t unter den erwarteten 2 Mio. t geblieben. Die deutsche Rapsernte ist nach der Ernteschätzung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) auf 2,8 Mio. t gesunken. Damit wurde das mehrjährige Mittel um 47 Prozent verfehlt. In vielen Regionen mussten Landwirte bis zu drei Spritzungen mit Insektiziden durchführen, um den hohen Befall einzudämmen.

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