Der Spitzsteißige Rübenrüssler mag Wirtspflanzen aller Art, Wasser und nasskalte Witterung hingegen nicht.
Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer
Der Spitzsteißige Rübenrüssler mag Wirtspflanzen aller Art, Wasser und nasskalte Witterung hingegen nicht.

Der Spitzsteißige Rübenrüssler ist verantwortlich für aktuelle Fraßschäden an den Rüben - und nicht der Derbrüssler. Der Wegfall der Neonicotinoide könnte das Auftreten begünstigen. 

Auf manchen Feldern werden aktuell seltsame Fraßschäden an den Rübenblättern festgestellt, die vielleicht an Vogelfraß erinnern. Etwa 30 ha Zuckerrüben wurden in Südwestdeutschland mit ähnlichen Schadbildern umgebrochen, meldet der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer. Schnell wurde mancherorts gemeldet, der aus Österreich bekannte Derbrüssler sei vielleicht die Ursache. Diese Meldungen erwiesen sich zum Glück nach Beobachtung durch Experten der ARGE Zuckerrübe Südwest allesamt als falsch.

Ursache der Schäden ist in Wahrheit der Spitzsteißige Rübenrüssler (Tanymecus palliatus). Jeder fünfte Käfer in Deutschland ist ein Rüssler. Sie sehen oft ähnlich aus. Die Verwechslungsgefahr ist also groß. Der Spitzsteißige Rübenrüssler tritt in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aber auch aktuell zum Beispiel in den neuen Ländern in vielen Naturräumen auf und frisst nahezu alles von Ahorn bis Zuckerrübe, was er vertilgen kann.

Zwischenfrüchte als Wirtspflanzen

Schon Ende der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts in Deutschland oder auch 2003 in Österreich waren die Rübenrüssler bei ähnlicher Witterung wichtige Schädlinge. Das aktuell hohe Vorkommen des Rüsslers ist vermutlich der warmen Herbst- und Winterwitterung und attraktiven Zwischenfrüchten zu verdanken. Außerdem wurde er in der Vergangenheit durch die Neonikotinoide in Zuckerrüben wahrscheinlich unterdrückt. Die ARGE Zuckerrübe Südwest beobachtet den neuen alten Bekannten bereits und versucht die Ursachen des stärkeren Auftretens einzugrenzen. Fest steht, er vermehrt sich besonders gut bei trocken-warmer Witterung.

Nicht mit dem Derbrüssler verwechseln

Wichtige Unterschiede zum gefräßigen Derbrüssler aus Österreich sind das Schadbild und die Vermehrung: Ein befallener Acker kann direkt neben einem schädlingsfreien Acker liegen, und meistens waren bei den bisher geschädigten Flächen Zwischenfrüchte die Vorkultur. Die Felder sind daher oft von der Mitte aus befallen, weniger oder gar nicht am Rand! Das macht die Diagnose für den Landwirt oft schwierig: Vom Weg aus ist der Schaden zunächst kaum erkennbar. Dagegen wandert der Derbrüssler in Österreich aus benachbarten vorjährigen Rübenfeldern ein, wo er sich im Vorjahr vermehrt hat. Der Spitzsteißige Rübenrüssler ist da weniger wählerisch und hat ein breites Wirtspflanzenspektrum – so auch viele Zwischenfruchtarten. Er braucht keine Rüben. Auch Unkraut ist auf befallenen Schlägen durch den Rüssler quasi biologisch komplett bekämpft, da er wirklich nahezu alles vertilgt! Wasser und nasskalte Witterung schaden dem Rüssler dagegen.
Rüssler unter Beobachtung
Schon vor über einem Jahr haben sich Experten in der ARGE Zuckerrübe Südwest zusammengesetzt und die Überwachung sowie Bekämpfung schädlicher Insekten diskutiert. Offizialberatung und die Beratung von ARGE und Südzucker arbeiten eng zusammen. Neben dem bereits aktiven Frühwarnsystem mit 65 Beobachtungsflächen für Blattlausbefall wird jetzt auch das Auftreten neuer oder alter Schädlinge wie des Rüsselkäfers genau verfolgt.

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