Pilotprojekt in Baden-Württemberg

Smart Farming auch für Familienbetriebe


Während des Projekts werden die Landwirte von den Spezialisten der Baywa und ihrer Tochtergesellschaften begleitet: Im Bild Peter Zoll, Baywa-Pflanzenbauberatung (l.), und Joachim Unger, Landwirt aus Langenenslingen.
Bild: Baywa
Während des Projekts werden die Landwirte von den Spezialisten der Baywa und ihrer Tochtergesellschaften begleitet: Im Bild Peter Zoll, Baywa-Pflanzenbauberatung (l.), und Joachim Unger, Landwirt aus Langenenslingen.

Die Baywa AG demonstriert im Südwesten, wie ‚smart‘ sich Nahrungsmittel auf dem Acker herstellen lassen. Im Fokus steht der Einsatz der Technologien in kleinbetrieblichen Agrarstrukturen.

Bei der Frage, ob sich ein Einstieg in Smart Farming lohnt, stehen in der Regel Ertragszuwachs und Betriebsmitteleinsparung im Mittelpunkt – untermauert von verschiedenen Versuchsergebnissen aus der Forschung und der landwirtschaftlichen Praxis. Doch die Frage, wie ein Einstieg in Smart Farming überhaupt erfolgreich gelingen kann, kommt in der generellen Bewertung des Nutzens häufig noch zu kurz.

Unternehmen an der Wachstumsschwelle

Gemeinsam mit zwei württembergischen Landwirten führt die Baywa ein auf mehrere Jahre angelegtes Smart-Farming-Projekt durch. Sie ist damit der einzige Agrarhändler in Deutschland, der die Digitalisierung in der Landwirtschaft disziplinübergreifend einem intensiven Langzeittest unterwirft – explizit aus dem Blickwinkel von Betrieben, die sich an der Wachstumsschwelle befinden.

Ziel des Projekts ist, authentisch abzubilden, wie praktikabel Smart Farming in kleiner strukturierten Regionen aktuell ist und aufbauend auf den Erfahrungen im Projekt gemeinsam mit den Anwendern weiterzuentwickeln.
Bisherige Erkenntnisse
Die praktische Umsetzung von Smart Farming funktioniert auch in kleineren Agrarstrukturen. Sensoren, Satelliten und Software führen zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den natürlichen Gegebenheiten vor Ort. Sensordaten, Satellitenbilder und Algorithmen machen Schwachstellen sichtbar und erleichtern so die Entscheidungsfindung. Damit erweitert Smart Farming auch die Möglichkeiten von Pflanzenbauberatern, auf einen noch effektiveren Einsatz der Betriebsmittel hinzuwirken. Ersetzen wird die Technik den Menschen nicht: Um die Daten in den jahreszeitlich oder standorttypisch bedingten Vegetationsverlauf einzuordnen, braucht es weiter die Erfahrung und das Wissen des Betriebsleiters und Pflanzenbauberaters.

Die beteiligten Landwirte – Jürgen Rüdt aus Ditzingen und Joachim Unger aus Langenenslingen – wirtschaften in Regionen, die über viele kleine Schläge mit einer durchschnittlichen Größe von unter 2 ha verfügen. Der Wunsch, Betriebsmittel effizienter auszubringen, scheitert in der Praxis häufig schon sehr früh an dieser Kleinteiligkeit, weil der Zeit- und Kostenaufwand für erfolgreiches Smart Farming zu hoch erscheinen. Aufgrund des steigenden Kostendrucks bei gleichzeitig wachsenden Auflagen sowie angesichts der Agrarstruktur in Deutschland ist es aber wichtig, dass Smart Farming gerade in kleiner strukturierten Betrieben, die häufig von Familien geführt werden, breite Akzeptanz findet. Es geht darum, den Arbeitsaufwand zu reduzieren, wettbewerbsfähig zu bleiben sowie politische Regularien und gesellschaftliche Anforderungen an eine umweltschonende Landwirtschaft problemlos erfüllen zu können.

GPS und Satelliten kommen zum Einsatz

Seit Herbst 2018 werden nun in den Pilot-Betrieben alle Register gezogen: GPS-gestützte Bodenprobenahme, satellitenbasierte Aussaat, sensorgestützte Stickstoffdüngung, Agrar-Software im Büro. Zudem werden die beiden Betriebsleiter eng von den jeweiligen Spezialisten der Baywa und ihren Tochtergesellschaften FarmFacts und Vista begleitet und beraten. Denn Smart Farming ist nur dann erfolgreich, wenn es sich nahtlos in die Betriebsabläufe integrieren lässt und seine einzelnen Komponenten – Maschinen, Betriebsmittel, Software, Pflanzenbauberatung – konzertiert ineinandergreifen.

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Weitere Artikel zum Thema finden Sie in unserem Report Smart Farming
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Auch muss die jeweilige Smart-Farming-Lösung zum Betrieb passen: Landwirt Unger zum Beispiel testet im Projektverlauf sowohl die sensorgestützte als auch satellitenbasierte Düngung. Beide Technologien haben ihre Vorteile, wie sich auf seinem Betrieb zeigt: Die rein Satelliten-basierte Düngung würde ihm in der Praxis die Anschaffungskosten für einen Sensor ersparen. Bei seinen 120 Einzelschlägen und drei Düngergaben im Jahr müsste sich der Landwirt jedoch die Zeit nehmen, um 360 Applikationskarten zu erstellen, sofern er damit keinen Dienstleister beauftragt, der das für ihn erledigt. Ein Sensor wiederum hat im Vergleich zu Satellitendaten hohe Anschaffungskosten und sollte jährlich gewartet werden, ist dafür aber ohne Vorlauf spontan einsetzbar. Auch das ist vielen Betriebsleitern etwas wert.

Noch ist es für konkrete Aussagen hinsichtlich des Erfolgs zu früh. Die Auswertung der ersten Saison läuft noch. Aber als Zwischenfazit lassen sich bereits heute einige Aussagen treffen (siehe Box).

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