Praxisversuch

Landwirte wollen Ebermast voranbringen


An rund 100.000 Tieren wird gerade die Eberimpfung getestet.
Hans Udry / pixelio.de
An rund 100.000 Tieren wird gerade die Eberimpfung getestet.

Niedersachsens Sauenhalter versuchen sich an der Kastration per Spritze. Das Landvolk ist mit Schlachtern im Gespräch, damit diese geimpften Eber auch wie normale Schlachtschweine abgerechnet werden.

Ab 2021 soll die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland tabu sein, drei Verfahren sollen als Alternative für die Schweinehalter dienen. Es sind die chirurgische Kastration mit Isofluranbetäubung, die Jung­ebermast sowie die Mast männlicher Tiere mit Impfung gegen den Ebergeruch. „Aber keines ist frei von Risiken“, fasst Enno Garbade Sauenhalter aus Bramstedt im Landvolk-Pressedienst (LPD) zusammen. „Am liebsten möchten wir Tierhalter vollständig auf die chirurgische Kastration verzichten“, so Garbade weiter. Alle Beteiligten in der Branche sieht er in der Pflicht, Alternativen umzusetzen.

In einem Praxisversuch testen daher verschiedene Tierhalter in ganz Norddeutschland an insgesamt 100.000 Tieren eine der drei Alternativen. Die Tiere erhalten den Impfstoff Improvac, um bei geschlechtsreifen Tieren den Ebergeruch zu verhindern. Er wird von empfindlichen Personen als ausgesprochen störend empfunden, daher verweigern Fleischverarbeiter und auch Lebensmittelhändler bislang die Vermarktung dieser Tiere. „Für uns Tierhalter sind mit der Impfung ein höherer Aufwand und höhere Kosten verbunden, die beim Verkauf vergütet werden müssen,“ legt Garbade die Position der Landwirte dar. Eine Vermarktung zu den Konditionen für Eber, der so genannten Ebermaske, lehnt er vehement ab: „Wird bei den Improvac-Tieren die Ebermaske angewendet, dann fehlt diesen Mästern bares Geld bei der Abrechnung!“ Das Landvolk sei deshalb mit den Schlachtunternehmen im Gespräch und fordert die Zusage ein, die Improvac-Tiere möglichst zu dem Preis anzukaufen, der auch für andere Schweine gezahlt wird.

Für den Praxisversuch impfen die Tierhalter in Zusammenarbeit mit dem Improvac-Anbieter die männlichen Tiere zweimal. Die erste Impfung am Ohrgrund erfolgt durch geschulte Teams des Herstellers bei einem Gewicht von 40 bis 45 kg, ein weiteres Mal sind die Tiere bei einem Gewicht von 60 bis 95 kg dran. Improvac ist kein Hormon oder Wachstumsförderer und hinterlässt keinerlei Rückstände im Fleisch, schreibt der LPD. Spannend für die Tierhalter bleibt die Frage, ob ihre Marktpartner bewusst diesen Verzicht auf die Kastration männlicher Tiere mittragen. „Jetzt sind die Marktpartner am Zug und müssen den Praxisversuch finanziell absichern“, macht Enno Garbade deutlich. Dann sieht er kein Problem, um die Improvac-Impfung als eine der drei Alternativen in weiteren Betrieben tatsächlich anwenden zu können.

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