Für einen Großteil der Weißen Linie werden die Preise jetzt neu ausgehandelt.
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Für einen Großteil der Weißen Linie werden die Preise jetzt neu ausgehandelt.

Bei den Kontraktverhandlungen für die Weiße Linie hat die heiße Phase begonnen. Die Preise werden sechs Monate gelten. 

Von Dirk Lenders, Lebensmittelzeitung
Handelsmarken machen bei der Weißen Linie (Milch- und Milchprodukte) etwa die Hälfte des Marktes aus. Für einen großen Teil davon werden jetzt die Preise neu verhandelt, die ab Mai für ein halbes Jahr gelten werden. Marktteilnehmer berichten über massiven Druck von Aldi. Auch Lidl verhandle mit Nachdruck. Es herrscht Unsicherheit, ob es mit den Preisen rauf oder runter geht. Molkereien und Handel sind bei der Bewertung von Fett und Eiweiß sehr weit auseinander, ist laut Lebensmittelzeitung zu hören.

Insgesamt gesehen war 2018 ein gutes Jahr für die Milch. Marktforscher registrierten ein kräftiges Umsatzplus von 5 bis 6 Prozent auf fast 12 Mrd. Euro. Die schlechte Nachricht: Der Absatz ging um etwa 1 Prozent zurück. Und der Trend hält an. Große Kategorien wie Fruchtjoghurt, Frischmilch, Naturquark oder die Sahne verlieren an Volumen.

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Bauern kritisieren karge Entlohnung

Hinzu kommt der verschärfte Konkurrenzkampf im Handel mit teils drastischen Aktionspreisen. Erst vor kurzem schockte der Handel die Molkereien mit der dritten Preissenkung für Butter in diesem Jahr. Außerdem wurden viele Käseartikel um bis zu 50 ct/kg billiger. Das kritisiert die Vereinigung der Milcherzeuger Bayern (VMB): "Die Anforderungen an das Tierwohl werden immer höher geschraubt, die Umweltauflagen ,nachverschlechtert‘. Maßloser Anspruch und karge Entlohnung passen schon lange nicht mehr zusammen!" Bei Butter habe der Handel wenigstens zugunsten des Verbrauchers einiges von seiner bisher recht üppigen Marge abgegeben. Aber wie beim Käse habe die Preissenkung laut VMB nicht sein müssen. Dagegen spreche die Entwicklung auf dem Weltmarkt.

Begleitet wird das Marktgeschehen von politischen Diskussionen: Brexit, GAP-Reform der EU, Düngeverordnung oder Tierwohl sind einige Themen, die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gerne mit einem Branchenverband Milch diskutieren würde. Doch der ist bisher ebenso wenig in Sicht wie eine Sektorstrategie.

All das sorgt für Unruhe bei Molkereien und Bauern. Und die könnte sich noch verstärken, wenn es bei den Kontrakten zu Preisabschlägen kommt. Denn im Raum steht immer noch die Diskussion um die richtige Preisfindung in der Wertschöpfungskette. Jüngst haben das staatliche Thünen-Institut und der Wettbewerbsökonom Rainer Lademann sehr unterschiedliche Konzepte dazu vorgelegt. Die Neigung der Politik, zu Gunsten der Landwirte einzugreifen – Stichwort Artikel 148 GMO – nimmt jedenfalls zu.

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