Raiffeisenverband

Zurück zum Ursprung

Um schwindende Märkte und die Macht von Amazon sorgt sich der DRV. Hilfe ist aber schon ausgemacht: Die Genossenschaftsidee ganz im Sinne von Gründungsvater Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Rosig sieht anders aus. Wenn der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) auf seiner Fachtagung in dieser Woche in Montabaur die Zukunftsperspektiven aufgemalt bekommt, herrschen graue Farben vor. Abbau der Tierbestände aufgrund gesellschaftlichen Drucks oder Seuchen, weniger Mineraldünger aufgrund höherer Effizienz oder der Düngeverordnung: Das waren nur zwei Beispiele des Gießener Agrarökonoms Professor Rainer Kühl vom Institut für Genossenschaften, die zeigen wie der Markt mit Kernprodukten des Agrarhandels wie Futter- und Düngemittel schrumpft.

Hinzu kommt eine Bedrohung von noch einer ganz anderen Seite. Es dauerte keine fünf Minuten, bis der DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp in seiner Begrüßungsrede das Wort zum ersten Mal in den Mund nahm: Amazon. Der Internet-Händler bietet schnellste Produktverfügbarkeit, Einfachheit, Kundenerlebnis und zusätzlichen Service. Für Holger Laue, Geschäftsführer der Raiffeisen Centralheide eG, ist es daher auch nicht mehr die Frage ob, sondern nur noch wann Amazon und Co. mit Agrargütern handeln. Bei abgepackten Futtermitteln sieht er nur noch wenige Hürden. Bei anderen Produkten funktioniere es schon, sagt Laue: "Kartoffeln handelt Amazon Fresh ja bereits."

Und so machten sich die rund 40 DRV-Fach- und Führungskräfte auf die Suche nach Geschäftsmodellen der Zukunft, um der Digitalisierung und den stagnierenden Märkten Herr zu werden. 

Schuhbranche als Ideengeber

Dazu hatten sie unter anderem einen Referenten eingeladen, der sich mit disruptiven Prozessen, also mit Innovationen, die ein bestehendes Geschäftsmodell komplett zerschlagen können, bestens auskennt: Gregor Bernhart von der ANWR Group. Die Genossenschaft kümmert sich um die Warenbeschaffung und den Einkauf in der Schuhbranche - ein Sektor, der von der Disruption durch Zalando mehr als gebeutelt ist. ANWR habe in den vergangenen fünf Jahren einen anstrengenden und mit zahlreichen Reibungsverlusten verbundenen Wandel geschafft, berichtet Bernhart. ANWR sieht sich jetzt als Ideengeber für digitale Anwendungen seiner Mitglieder. Lösungen, beispielsweise das digitale Etikett, um Preise je nach Wetter und Nachfrage hoch oder wieder runtersetzen zu können, würden getestet und dann der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Auch seien die Mitglieder jetzt so weit, nicht nur die Nachteile, sondern auch die Vorteile von Internet-Handelsplattformen zu sehen. "Die Mitglieder bieten ihre Schuhe mittlerweile unter einem Namen auf Zalando an. Voraussetzung war die Bündelung unserer Markt- und Verhandlungsmacht durch den Zusammenschluss zu dem Label Schuhe.de. Für solch einen Wandel müsse das ein oder andere Silo aufgebrochen werden. Die Genossen müssten bereit sein, Daten zu teilen und das Netzwerk wirklich zu leben.


Auf Schloss Montabaur hat man den vor 200 Jahren geborenen Friedrich Wilhelm Raiffeisen mit einer interessanten Video-Projektion wiederbelebt. Der DRV hat das auch mit dessen Genossenschaftsidee vor.
Foto: az Screenshot
Auf Schloss Montabaur hat man den vor 200 Jahren geborenen Friedrich Wilhelm Raiffeisen mit einer interessanten Video-Projektion wiederbelebt. Der DRV hat das auch mit dessen Genossenschaftsidee vor.

Neue Strategie ist gesucht

Bei solchen Aussagen zur Unternehmenskultur, da waren sich die DRV-Vertreter einig, sei man in einer Genossenchaft bestens aufgehoben. Genossenschaftliche Werte passen zu modernsten Themen, machte man sich gegenseitig Mut. Schließlich sei das gegenseitige Vertrauen eine der Urtugenden - frei nach Gründungsvater Friedrich Wilhelm Raiffeisen: "Was dem einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele." Holzenkamp erklärte in Montabaur, dass er als neuer Präsident die Entwicklung von neuen Strategien angestoßen habe. Ende des Jahres soll es erste Ergebnisse geben.

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